Reif für den Löwen
Maria Lassnig, 93-jährige Grande Dame der österreichischen Malerei, wird auf der Kunstbiennale in Venedig für ihr Lebenswerk geehrt.
Von Ivona Jelcic
Innsbruck –33 Jahre ist Maria Lassnigs erster Biennale-Auftritt her, 1980 wurde sie zusammen mit Valie Export im Österreich-Pavillon präsentiert. Die 1919 im kärntnerischen Kappel am Krappfeld Geborene war damals bereits 60 Jahre alt – auch das ein Zeichen für die recht spät an-, dann aber umso wärmer gelaufene Karriere der Malerin und Medienkünstlerin. Die am 1. Juni mit der Verleihung des Goldenen Löwen an Lassnig einen Höhepunkt erfährt. Die heute 93-Jährige sei ein „einmaliges Beispiel für Unabhängigkeit und Durchsetzungskraft“, hieß es am Montag in der Begründung des Biennale-Aufsichtsrats unter der Leitung von Präsident Paolo Baratta. Mit ihren „Body Awareness Paintings“ habe Lassnig die Malerei zu einem „Mittel der Selbsterkenntnis“ gemacht.
Das gefühlte Selbst, das „innere Bild“ und die Darstellung der eigenen Empfindungen sind das zentrale Thema in Maria Lassnigs Malerei, zumeist sind es Selbstporträts und schonungslose Selbstentblößungen, in denen sie die Grenzen zwischen dem „Innen“ und „Außen“ aufweicht. Verdichtungen, etwa von Mensch- und Tierkörpern, sind charakteristisch für ihr Werk, ebenso fleischfarbenes Rosa und leuchtendes Türkis auf der Palette ihrer Gedanken-, Schmerz- oder Qualfarben. In der Ende April zu Ende gegangenen großen Maria-Lassnig-Retrospektive in der Neuen Galerie Graz war auch die Medienkünstlerin Lassnig zu sehen, die in den 1960er Jahren in New York begonnen hatte, sich mit dem Trickfilm auseinanderzusetzen. Studiert hatte Lassnig ab 1941 bei Wilhelm Dachauer an der Akademie der bildenden Künste in Wien, die sie 1943 aber verlassen musste, weil ihre Bilder als „entartet“ bezeichnet wurden. Später setzte sie ihr Studium bei Ferdinand Andri und Herbert Boeckl fort und gehörte in den 1950er Jahren zum Kreis um Monsignore Otto Mauer, bevor sie in Paris auch Kontakt mit den Surrealisten um André Breton pflegte.
Nach Franz West 2011 wird in Venedig erneut das Lebenswerk einer österreichischen Künstlerin geehrt. Einen Goldenen Löwen erhält neben Lassnig auch die italienische Bildhauerin Marisa Merz.
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