Börsen im Hoch

Börsen jubeln über Rekordkurse im Gefolge der Niedrigzins-Politik

Der bisherige Rekord für den deutschen Leitindex datiert auf den 13. Juli 2007, Vorkrisen-Zeit. Nun durchbrach der Dax diese Schwelle. Auch der Dow feiert Höhenflüge. Doch die Entwicklung birgt auch Risiken.

Frankfurt am Main – Am Ende ging es ganz schnell. Immer wieder hatte der Dax sich in den letzten Tagen seinem Rekordhoch vom 13. Juli 2007 angenähert. Und immer wieder drehte er im letzten Moment – ganz als ob er sich zieren würde – wieder auf ein tieferes Niveau zurück, der Rekord scheinbar immer vor Augen, doch außer Reichweite.

Am Dienstag um 10.50 Uhr allerdings kletterte der deutsche Aktienleitindex mit einem Satz auf den höchsten Stand seiner fast 25-jährigen Geschichte. Der Dax, der die Kursentwicklung der 30 wichtigsten deutschen Aktienwerte abbildet, erreichte zwischenzeitlich 8154,76 Punkte und überflügelte den bisherigen Rekord von 8151,57 Punkten im Handelsverlauf des 13. Juli 2007. Zur Mittagszeit legte der Dax nochmals auf 8166 Punkte zu.

„Umso schlimmer das Erwachen“

„Die Niedrigzinspolitik der Notenbanken liefert den Stoff, aus dem Träume gemacht werden“, lieferte Marktexperte Oliver Roth von Close Brothers Seydler eine rasche Erklärung. Der Traum sei noch nicht zu Ende. „Umso schlimmer wird dann aber eines Tages das Erwachen“, warnte er.

Den Hintergrund zum „Volle Bulle!“, wie das deutsche Handelsblatt online titelte, lieferte die Europäische Zentralbank (EZB) in der vergangenen Woche. Sie senkte den schon extrem niedrigen Leitzins im Euro-Raum nochmals um 25 Basispunkte auf 0,5 Prozent.

Das soll Unternehmen motivieren, günstig neue Kredite aufzunehmen und zu investieren. Das wird prinzipiell als positiv für die Gewinnerwartungen und damit die Börsenkurse gesehen.

Doch wer einen genaueren Blick auf die Realwirtschaft wirft, dürfte die Gefahren des Höhenfluges erahnen. Die Konjunktur in Europa, auch in Deutschland schwächelt weiter. Die Schuldenkrise in vielen Staaten der EU ist längst nicht ausgestanden. Und die Berichte zu Arbeitsmarkt, Auftragslage und Produktion sind nicht gerade berauschend.

Doch an den Börsen werden Erwartungen gehandelt. Es vermischen sich Hoffnungen mit Verlustängsten (konservative Anlageformen wie Sparen sind derzeit nicht gerade attraktiv, wenn Niedrigstzinsen durch die Inflation und Gebühren aufgefressen werden) und dann spielt da noch der Faktor Geld eine Rolle. Davon gibt es derzeit mehr als jemals zuvor.

Billiges Geld in Massen

Billiges Geld noch dazu, das die Notenbanken in aller Welt im Kampf gegen die Finanz- und Schuldenkrise gnadenlos in die Märkte pumpen. Um fünf Billonen Dollar wurde die verfügbare Geldmenge in den Krisenjahren aufgeblasen, Geld, das nun nach bestmöglichen Renditen sucht.

Es scheint, als ob die Börsen hier ein attraktiver Hafen geworden sind. Denn neben dem Dax hat auch die Wall Street Rekorde zu bieten. Dort stieg der Dow Jones auf 15.000 Punkte.

Viele Unternehmen hingegen – wohin das Geld eigentlich fließen sollte – leiden weiterhin unter Geldnot, weil ihnen kaum Kredite gegeben werden. Ein Hoch an den Börsen bedeutet also nicht zwingend ein baldiges Hoch in der realen Wirtschaft. Tatsächlich steigt die Gefahr von künstlichen Blasen - die bekanntlich hin und wieder geräuschvoll platzen. (tt.com, dpa)

Website der Deutschen Börse: www.deutsche-boerse.com

Website der New Yorker Börse: https://nyse.nyx.com/

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