Jungbauer weinte nach Freispruch

Weil er die Rinder nach Ende der Pacht eines Bauernhofes vertragswidrig mitgenommen habe, war ein junger Landwirt wegen Untreue angeklagt.

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Innsbruck –Selbst Staatsanwalt Hansjörg Mayr sprach am Freitag am Landesgericht von „keinem typischen Strafverfahren“. Ihm und Richter Norbert Hofer saß ein verzagter Jungbauer aus dem Oberland gegenüber, der sich wegen Untreue verantworten musste.

Der 24-Jährige, der einige Jahre lang eine Landwirtschaft im Stubaital gepachtet hatte, soll am Ende des Pachtverhältnisses 16 Stück Vieh und Futtermittel (31 Siloballen) mitgenommen haben, statt sie laut Vertrag dem Hof­eigentümer zurückzustellen. Schaden: rund 21.500 Euro.

Der Oberländer bekannte sich nicht schuldig. Schließlich seien die Kühe, die er vom Hofeigentümer übernommen habe, in einem „sehr schlechten Zustand“ gewesen. Er habe die Tiere nach ein paar Wochen austauschen müssen. „Mein Zuchtvieh war viel mehr wert“, rechtfertigte sich der Angeklagte. Es habe eine Vereinbarung zwischen ihm und dem Sachwalter des Hof­eigentümers gegeben, dass er die Tiere mitnehme und gegenverrechne. Denn der Hofbesitzer habe ihm auch verboten, das ihm zustehende Holz zu schlagen.

Der Altbauer selbst wollte sich an keine derartigen Gespräche erinnern, sein Sachwalter hingegen schon. Allerdings sei nie eine Einigung erzielt worden. „Wir haben ihm gesagt, dass er das Vieh am Hof lassen muss.“

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Staatsanwalt Mayr meinte im Abschlussplädoyer, dass es um zivilrechtliche Fragen gehe und plädierte für Augenmaß beim Urteil. Dem folgte Richter Hofer mit einem Freispruch. „Ich sehe keinen Schädigungsvorsatz beim Angeklagten.“ Der sei überzeugt gewesen, dass noch Gegenforderungen bestehen. Wegen der Vertragsverletzung verwies Hofer auf den Zivilrechtsweg. Der Jungbauer brach beim Urteil vor Erleichterung in Tränen aus.

(cm)


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