Japans Notenbank geht geldpolitisch in die Vollen

Wie die Währungshüter nach ihrer zweitägigen Sitzung mitteilten, wird das Programm zum Ankauf von Wertpapieren ausgeweitet, um die Deflation stärker zu bekämpfen.

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Tokio - Die japanische Notenbank schießt im Kampf gegen die hartnäckige Deflation aus allen Rohren und hat damit Schockwellen an den Finanzmärkten ausgelöst. Die Notenbanker unter ihrem neuen Chef Haruhiko Kuroda lockerten die Geldpolitik mit radikalen Schritten und schickten damit die Renditen der Staatsanleihen auf Talfahrt.

Geldbasis statt Leitzins

Wie die Währungshüter am Donnerstag nach ihrer zweitägigen Sitzung mitteilten, wird das Programm zum Ankauf von Wertpapieren deutlich ausgeweitet. Zudem verabschiedet sich die Bank von Japan vom Leitzins als maßgeblicher geldpolitischer Kenngröße und will statt dessen auf die Geldbasis (Geldmenge M0) achten. Bei der Regierung stößt sie damit auf Zustimmung: Die Entscheidung der Bank von Japan sei höchst anerkennenswert, sagte Wirtschaftsminister Akira Amari. Notenbankchef Kuroda will die Maßnahmen noch am Donnerstag vor Journalisten erläutern.

„Die Bank von Japan wird geldpolitische Operationen so durchführen, dass die Geldbasis jährlich um 60 bis 70 Billionen Yen steigt“ (500 bis 584 Mrd. Euro), teilte die Notenbank zu ihrer Entscheidung mit. Sie zieht dazu den unbefristeten Ankauf von Wertpapieren vor. Auch wollen die Währungshüter in Zukunft japanische Anleihen mit längeren Laufzeiten von bis zu 40 Jahren kaufen. Mehrere Ankaufprogramme wurden zusammengefasst. Jährlich sollen die Bestände an Staatsanleihen um 50 Billionen Yen steigen. Zudem wollen die Notenbanker ihr Portfolio an langlaufenden Staatsanleihen und börsennotierten Fonds (ETF) verdoppeln. Die Entscheidungen seien im geldpolitischen Rat einstimmig gefallen, hieß es weiter.

Futures auf Rekordhöhe

Die Renditen japanischer Staatsanleihen sanken auf das niedrigste Niveau seit zehn Jahren, die Futures stiegen auf Rekordhöhe. Der Yen gab nach. „Es sieht aus wie ein Experiment, aber ich denke, das ist in Ordnung, weil es viele wirtschaftliche Ideen gibt, die man nicht im Vorfeld testen kann“, sagte Hiroaki Muto, Volkswirt bei Sumitomo Mitsui Asset Management. Es sei aber fraglich, ob die Geldpolitik ausreiche, um die Wirtschaft Japans wieder in Schwung zu bringen.

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Japan leidet seit Jahren unter einer Deflation, also einer Abwärtsspirale aus fallenden Preisen und einer sinkenden Nachfrage. Die Notenbank und die Regierung von Shinzo Abe wollen nun diesen Teufelskreis durchbrechen. Die Währungshüter haben sich ein Inflationsziel von zwei Prozent gesetzt, das sie binnen zwei Jahren erreichen wollen - was viele Experten aber als allzu ambitioniert ansehen. Zudem stellen sie in Frage, ob es eine Lösung für die japanische Wirtschaft ist, Geld zu drucken. Schon im März erreichte die Geldbasis, die sich aus Bargeld und den Reserven bei der Notenbank zusammensetzt, ein Rekordhoch, ohne dass die Deflation zu Ende ging. (APA/Reuters)


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