Bis zu 1300 Gigawattstunden aus Tiroler Windparks

Grüne präsentierten Kriterienkatalog, den der Landtag 2012 in Auftrag gegeben hat. 300 Quadratkilometer für Windenergie-Produktion nutzbar.

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Von Helmut Wenzel

Landeck –Etwa 6500 Gigawattstunden (GWh) Strom fragen Tirols Wirtschaft und Privathaushalte jährlich nach. Ein Fünftel davon – rund 1300 GWh – könnte mit Windenergie-Anlagen produziert werden. 300 Quadratkilometer oder 2,4 Prozent der Landesfläche könnten als Windnutzungsfläche definiert werden. Zu diesem Ergebnis kommen die Autoren des Kriterien­katalogs „Windkraft in Tirol“.

Der Landtag hatte die Expertise im Mai 2012 in Auftrag gegeben. Ein Arbeitskreis mit Daria Sprenger (Abteilung Landesentwicklung und Zukunftsstrategie) trug ganzheitliche Aspekte – Wirtschaftlichkeit, Raumordnung, Umweltverträglichkeit usw. – zusammen. Seit Jahresbeginn liegt der ca. 50 Seiten dicke Katalog mit Empfehlungen an die Politik vor. „Ich hab­e ihn nicht offiziell bekommen“, sagte LA Georg Willi, Energiesprecher der Grünen, am Mittwoch bei der Präsentation in Landeck. Dass die Regierung das Auftragswerk monatelang unter Verschluss halte, sei gelinde gesagt eine Zumutung: „Es wäre längst ihre Pflicht gewesen, den Katalog an den Landtag zu übermitteln.“

Für die Experten bzw. Autoren des Katalogs findet Willi hingegen lobende Worte – sie hätten profunde Entscheidungsgrundlagen bzw. eine Checkliste für die Realisierung von Windenergieanlagen vorgelegt. „Ein Projektwerber muss nachweisen, dass er die nötigen Rahmenbedingungen erfüllt“, erläutert der Energiesprecher. Dass Natur-, Ruhe- und Landschaftsschutzgebiete sowie Richtfunkstrecken des Landes und des Heeres als Standort für Windparks nicht in Frage kommen, verstehe sich von selbst. Die Autoren listen auch explizit Positivkriterien auf. So wird etwa „die Errichtung von mindestens drei Windrädern in engem räumlichen Zusammenhang unter Nutzung derselben Infra­struktur“ empfohlen.

Für die vom Landecker Windpark-Initiator Günter Kramarcsik konzipierte Pilotanlage am Venet sehen die Grünen kein K.-o.-Kriterium. Kramarcsik drängt jetzt vehement auf den Start der einjährigen Windmessungen in Nabenhöhe (ca. 85 Mete­r). Damit soll das nötig­e Windpotenzial (5,5 Meter pro Sekunde) nachgewiesen werden. Günstige Werte hat Experte Jürgen Neubarth vor allem für das Wipptal und für Osttirol ermittelt.


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