Schlag gegen Hisbollah

Israelische Angriffe in Syrien als klares Warnsignal an den Iran

Das Bombardement im Großraum Damaskus galt nicht der syrischen Führung sondern einer iranischen Raketenlieferung an die Hisbollah. Jerusalem fürchtet, dass die libanesischen Extremisten zuschlagen könnten, sobald Israel zum Angriff auf iranische Atomanlagen ansetzt.

Von Jeffrey Heller/Reuters

Jerusalem/Damaskus - Die Reaktion aus Damaskus ließ nicht lange auf sich warten: Israel leiste mit seinen Angriffen auf Syrien den Rebellen direkte militärische Hilfe, erklärte das Außenministerium nach einem Bericht des amtlichen Fernsehens. Die Streitkräfte des Nachbarlandes hatten in der Nacht auf Sonntag stundenlang den Großraum Damaskus bombardiert. Doch der Bürgerkrieg spielte dabei wohl keine große Rolle. Stattdessen hat die Regierung in Jerusalem mit den Luftschlägen ein anderes Land fest im Blick: den Iran.

Die beiden Einsätze am Freitag und Sonntag zielten dem Vernehmen nach auf iranische Raketen mit großer Reichweite, die für die libanesische Hisbollah bestimmt waren. Denn die islamistischen Kämpfer könnten die Waffen bei künftigen Konflikten auch auf israelische Städte richten. Schon jetzt verfügt die Hisbollah nach israelischen Schätzungen über 60.000 weitere Raketen.

Sorge vor Hisbollah-Attacke

Zwar könnte die Miliz ihr Arsenal schon heute einsetzen. In Israel geht aber die Sorge um, dass die Hisbollah dann zuschlagen könnte, wenn die Luftwaffe iranische Atomanlagen angreift. Der Abgeordnete Ofer Shelah von der mitregierenden liberalen Partei Yesh Atid sagt, es gebe klare Richtlinien, nach denen die Hisbollah nicht grundlegend aufrüsten dürfe. „Wir werden alles tun, um das zu verhindern.“

Auch der Iran darf nach Ansicht der Regierung in Jerusalem eine Schwelle nicht überschreiten. Sie ist dann erreicht, wenn die Islamische Republik genügend Uran mit einem Reinheitsgrad von 20 Prozent hat, um schnell eine Atombombe bauen zu können. Ministerpräsident Benjamin Netanyahu sieht den Iran noch nicht dort, hat aber vorausgesagt, dass das Land wohl Mitte des Jahres so weit sein könnte. Die Regierung in Teheran bestreitet, Atomwaffen zu entwickeln.

Nach Ansicht des früheren Militärgeheimdienstchefs Amos Yadlin sind die israelischen Angriffe auf Syrien ein klares Signal an den Iran, dass Netanyahu nicht blufft. Der Iran teste die Entschlossenheit von Israel und der USA. „Und bei Syrien sieht er, dass zumindest manche der Akteure die roten Linien ernst nehmen“, sagte Yadlin im Hörfunk der Streitkräfte und spielte damit offensichtlich auf die bisherige Zurückhaltung von US-Präsident Barack Obama an.

Angriffe innerhalb Israels kein strittiges Thema

In Israel selbst sind die Angriffe kein strittiges Thema. Denn dass die Macht der Hisbollah eingedämmt werden muss, ist über Parteigrenzen hinweg Konsens. Im einmonatigen Krieg im Jahr 2006 hatten Kämpfer der islamistischen Organisation mehr als 4000 Raketen auf Israel abgeschossen. Die Hisbollah rüstet nach eigener Darstellung auf, um auf Aggressionen des südlichen Nachbarn zu reagieren. Israel hatte den Süden des Libanon bis zum Jahr 2000 für zwei Jahrzehnte besetzt. Zwischen beiden Ländern gibt es noch immer Gebietsstreitigkeiten.

Angst vor einem syrischen Gegenschlag hat Israel offenbar nicht. So brach Netanyahu am Sonntag zu einem fünftägigen Staatsbesuch nach China auf - was darauf hindeutet, dass er keine Eskalation erwartet. Allerdings wurden Raketenabwehreinheiten in den Norden des Landes verlegt.

Assad sind Hände gebunden

Syrien und Israel befinden sich nach dem Yom-Kippur-Krieg 1973 offiziell noch immer im Kriegszustand. Aber im Grenzgebiet ist es seit vier Jahrzehnten eher ruhig. In der israelischen Regierung geht man davon aus, dass Syriens Staatschef Bashar al-Assad diese Ruhe nicht aufs Spiel setzt. Bei Vergeltung müsste er mit Gegenangriffen rechnen, die die Schlagkraft seiner Truppen im Kampf gegen die Rebellen stark verringern würde, heißt es.

Auch Israel hat kein Interesse an einer Eskalation. Für den jüdischen Staat ist es heikel, in dem Bürgerkrieg Partei für eine der Seiten zu ergreifen. „Es ist eine undurchsichtige Lage“, sagt etwa der liberale Abgeordnete Shelah.

Assad hat den informellen Frieden auf den Golanhöhen nach der Übernahme der Macht von seinem Vater nicht aufgekündigt. Und nach israelischen Schätzungen sind zehn Prozent der Rebellen, die gegen ihn kämpfen, islamische Extremisten, die die Waffen nach einem Sturz Assads gegen Israel richten könnten.

Auch Tzahi Hanegbi, Abgeordneter der rechten Likud-Partei und Vertrauter Netanyahus, sagte im Armeehörfunk, Israel habe keine Meinung dazu, ob Assad abtreten oder bleiben solle. Die Regierung wolle „nicht auf das falsche Pferd setzen“. Wichtig sei, dass die Hisbollah nicht stärker werde.