Offener Krieg zwischen Schiffmann und seinem Vize
Sillians Bürgermeister Erwin Schiffmann fordert den versprochenen Rücktritt seines Vize Anton Calovi ein – doch er blitzt damit ab.
Von Catharina Oblasser
Sillian –In der Sillianer Gemeindestube ist Feuer am Dach. Zwischen Bürgermeister Erwin Schiffmann (ÖVP) und seinem früheren Listenkollegen und Langzeit-Parteifreund, Vize-BM Anton Calovi, kriselt es nicht nur, sondern ist ein offener Konflikt ausgebrochen. Höhepunkt der Auseinandersetzung ist ein offener Brief der Bürgermeisterliste an Calovi, der heute an alle Haushalte in Sillian geht. „Wir fühlen uns von dir getäuscht. Dein Verhalten ist zutiefst unmoralisch und stellt deine Glaubwürdigkeit in Frage“, heißt es in diesem Brief an Calovis Adresse.
Die Wurzeln für diese bitteren Worte, die auch die Sillianer Öffentlichkeit hören soll, liegen in der Gemeinderatswahl 2010. Damals war Calovi nur auf Platz acht der Liste gereiht. „Aber ich habe bei dieser Wahl 147 Vorzugsstimmen bekommen“, begründet der Lehrer, warum er trotzdem auf dem Sitz des Vizebürgermeisters bestand. Schließlich kam es zu einem Kompromiss. „Calovi hat eine Erklärung unterzeichnet, dass er nach der Halbzeit der Periode zurücktreten wird“, so der Bürgermeister. Danach sollte Peter Duracher folgen, der schon ursprünglich für diesen Posten vorgesehen war.
Doch dann kam eine verhängnisvolle Gemeinderatssitzung im Winter 2011. Es ging dabei um Bedarfszuweisungen, die nach dem Wunsch der Bürgermeisterliste dem Zillertaler Liftbetreiber Heinz Schultz zugute kommen sollten (die TT berichtete). Denn Schultz betreibt in Sillian den Thurntaler Lift und will weiter ausbauen. Das wollte Calovi nicht mittragen. Er sagte sich von seinem langjährigen politischen Weggefährten („wir sind richtige Urgesteine der Politik“) los und ist seither „freier“ Mandatar und Vizebürgermeister.
Und das will Calovi auch bleiben, wie er der TT erklärt, und zwar bis zum Ende der Periode. „Ich habe zwar schriftlich erklärt, dass ich nur drei Jahre bleibe, also bis Ende März 2013. Aber in letzter Zeit hat sich so oft herausgestellt, dass ich Recht hatte, als ich meine Stimme erhob. Deshalb gehe ich sicher nicht freiwillig“, so der Vizebürgermeister, der als Lehrer Ende Juni in Pension geht. „Ich will verhindern, dass Macht zur Droge wird.“ Überdies könne Schiffmanns Mehrheit im Gemeinderat ihn ja abwählen.
„Stimmt nicht“, sagt Schiffmann. „Wir haben rechtlich keine Möglichkeit, Calovi zum Gehen zu zwingen. Das Schriftstück, das er unterschrieben hat, lässt sich nicht einklagen. Und abwählen kann man ihn auch nicht.“ Der Sillianer Langzeit-Bürgermeister ist enttäuscht. „Ich und meine Mandatare fühlen uns über den Tisch gezogen. Kein Wunder, dass die Politik so einen schlechten Ruf hat, wenn einzelne Leute so vorgehen.“
Letztlich bleibt der BM-Liste nur die moralische Keule – und ein offener Brief.