Die Angst von der Seele spielen – Flucht in die Fantasie-Favelas
„Papo & Yo“, seit Kurzem nun auch für PC erhältlich, begleitet den von seinem Vater misshandelten Quico auf seiner Flucht in eine Fantasiewelt.
Von Lukas Schwitzer
Innsbruck – Dass Künstler, Autoren und Filmemacher oft schwierige persönliche Lebenserfahrungen in ihren Projekten aufarbeiten, ist hinlänglich bekannt. In der Computerspiele-Industrie hingegen ist dies kaum geläufig.
Quico flüchtet vor seinem Vater in die Fantasie-Favelas
Eine große Ausnahme stellt hierbei „Papo & Yo“ dar, das seit Kurzem auch für PC verfügbar ist. Das Spiel, bisher nur für PlayStation 3 über das PlayStation Network zu beziehen, dreht sich um einen kleinen Jungen, der sich vor seinem Leben mit einem misshandelnden Vater in eine Fantasiewelt flüchtet. Das Spiel nimmt dabei einige autobiographische Züge des Designers Vander Caballero von Minority Games an, der selbst mit einem Alkohol- und drogensüchtigen Vater aufwuchs.
Quico, die junge Hauptperson von „Papo & Yo“, erschafft sich selbst eine Welt, die an die brasilianischen Favelas, den Armenvierteln der dortigen Metropolen, angelehnt ist und die er nur mit der Kraft seiner Fantasie verändern kann. Der im realen Leben machtlose Bub wird in eine Machtposition versetzt, in der er ganze Häuser versetzen und den Aufbau seiner Umgebung verändern kann.
Einfache Rätsel glänzen mit fantasievollen Lösungen
Quico muss auf seinem Weg durch die imaginären Favelas mehrere kleinere Rätsel lösen, um Hindernisse zu überwinden. Auch wenn diese Rätsel meist nicht sonderlich herausfordernd sind, so sind die Lösungen doch meist äußerst fantasievoll und für den Spieler unvorhersehbar. So findet sich Quico zu einem Zeitpunkt vor einem breiten Abgrund wieder, vor dem mehrere Kartons herumliegen. Der Weg auf die andere Seite offenbart sich dabei, sobald man eine der Schachteln aufhebt. Denn durch das Bewegen der Schachteln wird ein ganzes Haus von seinem Platz gerissen, das daraufhin im Abgrund platziert werden kann. Aus mehreren Häusern hintereinander lässt sich so eine Brücke bauen. An anderen Stellen im Spiel ist es möglich, durch das Ziehen an einem weißen, ätherischen Seil oder das Drehen von weißen Zahnrädern eine Treppe aus einem Haus zu ziehen oder ein Gebäude zu spalten.
Lula und Monster als Begleiter
In der Fantasiewelt hilft Quico sein Spielzeugroboter Lula, der ihm mit seinem Jet-Antrieb hilft, weiter zu springen oder auch Schalter umzulegen, die ansonsten außer Reichweite wären. Zudem begegnet Quico einem Monster mit dem schlichten Namen „Monster“. Das normalerweise relativ freundliche und schläfrige Riesenvieh muss meist auf größere Schalter geleitet werden oder im Schlafzustand als Bauch-Trampolin fungieren. Monster hat aber auch eine große Vorliebe für kleine grüne Frösche, die es allerdings ihrerseits in feurige Monster verwandeln, die Quico verfolgen und durch die Luft werfen – eine Anspielung auf den guten Vater, der durch seinen Drogen- und Alkoholmissbrauch zum Monster wird.
Fazit
„Papo & Yo“ schafft es, ein äußerst ernstes Thema – Gewalt gegen Kinder – in ein wunderschön inszeniertes und ergreifendes Spiel zu verpacken. Quicos Flucht in seine Fantasiewelt ist verständlich und regt zum Nachdenken an. Die Rätsel selbst sind etwas zu einfach, um das Knobeln selbst interessant zu machen. Durch die fantasievollen Lösungswege und die sich verändernde Welt wird dies aber größtenteils ausgeglichen. Der große Fokus auf die Geschichte und den emotionalen Eindruck hebt „Papo & Yo“ in jedem Fall von vielen Konkurrenten ab. Das Studio Minority arbeitet im Übrigen bereits an seinem nächsten Spiel, das auch wieder mit schwieriger Thematik glänzen will. Diesmal auf dem Programm: Bullying.
Unsere Bewertung: 8/10
Entwickler: Minority
„Papo & Yo“ ist seit 18. April über Steam für Windows verfügbar.
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