Die gut getarnte Bienenwabe

Sechseckig, kompakt und dunkel: Während das Haus in Karrösten von außen kaum wahrnehmbar ist, besticht es im Inneren durch Helligkeit und erstaunlich viel Raum.

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Von Vanessa Grill

Karrösten –Was die Bienen schon immer wussten und Mathematiker fasziniert, hat Architekt Günter Mohr auch bei seinem Haus in Karrösten angewandt: die optimale Raumnutzung durch die Form der Wabe. „Die sechseckige Grundform hat sich durch den Zuschnitt des Grundstückes, die maximal zulässige Höhe im Bebauungsplan, die Bauordnung und unseren Wunsch, aus dem Wohnraum über das Dach des Nachbarn zu schauen, ergeben“, erklärt Mohr. Seine Frau Marina und ihr Bruder hatten den Grund in steiler Hanglage am Fuße des Tschirgant von der Mutter geerbt. Beide beschlossen dort zu bauen. Als Kinder spielten die Geschwister auf den Feldern und im angrenzenden Wald. Daher sollte auch der Ausblick dieser Gegend auf den Talanfang im Süden, das Obere Inntal im Westen und den Wald im Norden in die Planung miteinbezogen werden.

Aus diesem Grund rückte der Architekt das Haus auf dem 450 Quadratmeter großen Grundstück ganz nach Norden an die Waldgrenze. Eine Zufahrtsstraße führt unterhalb des Hauses durch das Grundstück. Auch zwei Parkplätze sind dort untergebracht. „Wir wollten keine Garage, aber einen Abstellraum, um beispielsweise Fahrräder unterzustellen. Dafür dient nun ein in den Hang eingegrabenes Betonrohr“, erläutert Günter Mohr.

Von der Straße gelangt man über eine Freitreppe, die als Erschließung und Verbindung beider Häuser dient, auf die Terrasse. „Die Drehscheibe des Hauses“, so der Architekt, „hier spielt sich im Sommer alles ab.“ An die überdachte Terrasse schließt das Büro der Bauherrin an, das auch als Gästezimmer genutzt wird. Die Besucher der Mohrs können sich glücklich schätzen, denn auch eine Sauna, Dusche und WC sind im 30 Quadratmeter großen Erdgeschoß vorhanden. „Im Winter mutiert das Büro zur Wellnessoase“, schmunzelt der Architekt. Weiter ins Obergeschoß geht es über eine Freitreppe. Gerade in Hinblick auf die kalte Jahreszeit keine gewöhnliche Entscheidung. „Dafür riecht es hier so gut nach Holz und Natur – und je nach Witterung unterschiedlich“, hält die Bauherrin dagegen. Deutlicher wird der Grund für die Freitreppe beim Begutachten der 62 Quadratmeter großen Wohnebene nachvollziehbar. „Wir wollten einen effizienten Grundriss, keine Gänge, wenig Wände, dafür viel Ausblick – ähnlich einem Loft“, beschreibt Mohr die Idee dahinter, die sich in einem offenen Wohn-, Koch- und Essbereich mit raumhoher Verglasung niederschlägt. Der Wohnraum öffnet sich nach Osten und Süden. Die privaten Bereiche wie Schlaf- und Badezimmer orientieren sich am nahen Wald und können durch Schiebetüren vom Wohnbereich abgetrennt werden.

Außen und innen dominieren das Material Holz und die Farbe Schwarz. Die Fassade ist mit dunkler EPDM-Folie überzogen, die eigentlich für Flachdächer verwendet wird. „Das Haus ist dadurch gut getarnt. Der schwarze Körper verschmilzt mit dem Wald und ist dadurch vom Dorf und der anderen Talseite kaum sichtbar“, meint Günter Mohr. Nur die Terrasse, als Einschnitt in den Baukörper, blitzt von Weitem hervor: Die Außenwände im Inneren des Stiegenaufgangs und der Terrassenuntersicht sind in sägerauer Kiefer, der Terrassenboden aus Lärche. Im Gegensatz zum dunklen äußeren Erscheinungsbild ist das Haus im Inneren hell. Bei den Böden der Innenräume und der Decke im ersten Obergeschoß haben sich die Bauherren für Weißtanne entschieden. Die Möbel sind weiß.

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Wie an eine Bienenwabe immer weiter angedockt wird, ist eine Erweiterung auch bei dem Haus in Karrösten möglich. „Bei Bedarf können wir einen weiteren Stiegenaufgang anbringen und somit das Flachdach als Terrasse nutzen“, so Mohr. Auch ein Anbau wäre möglich. So bekämen wir zwei bis drei Zimmer dazu.“ Alles sehr durchdacht – wie bei Bienen eben.


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