Ausnahmekarriere begann mit einer Lungenentzündung

Was macht ein Vierjähriger, der zwei Winter lang wegen Krankheit nicht ins Freie darf? Er bringt sich selbst das Spielen auf der Ziehharmonika bei – aber nur, wenn er Franz Posch heißt.

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TV-Sendungen kommen und gehen, Franz Posch und seine „liabste Weis“ bleiben bestehen. Wie lautet das Geheimnis der 25 Jahre?

Franz Posch: Das Konzept ist einfach: Livemusik aus einem Wirtshaus mit Charakter und dazu kommt der Faktor „Wunschmusik“. Einfach und schwierig zugleich. Denn als Peter Moser, der zuständige Volksmusikchef im ORF Tirol, und ich die Idee in Wien präsentierten, gab’s nur Ablehnung. Musik kann im Fernsehen nicht live gespielt werden, war die fixe Idee der Programmgestalter. Und eines Tages hieß es schließlich: „Wenn ihr unbedingt Schiffbruch erleiden wollt, dann macht’s das.“

Klingt wenig ermutigend – wie war denn die erste Sendung?

Posch: Wir hatten ja nicht einmal einen Sendeplatz und auch kein Budget. Am 30. Jänner 1988 gingen wir statt einer Folge von „Ins Land einischaun“ auf Sendung – am Nachmittag, von 16 bis 17 Uhr, aus dem Gasthof Bogner in Absam.

Wie viel Fernseherfahrung hatten Sie denn?

Posch: Keine – ich bin als Nichtschwimmer ins kalte Wasser gesprungen, hatte allerdings einen kleinen Schwimmreifen. Zehn Tage vor der Sendung war ich bei Peter Rapp. Er hat mir gute Tipps gegeben, z.B. wie man das Mikrofon hält und dass stets Kamerakontakt bestehen muss. Und die Hauptbot­schaft lautete: Bleib wie du bist, lass dir nichts einimpfen.

Diese Blitzeinschulung hat geholfen?

Posch: Sehr sogar. Noch dazu hat Peter Rapp kurz vor der Sendung angerufen, mich ermutigt und gemeint, dass er weiß, dass es funktionieren wird. Mir hat das Berge gegeben. Peter Rapp hat Recht gehabt, immerhin waren bei der ersten Sendung 480.000 Zuseher.

Wie hat es die „liabste Weis“ ins Hauptabendprogramm geschafft?

Posch: Nach und nach sind die Bundesländer dazugekommen, bis 1991 Ernst Grissemann und Gerd Bacher die Sendung im Hauptabendprogramm wollten. Ab sofort Hauptabendprogramm – so lautete das Fax von Gerd Bacher, das ich heute noch habe.

Trotzdem gab es eine Phase, in der der „liabsten Weis“ die Einstellung drohte – was war geschehen?

Posch: Ein Boom an volkstümlichen Sendungen hatte eingesetzt, vor allem in privaten Sendern. Es war ein Überangebot da, und wie das so ist mit modischen Strömungen, sie haben ein Ende. Fast wären wir unter die Räder gekommen. Aber die Absicht, die Sendung einzustellen, wurde publik. Viele große Zeitungen – auch die TT – bekamen Wind davon. Es kam zu einer riesigen Protestbewegung, Körbe an Post trafen beim ORF ein. Die Sendung war gerettet.

Ist bei den Sendungen immer alles glatt gelaufen, oder gab es auch Hoppalas?

Posch: Ein Hoppala passierte 2006: Da ist es uns wirklich gelungen, Katzenmusik zu machen. Wir haben so falsch gespielt, dass wir neu anfangen mussten. Ich habe bei dem Stück einen Teil wiederholt, die Kollegen haben den Teil weitergespielt, der war noch dazu in einer anderen Tonart. Und keiner hat nachgegeben. Ich musste abbrechen, habe mich mit den Worten „tut mir leid – mea culpa – ich habe mich mit der Wiederholung vertan“ entschuldigt. Der Regisseur hatte eine Riesenfreude und meinte, dass die Zuschauer jetzt endlich merken, dass jede Note live gespielt wird. Es gab übrigens keine einzige böse Reaktion.

Bei den Sendungen der letzten Jahre ist ja Franz Posch auch oft in sportlichen Sequenzen zu sehen. Wie schwer ist das?

Posch: Kommt drauf an. Skifahren ist natürlich kein Problem, aber das Klettern am Ortler z.B. war für mich anstrengend, weil ich nicht schwindelfrei bin. In der kommenden Sendung am Samstag werde ich wieder etwas machen, das ich nicht kann, nämlich eislaufen.

Sind Sie privat sportlich?

