Flug in die Freiheit verschoben
Für Anfang Juni war die allerletzte Bartgeier-Freilassung in Osttirol angepeilt gewesen. Da der Zuchterfolg nicht nach Wunsch verlief, wird das Vorhaben erst 2014 stattfinden.
Von Claudia Funder
Matrei i. O. –Ende Jänner war aus der Verwaltung des Nationalparks Hohe Tauern Tirol die erfreuliche Kunde gekommen, dass am 7. oder 8. Juni in Osttirol der letzte Bartgeier in die Freiheit entlassen wird. Der imposante Vogel sollte im Matreier Gschlößtal seine Schwingen erheben. Die Wiederansiedelung sei geglückt, hieß es. Wildgeburten sollen den Bestand sichern.
Nach Zuchterfolgen war bereits 1986 ein bemerkenswertes internationales Projekt zur Wiederansiedelung des schwer dezimierten Greifers gestartet worden. Zu den Partnern zählt in Österreich auch der Nationalpark Hohe Tauern. Ziel des Projektes ist die Erhöhung der Geierzahl, um eine so stabile Population zu erreichen, dass das Auswildern von Vögeln unnötig wird. „In Osttirol gab es im Dreijahresrhythmus insgesamt vier Freilassungen“, erklärt Nationalparkdirektor Hermann Stotter.
Vor wenigen Monaten schaute es noch gut aus mit der Nachzucht. Doch genau diese macht nun Sorgen, denn sie verlief nicht nach Wunsch. „Sie brachte nicht den erhofften Erfolg, deshalb wird es heuer im Nationalpark Hohe Tauern keine Bartgeierfreilassung geben“, erklärt Stotter, der die Absage bedauert. Trotz anfänglich guter Brutsituation im Zuchtprogramm seien aus den Eiern entweder keine oder zu schwache Jungtiere geschlüpft. Man schließe als mögliche Ursache dafür den langen Winter ohne Sonne nicht aus. Auch der Überschuss an Weibchen in der derzeitigen Zucht spiele eine Rolle. Einige Männchen müssen unbedingt zurückbehalten werden und stehen zur Freilassung deshalb nicht zur Debatte. Denn nach wie vor gelte es, einen gewissen Stock an Geiern in Gefangenschaft sicherzustellen, um überhaupt Tiere freilassen zu können.
Die Population sei stabil, betont Florian Jurgeit von der Nationalparkverwaltung. Probleme hätte in der Vergangenheit auch die Verwendung von bleihaltiger Munition in der Jagd gemacht. 2012 sei, so Jurgeit, ein Geier durch bleiverseuchtes Aas zu Tode gekommen, ein weiterer schwer vergiftet worden. Mit Bewusstseinsbildung und verbilligter bleifreier Munition versuche man, in diesem Punkt gegenzulenken. Gesetzliche Regelungen gebe es allerdings keine.
Der Schwerpunkt der Bartgeierfreilassungen wird sich heuer laut Stotter in die Pyrenäen verlagern, wo höhere Priorität besteht. Was heuer in Osttirol nicht stattfindet, soll jedoch nachgeholt werden. Stotter: „Für 2014 ist eine Freilassung im Nationalpark Hohe Tauern fix eingeplant.“
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