Wenn die Tomate schwarz sieht
Die Interessengemeinschaft Urkorn Tirol hat sich dem Erhalt alten Saatkorns wie der Saubohne verschrieben. Samstag lädt sie zum Jungpflanzenmarkt nach Rotholz.
Von Angela Dähling
Schwaz –Tomaten sind rot, Kartoffeln braun – von wegen! Andreas Kreutner, Sprecher der Tiroler Interessengemeinschaft Urkorn, weiß es besser. Violette, schwarze und weiße Bio-Tomaten sowie rote und violette Bio-Kartoffeln findet man in den Gärten der Urkorn-Hobbygärtner. „Es gibt so viele verschiedene Sorten, viele davon drohen leider in Vergessenheit zu geraten“, sagt Kreutner. Genau das wollen die Urkorn-Mitglieder verhindern. Neben eigenen Gärten hegen und pflegen sie einen Gemeinschaftsgarten an der alten Landstraße zwischen Schwaz und Buch. Und das wie in alten Zeiten.
Statt eines Traktors wird das Feld mit Pferden gepflügt. „Wir machen alles händisch, ohne technischen Aufwand. Und vor allem rauben wir den Boden nicht aus“, erklärt Kreutner. Nicht mehr als 2500 kg ernte man daher pro Hektar, in der Intensivlandwirtschaft seien es 6000 bis 8000 kg pro Hektar.
Altes Saatgut zu erhalten und gesunde Lebensmittel im kleinen Rahmen herzustellen, haben sich die rund 100 Hobbygärtner aus ganz Tirol, die zur Interessengemeinschaft zählen, auf die Fahnen geheftet. Wobei das Ganze nicht auf Profit oder Wirtschaftlichkeit ausgelegt ist, es sind ideologische Gründe – die Kombination einer sinnvollen Beschäftigung mit dem Schaffen gesunder, geschmackvoller Lebensmittel – sowie der Austausch von Saatgut und Anbauwissen, was die Mitglieder eint. Das Interesse an dieser Art des Gartelns sei steigend, weiß Kreutner. „Aufgrund der vielen Lebensmittelskandale bekommt das Garteln wieder einen Stellenwert“, meint er.
Jeden ersten Montag im Monat treffen sich Urkorn-Mitglieder beim Dorfwirt in Wiesing. „Um 19 Uhr im Winter, um 18.30 im Sommer, weil wir dann auch Gärten unserer Mitglieder besuchen“, erklärt Andreas Kreutner. Interessierte sind herzlich willkommen.
Heuer habe man mit der Saatgutkreuzung eines traditionellen Tiroler Gemüses begonnen, der Saubohne. „Sie war einst wichtigster Eiweißträger in Notzeiten. Wir haben sie sozusagen wiederbelebt“, informiert Kreutner. In Gärten mehrerer Urkorn-Mitglieder verteilt über ganz Tirol werde auch die reinsaatige Zucht vorangetrieben.
„Wenn ein Saatgut weg ist, dann unwiederbringlich“, macht Kreutner deutlich. Er verfolgt die aktuelle Diskussion um die Saatgut-EU-Richtlinie daher höchst interessiert. „Die Saatgutlobby will’s exklusiv, das hat einen Einheitsbrei beim Saatgut zur Folge. Die Menschen sind dann von den Konzernen abhängig, die das Saatgut liefern“, meint er. Immer mehr Leuten werde aber die Vielfalt bewusst, das Interesse steige. Daher rechnet er auch mit 2000 bis 3000 Besuchern, die am kommenden Samstag, den 11. Mai, von 10 bis 16 Uhr den Bio-Jungpflanzenmarkt in der Landeslehranstalt Rotholz besuchen. Urkorn organisiert ihn gemeinsam mit dem gemeinnützigen Verein Arche Noah. Dieser arbeitet seit mehr als 20 Jahren an der Erhaltung und Entwicklung der Kulturpflanzenvielfalt in Schiltern bei Langenlois. Dort befindet sich das Arche-Noah-Sortenarchiv mit rund 6000 Sorten an Kulturpflanzen, darunter 800 Bohnen-, 600 Tomaten- und 150 Erbsensorten.
Beim Jungpflanzenmarkt in Rotholz erwartet die Besucher ein großes Sortiment an Bio-Gemüse-Jungpflanzen: 30 verschiedene Sorten von Paradeisern, zahlreiche Paprika- und Chilisorten, Kürbisse, Melonen, Gurkenraritäten, einjährige Kräuter sowie seltene, oftmals bereits in Vergessenheit geratene Gemüsespezialitäten wie Andenbeere, Melothria, Malabarspinat oder Zuckerwurzel. Erstmals werden auch Erdäpfelraritäten gezeigt. Dazu gibt es Profi-Tipps zu Pflege und Anbau, Verkauf von Büchern und Bio-Saatgut.
Die Mitglieder von Urkorn Tirol organisieren einen Flohmarkt historischer, handgetriebener Garten- und Küchengeräte. Dazu werden noch Geräte wie Sensen, Gabeln, Rechen, Harken, Krümler, Spaten, Setzhölzer, Mehlsiebe, Mohnmühlen, Wecktöpfe, Krautfass und Waschrumpeln gesucht. Infos bei Andreas Kreutner unter 0650/7136200.
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