Theaterfestival im Zillertal mit Alzheimer und Alpenkönig
Das Tiroler Festival „für alle Sparten der Kunst und für alle Generationen von 4 bis 99“ geht ins dritte Jahr.
Wien/Innsbruck - Was passiert, wenn ein Bauernhof verkleinert und die große Tenne überflüssig wird? Meist dient sie als Abstell-Schuppen und verfällt allmählich. Nicht so, wenn der Bauer eine Tochter hat, die auf die Schauspielschule gegangen ist und Wirtschaftswissenschaften studiert hat. Dann kann es passieren, dass die Tenne zur Bühne umgebaut und der Bauernhof zum Festivalzentrum wird. Das „Steudltenn“-Festival in Uderns im Zillertal geht heuer bereits ins dritte Jahr. Das Programm wurde heute, Dienstag, auf einer Pressekonferenz in Wien vorgestellt. Von 15. Mai bis 31. August werden 61 Veranstaltungen angeboten, so viele wie noch nie.
„Wir haben in die Tenne eine Tribüne gebaut und von 0 auf 100 probiert, großes Theater zu machen“, erinnerte sich Bernadette Abendstein, die „Steudl-Bernadette“, gemeinsam mit ihrem Mann, dem Regisseur, Schauspieler und Autor Hakon Hirzenberger, Motor des Projekts. „Und es ist voll aufgegangen. Die Leute vom Dorf nehmen das total an. Die Leute gehen rein, vom Mechaniker bis zum Universitätsprofessor. Für jemand aus dem Tal ist Innsbruck so weit weg wie Südafrika. Die sind froh, wenn sich hier etwas tut. Und es gefällt den Leuten, dass die ganze Familie hilft. Und dass nachher diskutiert werden kann.“
5000 Besucher zählte man in dem 1700-Einwohner-Ort im ersten Jahr. 7000 waren es im zweiten, davon fast 5000 bei Kinderveranstaltungen. „Die Kinder dürfen alle gratis mit der Zillertalbahn fahren, die gehen quasi auf Reisen“, so Abendstein, „und auch die Schulen sind sehr froh darüber.“ „Es ist ein Festival für alle Sinne und zu sozial angemessenen Preisen“, sagte Hirzenberger, „ein Ort der Kommunikation für alle Sparten der Kunst und für alle Generationen von 4 bis 99.“
Hirzenberger ist für die meisten der heuer gebotenen Theaterstücke verantwortlich. Das erfolgreiche Kinderstück „Nelson der Pinguin“ wird wieder aufgenommen und erhält mit „Nelson in New York“ eine Fortsetzung. Hirzenbergers „Der Alpenkönig und der Menschenfeind“-Inszenierung, die vor vier Jahren im Waldviertler Hoftheater herauskam, übersiedelt ins Zillertal („Das passt natürlich ideal dort hin“), und mit „Mönche mögens heiß“ hat eine „himmlisch turbulente Komödie auf der Suche nach Toleranz und Freiheit“ aus Hirzenbergers eigener Feder ihre Uraufführung. „Es ist eine katholische Liebesbeichtkomödie“, sagte der Autor und meinte zur Premiere im „Heiligen Land“ Tirol: „Das wird ein spannender Moment.“
Nikolaus Habjans geplante Puppentheater-Produktion „Don Quichote“ musste verschoben werden und wird wahrscheinlich durch ein anderes Stück des Wiener Schubert Theaters ersetzt, dafür kommt der in Tasmanien lebende Wiener Schauspieler Justus Neumann mit einem eigenen Zirkuszelt und absolviert in Uderns eines seiner bloß vier Österreich-Gastspiele seiner neuen Produktion „Alzheimer Symphonie“. Dazu gibt es Konzerte, Filmabende (u.a. wird Felix Mitterer erwartet), Ausstellungen und Kabarett.
Das Festival wird zu ungefähr je einem Drittel von öffentlichen Geldern (Land, Bund, Gemeinden, Tourismusregion) Sponsoren und über Eintritte finanziert. „Die Landespolitik unterstützt uns“, versicherte Abendstein. Und Hirzenberger: „Schön langsam spricht sich herum, dass es im Zillertal nicht nur eine herrliche Landschaft und volkstümliche Musik gibt.“ (APA)