Niedermeyer pleite – in Tirol droht Kahlschlag bei Filialen und Jobs

Die Insolvenz des Elektrohändlers Niedermeyer kostet 279 von 580 Mitarbeiter ihren Job, 53 der 98 Filialen werden geschlossen. Betroffen ist auch Tirol. Hier sollen zumindest fünf von neun Filialen geschlossen werden und etwa 20 Mitarbeiter ihren Job verlieren. Außerdem betrifft die Pleite auch die Hypo Tirol Bank.

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Wien – Der Elektrohändler Niedermeyer GmbH ist pleite. Das Wiener Traditionsunternehmen hat beim Handelsgericht Wien ein „Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung“ beantragt, wie der Kreditschutzverband von 1870 (KSV) heute (Dienstag) mitteilte. „Wir gehen davon aus, dass die Passiva rund 28,8 Mio. Euro betragen“, sagte Christoph Vavrik vom KSV. Den rund 840 Gläubigern wird eine Quote von 20 Prozent innerhalb von zwei Jahren angeboten.

Fünf von neun Filialen in Tirol vor Schließung

Von der Insolvenz sind 580 Beschäftigte in 98 Filialen in ganz Österreich betroffen. Laut dem vorgelegten Sanierungsplan sollen 53 der 98 Filialen geschlossen werden, 279 Mitarbeiter verlieren ihren Job. In Tirol gibt es neun Filialen. Vier sollen laut neuesten Informationen der Arbeiterkammer Tirol „weiterhin offen bleiben“. Demnach sind die Zweigstellen in Wörgl, St. Johann, Telfs, Imst und Landeck von der Schließung bedroht – lediglich die Standorte Innsbruck, Schwaz und Lienz sollen geöffnet bleiben. Der Kahlschlag im Tiroler Filialnetz könnte bis zu 20 Mitarbeiter betreffen.

„Es ist die größte Wiener Insolvenz dieses Jahres“, sagte Vavrik. Österreichweit sei es die zweitgrößte Pleite nach Griffnerhaus in Kärnten. „Wir rechnen damit, dass die Verfahrenseröffnung rasch erfolgen wird.“

Grund der Insolvenzanmeldung ist Zahlungsunfähgikeit bzw. Überschuldung. In den Passiva in Höhe von 28,8 Mio. Euro sind laut KSV bereits Kosten für die Filialschließungen enthalten.

Millionen-Verlust im Vorjahr

„Es muss nun rasch Klarheit geschaffen werden, ob das Unternehmen in der Insolvenz tatsächlich längerfristig fortgeführt werden kann und wir werden darauf drängen, dass vom Unternehmen ehestbaldig ein plausibles Fortführungs- und Finanzierungskonzept in Anbetracht des angestrebten Sanierungsplans vorgelegt wird“, sagte Vavrik.

Der Wiener Elektrohändler Niedermeyer hat im Geschäftsjahr 2011/12 (per 30. April) einen Verlust von 2,9 Mio. Euro erlitten, im Jahr davor hatte das Unternehmen „noch einen geringen Gewinn in der Größenordnung von 100.000 Euro“, sagte Christian Rothmüller, Sprecher von Niedermeyer.

Für die Schwierigkeiten, die letztendlich zur Insolvenz führten, macht das Traditionsunternehmen „konjunkturbedingte Umsatzrückgänge und sinkende Margen“ verantwortlich. Das Niedermeyer-Konzept eines „Elektronik-Nahversorgers“ sei durch den boomenden Online-Handel und „Großflächendiskonter“ unter Druck geraten, so Niedermeyer.

Mitarbeiter beim AMS angemeldet

Die 279 Mitarbeiter, denen der Jobverlust droht, seien seit heute beim Arbeitsmarktservice zur Kündigung angemeldet worden, sagte der Sprecher weiter. Im Vorjahr sei der Nettoumsatz (ohne Mehrwertsteuer, Anm.) von knapp 111 Mio. Euro (2010/11) auf rund 105 Mio. Euro gesunken.

Derzeit würden Gespräche mit potenziellen Investoren geführt, so eine Aussendung von Niedermeyer. Welche das seien, wollte der Sprecher aber nicht sagen. Es gehe nun darum, „die wesentlichen Unternehmensbestandteile zu erhalten und eine strategische Neuausrichtung“ zu erreichen.

Aus der Insolvenz will das Unternehmen mit einem neuen Konzept herauskommen und die 45 besten der 98 Filialen erhalten. Welche Filialen geschlossen werden, stehe noch nicht fest.

Darüber werden erst Gespräche mit dem zu bestellenden Sanierungsverwalter geführt, betonte der Niedermeyer-Sprecher heute. Den rund 840 Gläubigern bietet das Unternehmen im Rahmen eines sogenannten Sanierungsverfahrens ohne Eigenverantwortung eine Quote von 20 Prozent an.

Hypo Tirol Bank indirekt beteiligt

Niedermeyer befindet sich im Mehrheitsbesitz von Niedermeyer-Geschäftsführer Werner Weber (43), der über die Sapentia GmbH 50,1 Prozent am Elektrohändler hält. Die restlichen 49,9 Prozent gehören der Hypo Equity Beteiligungs AG, an der laut FirmenCompass u.a. die Vorarlberger Landes– und Hypothekenbank Aktiengesellschaft (43,29 Prozent) und die Hypo Tirol Bank (21,78 Prozent) wesentlich beteiligt sind. Die Eigentümer hätten in den letzten Jahren rund 6 Mio. Euro ins Unternehmen investiert – im September 2012 seien es 2 Mio. Euro gewesen, betonte Rothmüller. (tt.com, APA)


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