Aguntum birgt noch viele Schätze
Nach ersten Vorarbeiten für die nächste Grabungskampagne steht heuer ein vermuteter Tempel im Fokus der Archäologen. An der Uni Innsbruck wurde eine eigene Stelle zur Stärkung des Publikationsbereichs geschaffen.
Von Claudia Funder
Dölsach – Funde ans Tageslicht befördert werden in Aguntum seit Jahrhunderten, seit 1912 geht man wissenschaftlich begleitet auf Spurensuche. Dennoch ist erst ein Bruchteil dessen an der Oberfläche, was die einzige römische Stadt auf dem Gebiet des heutigen Tirols einst ausmachte. Erst rund zehn Prozent von Aguntum seien freigelegt, erklärt Leo Gomig, Obmann des Vereins Curatorium pro Agunto. Doch Jahr für Jahr tauchen neue Details auf und die Geschichte kann fortgeschrieben werden.
Vor wenigen Tagen wurden erneut grobe Abhubarbeiten durchgeführt, denn Grabungen sollen auch in diesem Sommer wieder neue Erkenntnisse liefern.
Heuer könnte es besonders spannend werden, wenn zehn Mitarbeiter der Universität Innsbruck mit 15 Studenten im Gelände Hand anlegen. Im Bereich des „Forums“, das bisherigen Funden nach zu schließen wenige Jahrzehnte nach Christi Geburt in einem Zug errichtet und seit 2010 zu einem Drittel freigelegt wurde, wird nämlich ein Tempel vermutet. „Mittels Georadar-Untersuchung stieß man in der Mitte der Nordseite des Forums auf entsprechende Strukturen“, bestätigt Michael Tschurtschenthaler, seit 2008 Grabungsleiter. „Wir sind guter Dinge, dass es sich tatsächlich um ein derartiges Gebäude handelt.“
Per Bagger werden die obersten Murenschichten abgetragen werden, die etwa zwei Meter hoch sind. Danach arbeitet sich der Trupp der Uni Innsbruck händisch behutsam weiter.
Diese Maßnahmen werden ab Juli sieben Wochen in Anspruch nehmen, betont Tschurtschenthaler. Da man nicht wisse, wie gut die Mauern erhalten und wie diffizil die Ausgrabungen sein werden, sei schwer abzuschätzen, wie lange die Tätigkeiten dauern. „Aber spätestens im nächsten Jahr sollen die Strukturen freigelegt sein“, meint Tschurtschenthaler. Die Freilegung des gesamten Forums wird noch mehrere Jahre in Anspruch nehmen. Um den Platz befanden sich auf vier Seiten Gebäude. Die Mauern der Südseite sind bereits komplett ausgegraben. Hier fand man acht kleine und einen riesigen 80 m²-Raum vor. Seine Funktion ist noch nicht ganz klar. Auf der Ostseite entdeckte man ebenfalls kleine Räume sowie einen großen mit Malereien. Der Grabungsleiter: „Es gibt die Vermutung, dass hier einst die Bürgermeister der Stadt saßen.“
Für die Erstellung von Publikationen über die Grabungsergebnisse wurde am 1. Mai an der Uni Innsbruck eine eigene Halbtagsstelle geschaffen. Martin Auer wird unter der Regie von Tschurtschenthaler die Ausgrabungen wissenschaftlich aufgearbeitet zu Papier bringen.
Die Grabungskampagne koste jährlich 100.000 Euro, wovon 10.000 Euro der Verein selbst stemme, so Leo Gomig. Weitere knapp 50.000 Euro machen Aushubarbeiten und Mauersanierungen aus. Unermüdlich ist Gomig engagiert, um die nötigen Mittel auf die Beine zu stellen. Für Mauersanierungen erwarte man entscheidende Hilfe vom Bundesdenkmalamt. 10.000 Euro zahle die Landesgedächtnisstiftung.
„Seit der Vereinsgründung 1994 wurden insgesamt zwölf Mio. Euro investiert“, so Gomig, der sich freut, dass nie Schulden gemacht wurden.
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