Touristiker wollen Kriegskasse füllen

Der TVB Innsbruck will weg von der Feuerwehrfunktion für finanzmarode Freizeitinfrastruktur. Noch heuer soll ein Beteiligungspool entstehen. Zentrales Vorhaben bleibt weiter die Verbindung Schlick–Lizum.

  • Artikel
  • Diskussion

Von Christoph Mair

Innsbruck –Die jüngste Rettungsaktion für die noch in Bau befindliche, aber schon insolvente Eishalle in Telfs dürfte den Obmann des Tourismusverbandes Innsbruck und seine Feriendörfer in seinen Plänen bestärkt haben. Für Karl Gostner sind die öffentlichen Körperschaften viel zu oft Feuerwehr, wenn Lifte usw. in finanzielle Schieflage geraten.

Das soll sich ändern. Und zwar bald. Noch heuer will Gostner einen Fonds eingerichtet wissen, in den das Land, die Gemeinden und Tourismusverbände im Großraum Innsbruck Geld für die Modernisierung bzw. den Neubau von Freizeitinfrastruktur einzahlen. „Es geht dabei um Beteiligungskapital statt verlorener Zuschüsse und um eine strategische Planung“, sagt der TVB-Obmann. Gefüttert werden soll der Fonds nach Gostners Vorstellung mit jährlich rund neun Millionen Euro. Über zehn Jahre hinweg.

Mit dieser Garantie im Hintergrund könnte man auch Projekte vorfinanzieren, sagt Gostner. Konkret denkt er dabei immer noch an den umstrittenen Zusammenschluss der Skigebiete Schlick und Lizum über die Kalkkögel. Ein Vorhaben, das wegen des Ruhegebietes derzeit rechtlich unmöglich ist. Auch die Alpenkonvention mit ihrer Verpflichtung, bestehende Schutzgebiete zu erhalten bzw. zu erweitern, steht dem Ansinnen im Weg.

Dennoch, nicht zuletzt wegen der Landtagswahl und mit Ausblick auf neue politische Konstellationen schöpft Gostner Hoffnung auf eine Änderung des Ruhegebiets. Denn: Wenn die Großraumlösung nicht komme, sei das gerade für das Mittelgebirge „ein Todesszenario“, assistiert TVB-Direktor Fritz Kraft. Das Mittelgebirge habe sich ohnedies bereits von einer touristischen Hochburg zu Zeiten der olympischen Spiele (1964 und 1976) zu „einem Satelliten von Innsbruck“ entwickelt. Das würden auch die Zahlen zeigen: So hätten die westlichen Feriendörfer von Innsbruck (Axams, Birgitz, Götzens, Grinzens, Mutters, Natters) zwischen 1990 und 2013 1672 oder knapp 40 Prozent seiner Gästebetten eingebüßt. „Ein schwerer Aderlass“, so Kraft.

Dass gleichzeitig aber in den vergangenen zehn Jahren ein Plus von fünf Prozent bei den Übernachtungen und sogar eines von 74 Prozent bei den Ankünften (mit hohen Zuwächsen im Sommer) steht, ist für die TVB-Vorderen nur bedingt ein Trost. Zwar zeigten die Zahlen, dass durchaus Potenzial in der Region stecke. Gerade deshalb würden die Gemeinden Impulse brauchen. Allerdings sei die positive Bilanz das Verdienst einiger weniger Betriebe, sagt Karl Gostner. Auch die würden ein Signal zum Weitermachen brauchen. Ein erstes will Gost- ner im Mai setzen. Dort soll sein Beteiligungsmodell im Planungsverband Innsbruck und Umgebung konkret diskutiert werden.


Kommentieren