Formel Kohlefaser oben offen
Nach dem MP4-12C-Coupé schickt McLaren den Spider auf den Markt der kompromisslosen Hochleistungssportler. Mit automatischem Falt-Hardtop.
Von Beatrix Keckeis-Hiller
Wien –Einen ganz besonderen Klang hat der Name McLaren. Spricht man ihn aus, beschwört man (Renn-)Sport herauf. Das muss aber erst gar nicht die Formel I sein, auch abseits geschlossener Strecken geht’s immer um Hochleistungsmotoren, leichte Chassis, kompromisslose Fahreigenschaften sowie herrlich dreckig-röhrenden, gurgelnden bis brüllenden Sound, der direkt ins Mark fährt.
Dazu muss ein McLaren erst gar nicht fahren, einer wie der MP4-12C wirkt schon im Stand. Als Coupé, wie im Vorjahr vorgestellt und gefahren sowieso, und jetzt erst recht, als Spider, als zweites und neues Modell der englischen Exklusiv-Schmiede.
Wobei sich der Offene im geschlossenen Zustand auf den noch nicht eingeweihten Blick gar nicht so eindeutig als Aufmachbarer zu erkennen gibt. Erst eine eingehendere Betrachtung des Popos offenbart neben dem Durchblick auf den Motor die Option, das zweiteilige Hardtop auf Knopfdruck zusammenzufalten, was 17 Sekunden dauert und bis zu einem Tempo von 30 km/h funktioniert. Dabei kann die Heckscheibe stehen bleiben und als Windschott fungieren – der Luftzug zupft dann innerhalb legaler Tempo-Limits gerade einmal zart an den Deckhaaren – oder (auch bei geschlossenem Dach) versenkt, als Sound-System, damit man bei jedem Wetter der Musik des 3,8-Liter-V8-Twinturbo-Aggregats lauschen kann.
Apropos Popo: Aus dieser Perspektive wird der MP4-12C Spider – wie sein Coupé-Bruder mit dem Airbrake-System, dem aktiven Heckflügel garniert – wohl für die meisten Verkehrsteilnehmer am häufigsten zu sehen sein. Denn sind alleine schon die 625 PS (bei 7500 U/min) und 700 Nm (ab 3000 U/min) bei einem Gesamtgewicht von 1474 Kilogramm eine Ansage (40 Kilo mehr als das Coupé, aufgrund der Dach-Konstruktion und einiger technischer Details), so sind es die Fahrleistungswerte erst recht: in 3,1 Sekunden von null auf hundert, bis zu 329 km/h schnell (Werte sind gleich mit jenen für die Coupé-Version).
Man mag zum Spider dann noch die eine oder andere Frage haben. Eine aber stellt sich sicher nicht: die nach der Karosserie-Steifigkeit, denn Herzstück ist das mit dem Coupé identische Monocoque, gebaut nach Formel Kohlefaser, und es sorgt, nebenbei, für ein Stück Österreich im Engländer: Es stammt vom Salzburger Spezialisten Carbotech.
Auch keine Frage ist die nach der Alltagstauglichkeit. Bezogen auf die Karosserieübersicht, die ausgezeichnet ist, und bezogen auf Fahrwerkskomfort. Selbst die durch den langen Winter Schlagloch-verseuchten Nebensträßchen des Wienerwaldes bügelt der Engländer glatt, läuft kaum Spurrillen nach und zeigt dabei keinerlei unprovozierte Ausbruchs-Tedenzen. Auch lange Stau-Sequenzen meistert er ungerührt, er bleibt stets „amused“ und posiert professionell für staunende Blicke und für Fotos mobiler sowie immobiler Passanten.
So wie der Spider – bei geöffnetem Dach – nach oben hin offen ist, so ist es der Basispreis von 281.400 Euro (Coupé: 253.650 Euro). Addiert man Carbon-Keramik-Bremsscheiben, Parksensoren (v & h), Lifting-System (für schlechte Wege & Winter) dazu, kommen bereits mehr als zwanzig Tausender dazu, weiters kann man in Carbon-Teile, Navigation- & Infotainment, Vollleder-Möbel etc. investieren. Eines hat man dann garantiert: ein absolut exklusives Einzelstück, eines, das kompromisslos unbändige Fahrfreude bereitet.
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