Mit einer roten Nase gehen die Clowndoktoren auf Visite

Elf Künstler engagieren sich als Clowns für die Roten Nasen Tirol. Bernd Fankhauser ist seit 17 Jahren dabei und lehrt in Seminaren, warum Humor auch im Job zählt.

Von Julian Bathelt

Innsbruck –Obwohl der Fasching bereits vorbei ist, gibt es auf der Kinderstation der Innsbrucker Klinik einiges zu lachen. Auch im Seniorenheim Steinach am Brenner oder im Rehabilitationszentrum Bad Häring können sich die Bewohner das Grinsen nicht mehr verkneifen. Die „Clowndoctors“ der Roten Nasen sind gerade wieder unterwegs und halten ihre Visite­ ab.

Mit roter Nase, kariertem Hemd, Hut und tollpatschigem Gang klopft Bernd Fankhauser, der eigentlich Unternehmensberater ist, seit 17 Jahren an Zimmertüren von Patienten und fragt behutsam: „Hallo, da ist der Doktor Claus, dürfen wir dich heute besuchen?“ Nicht jedem Patienten ist der Besuch der spaßigen Gesellen immer gelegen und die Clowndoktoren wollen niemanden überrumpeln. Vor jedem Auftritt wird mit der Stationsleitung besprochen, in welchem Zimmer die Künstler besonders vorsichtig sein müssen.

Über 120.000 Patienten erteilten vergangenes Jahr den 65 Clowns, die in Österreich nebenberuflich tätig sind, Zutritt zu ihrem Krankenbett und ließen sich von ihnen zum Lachen bringen. Mit kleinen Blödeleie­n, lustigen Liedern oder Grimassen soll vor allem Kindern der Krankenhausaufenthalt erleichtert werden. „Lachen ist gesund und trainiert viele Muskeln im Körper“, sagt Fank­hauser.

Das sei nicht nur im Krankenhaus wichtig, sondern auch im Alltag. Dort komme der Humor leider oft zu kurz, bemängelt der Clowndoktor. Seit einigen Jahren bietet seine Unternehmensberatungsfirma „Teamgeist“ Seminare zu Themen wie „Humor gegen Burnout“ oder „Humor als Schlüssel zum guten Gespräch“ für Firmen und Berufstätige an. In Form von Infotainment, einer Mischung aus Information und Unterhaltung, vermittelt der Clown die Inhalte auf humorvolle Art und Weise. „Es soll gelacht werden“, erklärt Fankhauser, „nur so hören die Leute zu und es bleibt etwas hängen.“

Als Therapeut sieht sich der Spaßmacher allerdings nicht. Das Erfolgsrezept des Clowns liege viel mehr darin, sich der eigenen Makel bewusst zu werden und diese humorvoll zu verkaufen. Es gehe nicht darum, sich über andere lustig zu machen. „Wir schminken uns auch nur sehr dezent und setzen nicht auf pompös­e Verkleidungen“, sagt Fankhauser.

Einmal pro Woche besucht er mittlerweile mit den Roten Nasen die Krankenhäuser Tirols. Nicht nur Erfreuliches gebe es da zu sehen und oft schleppt der Clown auch Schicksalsschläge mit nach Hause. Seine Tätigkeit genießt er trotzdem: „Humor ist eine Lebenseinstellung.“


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