Posch: Ich mache einmal wöchentlich Gymnastik, gehe ein- bis zweimal wöchentlich Fußball spielen und Ski fahren, sooft es geht. Außerdem habe ich ja im Akademischen Gymnasium Innsbruck neben Musik auch Turnen unterrichtet.

Gibt es bei Ihnen Tage, an denen Sie kein Instrument spielen?

Posch: Die kommen sehr selten vor. Wenn ich unterwegs bin, habe ich zumindest immer ein Mundstück für Trompete im Handschuhfach des Autos.

Wie alt waren Sie denn, als Sie Ihr erstes Instrument erlernten?

Posch: Mit viereinhalb Jahren habe ich mir die Zeit mit der diatonischen Harmonika meines Vaters vertrieben. Es war Winter und ich hatte Lungenentzündung. Ich durfte den ganzen Winter nicht ins Freie. Fernsehgerät gab‘s nicht und auch kaum Spielzeug. Also probierte ich das Ziehharmonikaspielen. Im darauffolgenden Winter passierte das Gleiche – Schatten auf der Lunge. Laut Auskunft meiner Mutter wäre ich fast gestorben. In diesen Monaten übte ich sehr viel und lernte schnell. Lob und Anerkennung beflügelten meinen Lerneifer. Und schließlich verdiente ich mein eigenes Taschengeld.

Für Auftritte in einem Gasthaus waren Sie doch zu jung.

Posch: Die Gäste sind indirekt zu mir gekommen. Wir wohnten in der Nähe des Kurhotels in Hall und ich habe oft auf der Bank vor dem Haus gespielt. Vorbeispazierende Kurgäste staunten dann über den kleinen, musikalischen Buben, fotografierten mich und tanzten oft zur Musik. Mir hat das gefallen, ich hab‘s ja auch provoziert. Sobald ich gesehen habe, dass Gäste um die Kurve biegen, bin ich auf der Bank gesessen und habe gespielt. Die Geldquelle war gut – einmal hab‘ ich sogar fünf Schilling bekommen.

Wenn man so wie Sie von klein auf ein Instrument spielt, geht es einem nicht irgendwann auf die Nerven?

Posch: Während der Pubertät habe ich mich regelrecht geschämt für die Ziehharmonika. Erschwerend kam dazu, dass es für das Instrument nicht einmal einen Koffer gegeben hat. Wenn ich nun zu den Schuhplattlern oder zu anderen Veranstaltungen marschierte, musste ich die Harmonika in einem Jägerrucksack transportieren. Peinlich war das – in dieser Zeit war ich ein großer Beatles-Fan.

Wissen Sie, wie viele CDs Sie schon aufgenommen haben?

Posch: Mit den verschiedenen Formationen, den Innbrügglern, Dixielandern, Max Bauer und alleine sind es ca. 30.

Sie sind ja in verschiedenen Musikrichtungen zuhause, spielen Sie z.B. noch Jazz?

Posch: Die ganz intensive Jazz-Phase ist vorüber. Das hat mehrere Gründe. In den 80er-Jahren hatte ich zehn Sommer hindurch Engagements in Chicago. Dort spielte ich Volksmusik und Schlager mit Volksmusikgrößen wie Peter Moser, Florian Pedarnig, Peter Kostner, Max Bauer, Otto Ehrenstrasser u.a. in einem großen Lokal, das hauptsächlich von Auslands­österreichern besucht wurde. In Chicago lernte ich dann auch großartige Jazzmusiker kennen. Wieder zuhause, gründete ich auch gleich die Dixielanders Hall. Und mit dem leider zu früh verstorbenen Ferry Strassl habe ich oft Jazz-Sessions gespielt. Jetzt geht‘s in eine ganz andere musikalische Richtung – in die zeitgenössische. Da habe ich Blut geleckt.

Wie findet man dazu den richtigen Zugang und wo liegt der Reiz dieser Musik?

Posch: Als ich in einem Sommersemester 2012 erstmals die Noten einer zeitgenössischen Komposition für Volksmusik in den Händen hielt, war ich skeptisch. Unspielbar – das war mein erster Gedanke. Das unglaublich Faszinierende daran ist aber, dass man dabei das Instrument mit Originalkompositionen vollkommen ausreizen kann. Etwa wenn man drei tiefe Bässe gleichzeitig spielt oder einen Es-Dur-Akkord gleichzeitig mit einem d-Moll-Akkord.

Reizt Sie sonst noch eine musikalische Aufgabe?

Posch: Irgendwann möchte ich noch eine CD mit Volksmusik und Dixieland Swing aufnehmen, auf der ich alle Instrumente selbst spiele – vom Schlagzeug über Klarinette, Trompete, Harfe usw. bis zur Ziehharmonika. Ich glaube, das muss ich einfach machen.


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