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Pleitenrekord im Autohandel: Branche weiter im Rückwärtsgang

Der Fahrzeughandel ist im Vorjahr um vier Prozent eingebrochen. Auch für heuer wird ein Minus erwartet.

Wien - Im Vorjahr ist der Fahrzeughandel in Österreich um vier Prozent gesunken, für heuer wird ein Minus von vier bis fünf Prozent erwartet, rechnete die Bank Austria am Mittwoch vor. Dabei hatte der Fahrzeughandel noch im Jänner bei der Vienna Autoshow zufrieden auf 2012 und verhalten optimistisch auf heuer geblickt - und dies in einer aktuellen Umfrage nochmals bestätigt. Umso überraschender ist der Blick in die Händlerstatistik: 227 Händler und Werkstätten gingen 2012 in Insolvenz, ein Rekordwert.

„Im Vorjahr ist nicht nur der Umsatz im Kfz-Handel sondern es sind auch die Werkstättenumsätze um rund vier Prozent gesunken, mit denen in der Vergangenheit die schwache Entwicklung im Handelsbereich sehr oft kompensieren werden konnte“, analysiert Bank-Austria-Ökonom Günter Wolf.

Und er legt den Finger in eine Wunde: „In Summe wurden 2012 bereits acht Prozent aller erstmals registrierten Neuwagen von den Händlern selbst an- und sofort wieder abgemeldet. Diese Fahrzeuge dienen der Marktanteilspflege und werden als ‚Jungwagen‘ mit Preisnachlässen auf dem Gebrauchtwagenmarkt angeboten.“

Zulassungsrekorde bis 2011

Dafür gab es die Jahre zuvor keinen Grund zum Klagen. Auf die vom Steuerzahler finanzierte „Verschrottungsprämie“ für Altautos folgten Zulassungsrekorde in den Jahren 2009 bis 2011. Der Ausblick ist allerdings laut Wolf getrübt: „Unter den Voraussetzungen, dass mit der Konjunkturstabilisierung das Konsumentenvertrauen nachhaltig gestärkt wird, sich die Arbeitsmarktsituation verbessert und die Realeinkommen zulegen, wird der Abwärtstrend im Autohandel erst 2014 gestoppt werden können. Nennenswerte Zuwächse im Automarkt sind aber auch 2014 unwahrscheinlich.“

Schlechte Nachrichten gibt es auch für Autobesitzer: Ihre Kosten für Kauf, Erhaltung und Betrieb des Kfz sind seit dem Jahr 2000 um 34 Prozent gestiegen - die allgemeine Teuerungsrate betrug in diesem Zeitraum laut Bank Austria 28 Prozent. Wobei die gestiegenen Fahrzeugkosten fast ausschließlich auf die Treibstoff- und Servicekosten zurückzuführen seien - seit 2000 stiegen die Treibstoffpreise um 50 Prozent und die Servicekosten legten auf 69 Prozent zu. Die Preise für Neu- und Gebrauchtwagen stiegen im gleichen Zeitraum um 7 Prozent. „Insgesamt sind seit 2009 die Autopreise sogar leicht gesunken“, so Wolf.

Zuwächse in höchster Motorleistungsklasse

Dies sei umso bemerkenswerter, da der Trend zu teureren Fahrzeugen anhalte. „2012 wurden nur in der höchsten Motorleistungsklasse ab 89 Kilowatt Zuwächse verbucht. Der Anteil dieses Segments an den Neuzulassungen ist auf 36 Prozent gestiegen“, rechnet die Bank vor.

Bei den Händlern scheinen die Hiobsbotschaften noch nicht angekommen zu sein. Die Online-Plattform AutoScout24 präsentierte am Mittwoch eine Händlerumfrage, wonach 46 Prozent ein gleichbleibendes Geschäft erwarten. 17 Prozent glauben gar eine ein positive Entwicklung im ersten Halbjahr.

Zum Vergleich die aktuellen Zahlen des europäischen Herstellerverbandes ACEA: In Österreich belief sich das Minus im März im Vergleich zum Vorjahresmonat auf 18,1 Prozent, in den ersten drei Monaten des Jahres summierte sich der Rückgang auf 9,8 Prozent, der Absatz fiel im Quartal von 88.764 Fahrzeugen auf 80.024 Fahrzeuge.

Insgesamt sind in Österreich rund 4,5 Millionen Pkw zugelassen. (APA)