Zeller träumt amerikanischen Traum

Seit drei Jahren lebt Bernhard Wallner aus Zell a. Z. in den USA. Mit seinen Freunden arbeitet er bei einer Firma, die Nahrungsergänzungsprodukte herstellt. Für seinen Traum hat er sogar sein Studium aufgegeben.

Von Tanja Gruber

Zell a. Z., Austin –„Der Traum, wie bei fast allen Sportlern, ist es, Profi zu werden, und meine Eltern bestanden immer darauf, einen Plan B in der Tasche zu haben. Als ich etwa 14, 15 Jahre alt war, habe ich zum ersten Mal vom College-Tennis gehört, und die Idee von Studium, Tennis und später vielleicht dann noch Profi werden, war perfekt“, erzählt Bernhard Wallner aus Zell am Ziller enthusiastisch.

2008 bekam er durch seine Freundschaft zum bekannten Skifahrer Bode­ Miller, welchen er in Innsbruck kennen gelernt hat, die Chance, den Sommer in Amerika zu verbringen.

„Bode hat mich eingeladen, damit ich mir ein Bild von Amerika machen konnte. Ich habe einige Wochen in Austin verbracht und mir hat die Stadt so gut gefallen, dass ich gleich dort hinziehen wollte“, erzählt der 23-Jährige.

2009 besteht Wallner die Matura, ein Jahr später findet er ein College in Georgia. „Ich bin im Jänner 2010 nach Valdosta, Georgia, geflogen und habe mir den Traum vom College-Tennis auf der Valdosta State University verwirklicht“, erzählt der sympathische Zillertaler.

Zu Beginn hatte der Zillertaler kein Stipendium und seine Eltern mussten finanziell für das Studium aufkommen. „Im Mai 2011 haben wir die National Championships in der zweiten Division gewonnen und damit im Prinzip das Höchste im College mögliche Ziel erreicht. Dafür gab es eine Goldene Uhr, einen Championship-Ring von der Uni und was noch hinzukam, ich bekam endlich mein hart erarbeitetes volles College-Stipendium“, sagt er.

Nach einem Sommer zu Hause flog Wallner im August 2011 wieder nach Austin, um ein paar Freunde zu treffen. „Das war genau der Zeitpunkt, wo bei Onnit, einer Firma, die natürliche Nahrungsergänzungsprodukte herstellt, alles richtig losging. An diesem Tag kam ein neues Produkt heraus und der Onlineverkauf explodierte. Anstatt Ferien zu machen, arbeitete ich jeden Tag acht bis zehn Stunden“, erinnert sich Wallner. Bevor er aber zurück nach Valdosta musste, bekam er noch das Angebot, bei der Firma mitzuarbeiten.

Ein Semester hat Wallner dann noch studiert, das Studium dann aber trotz Stipendium abgebrochen. Im Dezember 2011 zog er dann endgültig nach Austin.

„Für meine Eltern war das natürlich auch keine einfache Sache. Unsere tolle Beziehung hat mir sehr geholfen und zu wissen, dass dir deine Eltern zu einhundert Prozent vertrauen, ist ein sehr schönes Gefühl“, erzählt der Zillertaler, der Heimweh so gut wie gar nicht kennt. „Manche Dinge muss man aufgeben, um Größeres zu bekommen. In den vergangenen zwei Jahren war ich nur einmal zu Hause, was sehr schade ist, dafür habe ich die Zeit umso mehr genossen. Eines steht aber fest: Das Zillertal ist einer der schönsten Plätze, die ich bis jetzt gesehen habe, und daher freut es mich um so mehr und macht es mich stolz, in diesem wunderschönen Tal aufgewachsen zu sein und die Möglichkeit zu haben, immer wieder zurückzukommen.“

Jetzt lebt Wallner seinen amerikanischen Traum: Er lebt in einem Haus in Austin und arbeitet Vollzeit im internationalen Verkauf. „Meine eigene Firma, bei der mein Vater Kurt Geschäftsführer ist, startet demnächst auch in Europa. Jetzt möchte ich mehr zum Golfen anfangen. Ich halte mich fit und was ganz wichtig ist, ich träume noch immer weiter“, erzählt der Allrounder.

Von seiner Zukunft hat Wallner genaue Vorstellungen: „Ich kann nicht sagen, ob ich mein gesamtes Leben in Amerika verbringen will, aber eines ist klar: Am glücklichsten bin ich noch immer, wenn ich nach Hause ins wunderschöne Tirol kommen kann und ich meine Familie und Freunde sehen.“

Was Wallner jedoch vor allem mit der Firmengründung gemerkt hat, ist, dass in Amerika vieles einfach leichter geht. „Hier in den USA wird es dir nicht so schwer gemacht, Erfolg in einem Betrieb zu haben. Ich habe immer daran geglaubt, dass alles möglich ist im Leben, tu ich auch heute noch, egal was andere sagen. Der Wille kann Berge versetzen, nicht umsonst sind viele dieser Sprichwörter wahr“, meint der Sportler abschließend.