Nordkorea will Atomreaktor wieder hochfahren, Ban „zutiefst besorgt“

Das Regime in Pjöngjang könnte damit seine Bestände an atomwaffenfähigem Plutonium weiter vergrößern. UN-Generalsekretär Ban Ki-moon warnte, dass nukleare Drohungen „kein Spiel“ seien.

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Pjöngjang, Seoul – Im schwelenden Konflikt auf der koreanischen Halbinsel hat der Norden angekündigt, seine umstrittene Atomanlage in Yongbyon wieder hochzufahren. Damit könnte Nordkorea seine Bestände an Plutonium zum Bau von Kernwaffen weiter vergrößern. Die staatliche Nachrichtenagentur KCNA meldete am Dienstag, der Wiederaufbau der vor sechs Jahren abgeschalteten Anlage mit Nordkoreas wohl einzigem Plutonium-Reaktor diene militärischen Zwecken und der Stromgewinnung.

Machthaber Kim Jong-un bezeichnete Atomwaffen als Mittel der Abschreckung und Garant für die Souveränität des kommunistischen Staates. Die USA verlegten einen Zerstörer vor die koreanische Küste, gaben sich aber ansonsten demonstrativ gelassen: Ungeachtet der Kriegsdrohungen der Führung in Pjöngjang gebe es keine Hinweise auf eine Mobilmachung des Nordens, erklärte ein Sprecher des US-Präsidialamtes.

China „bedauert“ Ankündigungen Nordkoreas

Nordkoreas Verbündeter China reagierte „mit Bedauern“ auf die Ankündigung Nordkoreas. Sie bedeutete einen weiteren Dämpfer für die Bemühungen der Regierung in Peking, Abrüstungsgespräche auf der koreanischen Halbinsel wieder in Gang zu bringen. „Wir rufen alle beteiligten Seiten auf, Ruhe zu bewahren und Zurückhaltung zu üben“, sagte der Sprecher des Außenministeriums in Peking, Hong Lei, am Dienstag. Die derzeitige Lage auf der koreanischen Halbinsel sei „kompliziert“ und „sensibel“. China trete weiterhin für eine atomwaffenfreie koreanische Halbinsel sowie für Frieden und Stabilität in der Region ein.

UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon rief alle Seiten zur Vorsicht auf. „Die Dinge müssen anfangen, sich wieder zu beruhigen“, sagte der Südkoreaner am Dienstag bei einer Pressekonferenz während eines Besuchs in Andorra. „Die Situation wird verschlimmert durch Mangel an Kommunikation und könnte zu einem Pfad führen, den niemand gehen will.“ Er sei „zutiefst besorgt“, sagte Ban weiter. „Die Krise ist schon zu weit fortgeschritten. Nukleare Drohungen sind kein Spiel.“ Der Konflikt könne nur durch Dialog und Verhandlungen gelöst werden.

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Experten: Material für bis zu acht Atombomben

Unklar war zunächst, wie lange es dauern würde, bis die Anlage in Yongbyon wieder in Betrieb gehen könnte. KCNA berichtete, der Neustart solle eine „akute Stromknappheit“ beheben und die Nuklearstreitkräfte stärken. Zu dem Komplex gehören eine stillgelegte Anlage für Uran-Anreicherung und ein Fünf-Megawatt-Reaktor zur Produktion von Plutonium. Er gilt als Nordkoreas einzige bekannte Plutonium-Quelle für sein Atomwaffenprogramm.

Beobachter vermuten, dass Nordkorea ausreichend spaltbares Material hat, um bis zu acht Atombomben zu bauen. Das Institute for Science and International Security geht davon aus, dass der Norden bis 2016 über genug waffenfähiges Uran für 21 bis 32 Nuklearwaffen verfügt, wenn es auch die Zentrifuge in Yongbyon zur Uran-Anreicherung nutzt. Der Kühlturm der Anlage war 2008 in einer medienwirksamen Aktion in die Luft gesprengt worden. Ein Jahr zuvor war die Anlage als Teil eines internationalen Abkommens über Nordkoreas Atomprogramm abgeschaltet worden. Das weitgehend abgeschottete Land hatte zuletzt seinen dritten Atomtest ausgeführt.

„Unsere nukleare Stärke ist eine verlässliche Kriegsabschreckung und die Garantie zum Schutz unserer Souveränität“, sagte Kim vor der Führung der regierenden Arbeiterpartei. Das Atompotenzial sei die Grundlage für Frieden und Wohlstand. Politische Beobachter werteten die Äußerungen als leichtes Abrücken von der nordkoreanischen Kriegsrhetorik, die in den vergangenen Wochen vorgeherrscht hatte. Kim versuche offenbar, mehr zu wirtschaftlichen Fragen überzuschwenken, sagte Yang Moo-jin von der Universität für Nordkoreanische Studien in Seoul. Zuletzt hatte Nordkorea noch den USA mit einem atomaren Erstschlag gedroht und auch seinen südkoreanischen Nachbarn mit Kriegsdrohungen überzogen.

USA entsandte Tarnkappenbomber nach Südkorea

Südkorea drohte seinerseits mit einem massiven und raschen militärischen Gegenschlag. Die USA verlegten Kreisen des Verteidigungsministeriums zufolge den Zerstörer USS McCain in die Gewässer vor der Halbinsel. Es war unklar, wo genau sich das Kriegsschiff am Dienstag befand. Die USA und Südkorea halten derzeit ihr jährliches Manöver ab. Für die Übung hatten die USA auch Tarnkappenbomber nach Südkorea entsandt.

Die beiden koreanischen Staaten befinden sich seit dem Krieg von 1950 bis 1953 formell noch im Kriegszustand. Sie unterzeichneten zwar ein Waffenstillstandsabkommen, nicht aber einen Friedensvertrag. (APA/dpa/AFP/Reuters)


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