In Wattens schlägt die Stunde null
Kufstein erledigte im Pinzgau die Hausaufgaben (3:0), Wattens schlitterte gegen Dornbirn in die nächste Pleite (2:4). Die TT begab sich auf Spurensuche, was der WSG momentan fehlt und Kufstein (teilweise) hat.
Von Alex Gruber
Innsbruck –„Bei ein paar kommt mir vor, als wollen sie nächste Saison nicht mehr bei uns spielen“, kommentierte Wattens-Sportboss Robert Auer die Frühjahrsmisere (nur vier Punkte in fünf Spielen) harsch. Es fehlt an mehreren Ecken und Enden.
G wie Goalie: 39 Gegentreffer ausschließlich an Fabian Schumacher festzumachen, wäre schlicht und ergreifend falsch und unfair. Die Defensive wackelt. Fakt ist aber, dass der in der Vorsaison ungeschlagenen WSG mit Ferdinand Oswald der Meistergoalie abhanden kam. Wunschkandidat Fabian Steidl blieb lieber in Kufstein und hält die Festungsstädter im Hoch. Die Null stand auch im Pinzgau, der FCK hat 15 Treffer weniger kassiert.
L wie Leader: Die Abgänge von Oswald (Schalke) und Benni Reiter (Schwaz) sowie die langwierige Verletzung von Kapitän Alex Hörtnagl machte den Wattenern auch in Sachen Führungspersonal zu schaffen. Zudem fiel gegen Dornbirn Abwehrstratege Michael Steinlechner gesperrt aus. Andere, die schon Jung-Profis waren bzw. denen das Zeug zum Profi in der Vergangenheit schon mehrfach attestiert wurde, lassen laut Auer teilweise den nächsten Schritt vermissen: „Wenn man schon Bundesliga gespielt hat, sollte man sich doch auch in Richtung Leadership weiterentwickeln. Uns fehlt momentan nicht nur ein Leader, sondern gleich mehrere“, merkt er zerknirscht an. „Bei uns sind aus jungen Spielern reife geworden“, freut sich bei Kufstein indes Coach Thomas Silberberger, dass von hinten (neben Steidl z. B. Abwehrchef Hartl) übers Mittelfeld (Treichl) bis in die altbekannte Spitze (Unterrainer) Führung da ist. „Nächste Woche starten wir den Großangriff auf die Verträge. Und ich glaube, die Tendenz in Kufstein zu bleiben, ist generell groß“, plant Silberberger mit bewährtem Material auch die Zukunft. Kirchbichl-Regisseur Markus Peer ist zudem ein Wunschspieler, in Wattens sind die Kicker in den kommenden Wochen unter besonderem Prüfstand.
Z wie Ziele: Der Titelkampf hat sich für beide Tiroler Spitzenteams erledigt, Wattens tut sich im Niemandsland der Tabelle schwerer als die Kufsteiner, die noch Chancen auf den Vizemeistertitel und den Tiroler Cupsieg haben. Ziele ließen sich allerdings auch auf persönlicher Ebene definieren. „Ich gehe davon aus, dass zwei Drittel unserer Spieler noch etwas erreichen wollen. Dafür ist das momentan allerdings zu wenig. In Wattens bieten sich die Voraussetzungen für alles, man muss sie auch wahrnehmen“, fordert Auer mehr Initiative beim über lange Jahre besten Tiroler Amateurklub ein: „Ich weiß schon, dass sich der Fußball verändert hat. Aber wenn ich weiterkommen will, muss ich mehr machen als andere. Das war schon vor 30 Jahren so: Da bin ich auch selbstständig laufen oder ans Kopfballpendel gegangen.“
T wie Trainer: Kufstein-Präsident Herbert Gartner vertraut Silberberger seit Jahren blind, in Wattens tat sich nach dem Abgang von Roli Kirchler eine Lücke auf. Wer Interimscoach „Wazi“ (Robert Wazinger) kennt, wird mehr einen Freund als strengen Vorgesetzten vermuten. Es scheint zur Stunde aber, dass die WSG-Kicker nach der Peitsche schreien. Wenngleich Auer die Warterei auf die Präsentation des neuen Trainers (die TT geht von Manfred Linzmaier aus) nicht als Ausrede gelten lassen will: „Das ist zu billig.“ Acht Runden bleiben den Kristallstädtern zur Ergebnis-Kosmetik noch Zeit. Wer bleiben will, muss Taten sprechen lassen.