Schildchen-Bürgerstreich

Sie kleben an Schuhen und kratzen im Pulli. Etiketten sind dort, wo sie keiner braucht.

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Hilfe! Ist das normal? Fliegen ist nicht jedermanns Sache.Foto: Thinkstock
© thomas boehm

Von Nicole Unger

Innsbruck –Liebe Firma N.! Es ist zwar vorbildlich, dass Sie Ihre Trinkflaschen ohne schädliches Bisphenol A herstellen, aber muss der Hinweis dazu mitten auf dem Plastikgefäß kleben? Auf einem extra­haftbaren Pickerl, das sich nur durch fingernagelfeindliches Rubbeln entfernen lässt und trotzdem noch hässliche Papierfetzen hinterlässt?

Geht es nur mir so oder kleben Etiketten und Preissticker tatsächlich immer an den unmöglichsten Stellen? Mitten am Teller, auf Weingläsern oder am Laptop. Ist es in Zeiten, in denen Roboter Rasen mähen und Menschen aus der Stratosphäre springen, nicht möglich, ein Klebepatent zu entwickeln, das sich so leicht wie ein Post-it ablösen lässt? Offensichtlich nicht.

Nehmen wir das Beispiel Schuhe. Der Preis sagt oft nichts über das Klebe-Dilemma aus. Selbst Promis wurden bereits mit Preispickerl auf ihren 899 Dollar teuren hochhackigen Stilettos in Größe 39 gesichtet. Wozu eine Google-­Brille? Man erfährt mehr Daten über den Menschen, wenn man einen Blick auf seine Schuhsohlen wirft.

Oder man schaut sich einmal genauer die Klamotten seines Gegenübers an. Da kann man Dinge ablesen, einfach unglaublich. Ganze Romane stehen in den endlos langen weißen Zettelchen, die an der Innenseite von Blazer- oder Pullikragen hängen und einem in 95 Sprachen auf die Nerven gehen.

Ich lese ja gerne. Aber dreiseitige Anleitungen zum Waschen des Pullis sind eindeutig zu viel. Ein paar Waschsymbole würden doch völlig reichen. Eine Hand und ein Waschbecken bedeutet Handwäsche. Ich bin mir sicher, das versteht man in Hintertupfing genauso wie in China.

Will man sich nicht ständig wie verrückt im Nacken kratzen und eine ganze Zettelwirtschaft mit sich führen, bleibt einem nichts anderes übrig, als zur Schere zu greifen. Noch dazu könnten sich sonst am Stoff kleine Löcher bilden, wenn die Etiketten ständig an derselben Stelle reiben. Die Trennung? Aufreibend. Nervig. Mit Hindernissen. Vor allem, wenn die Zettelmonster straff am sensiblen Seidenschal angenäht sind und das Entfernen im wahrsten Sinne zur Zerreißprobe wird.

Apropos reißen? Warum existieren eigentlich keine Schnell-Abriss-Etiketten? Oder gibt es diese schon und ich kaufe nur die falsche Kleidung? Sollte ich womöglich doch einmal die Schildchen genauer durchlesen? Vielleicht steht ja dort die Anleitung zur Etikettenlösung.


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