Frauen entgehen im Job 70.000 Euro in zehn Jahren

Die Gehaltsschere zwischen Frauen und Männern klafft mit 25,5 % weit auf. Für Innenministerin Mikl-Leitner sind „veraltete Kollektivverträge“ schuld.

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Wien –Frauen steigen nach dem Studium mit einem ähnlichen Gehalt wie Männer in den Job ein – ab diesem Zeitpunkt steigt die Gehaltsdifferenz zwischen den Geschlechtern aber laufend. Innerhalb von zehn Jahren ergebe das eine Differenz von rund 70.000 Euro – und das bei identer Ausbildung und vergleichbaren Jobs. Bekommt eine Frau in dieser Zeit ein Kind, erhöhe sich der Unterschied sogar auf fast 95.000 Euro. Dies rechnete das internationale Netzwerk Business and Professional Women (BPW) zum von ihm ausgerufenen „Equal Pay Day“ am heutigen 5. April vor. Bis zu diesem Datum müssen Frauen theoretisch arbeiten, um auf das gleiche Jahresgehalt wie ihre männlichen Kollegen 2012 zu kommen.

Das Einkommen ganzjährig vollzeitbeschäftigter Frauen liegt in Österreich laut Daten der Statistik Austria 25,5 % unter jenem vollzeitbeschäftigter Männer. „Wir begehen den Equal Pay Day heuer am 5. April zum fünften Mal“, erklärte BPW-Vizepräsidentin Christa Kirchmair. Mit der Aktion wolle man das Bewusstsein für die Thematik schärfen sowie zur Diskussion anregen. Business and Professional Women ist ein internationales Netzwerk für berufstätige Frauen. Als ein zentrales Anliegen im Gründungsjahr 1930 wurde wie auch aktuell „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ gefordert.

Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek forderte am Donnerstag mehr „männliche Vorbilder, die in Karenz gehen“ – etwa männliche Geschäftsführer. Noch immer müssten sich zu viele Frauen zwischen Kind und Karriere entscheiden – hier gelte es, mit besserer Kinderbetreuung und ganztägigen Schulformen gegenzusteuern, meinte die Ministerin.

Judith Schwentner, Frauensprecherin der Grünen, meinte indes: „Bei der Einkommensungleichheit zwischen Frauen und Männern herrscht seit Jahren absoluter Stillstand. Die von Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek gesetzten Maßnahmen sind auf halbem Weg stecken geblieben.“ Sie forderte einen gesetzlichen Mindestlohn und Frauenförderpläne.

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Innenministerin Johanna Mikl-Leitner erklärte in ihrer Funktion als ÖAAB-Bundesobfrau die heimischen Kollektivverträge zum Schuldigen für die Gehaltsschere. „Die veralteten Kollektivverträge müssen endlich an die Realität der Menschen angepasst werden. In Kollektivverträgen werden Zeiten des Präsenzdienstes und Zivildienstes für Gehaltsvorrückungen berücksichtigt, ein Karenzurlaub nach Mutterschutzgesetz nicht. Das ist eine Ungerechtigkeit gerade gegenüber Frauen“, betonte Mikl-Leitner.

Die Bundesvorsitzende von Frau in der Wirtschaft in der Wirtschaftskammer, Adelheid Fürntrath-Moretti, forderte u. a. flexible und leistbare Kinderbetreuungsplätze. (TT, APA)


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