Unternehmen

Keine Scheu vor dem Kinderkriegen

Der Kinderwunsch von Arbeitnehmern darf heute kein Tabu mehr in einem Unternehmen sein. Personalberater Peter Spieß rät zu mehr Offenheit – bei Männern ebenso wie bei Frauen.

Von Barbara Egger

Innsbruck –Will ein Unternehmen als attraktiver Arbeitgeber gelten, muss es das Thema Kind und Karriere enttabuisieren.

Mütter oder Väter in Karenz werden von ihren ehemaligen Arbeitgebern häufig vernachlässigt. „Sie werden zu Firmenveranstaltungen nicht mehr eingeladen, egal ob sie kommen können oder nicht. Aber die Einladung allein wäre ein Zeichen des Arbeitgebers, dass die Mutter oder der Vater im Unternehmen nach wie vor herzlich willkommen ist“, sagt Peter Spieß. Der Gründer des Wiener Personalberatungsunternehmens Ideas Consulting und Experte für Interim Management (Führungskräfte auf Zeit) berät Firmen und Führungskräfte, wenn es um das in vielen österreichischen Unternehmen heikle Thema Kinder und Karriere geht. „In den meisten Unternehmen ist die Familienplanung ein Tabuthema“, so Spieß.

Noch weniger würden Arbeitgeber daran denken, Mitarbeiter in Karenz zu strategischen Meetings einzuladen. Damit würde aber signalisiert, „wir hätten dich gerne dabei, weil dein Weitblick und deine Erfahrung aus der Vergangenheit in Zukunft für uns wichtig sein wird“, so Spieß weiter.

Während es bei den Frauen der Arbeitgeber meist zuletzt erfährt, dass die betreffende Mitarbeiterin schwanger ist, würden Männer erst gar nicht darüber sprechen. „Es ist aber wesentlich zu sagen, ich werde Mutter, ich werde Vater“, so Spieß. Doch das sei in Unternehmen oft verpönt. Vielmehr herrsche die Ansicht, dass es besser sei, erst gar nicht darüber zu sprechen.

Einer der Gründe dafür sei, dass viele Arbeitgeber Familienzuwachs vielmehr als Bedrohung denn als Bereicherung für das Unternehmen sehen. „Es herrscht die Meinung vor, dass die Führungskraft dann weniger Zeit für das Unternehmen hat, weniger Überstunden macht und weniger leistungsfähig ist“, glaubt Spieß. Dabei werde aber übersehen, dass weibliche wie männliche Führungskräfte mit der neuen Rolle als Elternteil viel bereicherter in ihrem Leben seien. Arbeitgeber sollten sich bewusst machen, dass diese Mitarbeiter vielleicht eine größere Kreativität an den Tag legen, vielleicht einen größeren Weitblick entwickeln und gewisse Dinge, die sie sonst sehr verbohrt und steif gesehen haben, problemlos lösen können. Für ein Unternehmen könne es daher durchaus interessant sein, einen familienfreundlichen Ruf zu haben und offen mit dem Thema umzugehen. „Familienfreundlichkeit wirkt sich auch auf die Leistungsfähigkeit eines Unternehmens aus“, ist Spieß überzeugt. Suchen Arbeits- und Führungskräfte Hilfe bei Peter Spieß, versucht der Experte darzulegen, dass es für die Karriere kein Negativpunkt ist, Familie zu haben. Den Unternehmen versucht der Berater zu vermitteln, dass Kinder das Leben von Arbeitnehmern bereichern und damit auch unmittelbaren Einfluss auf den Erfolg jedes Unternehmens haben.

Der Idealfall sei es, wenn beide Seiten keine Scheu mehr beim Thema Kinder kriegen zeigen. Mitarbeiter sollen offen aussprechen dürfen: Ich werde Mutter oder ich werde Vater. „Sagen Sie dem Arbeitgeber ganz klar, ich möchte, dass meine Ehe glücklich ist. Ich kann in den nächsten zwei Jahren nicht zwanzig Überstunden pro Woche machen. Wie können wir das lösen?“, rät Spieß. Er fordert von den Arbeitgebern auch klar mehr Mut ein.

Peter Spieß, selbst zweifacher Familienvater, gibt zu, dass er selbst nie über Familienplanung mit dem Arbeitgeber habe sprechen wollen. „Das wäre mir viel zu intim gewesen.“ Hingegen wäre ihm eine Initiative oder ein Signal seitens des Arbeitgebers sehr willkommen gewesen. „Wenn es gelingt, das Thema zu enttabuisieren, profitieren davon beide Seiten.“

Augenscheinlich werde das Tabuthema Familienplanung häufig bei der Bewerbung. Ideas Consulting fühlt auf Wunsch seiner Klienten anonym bei den Unternehmen vor, wie die Einstellung gegenüber dem Thema Kind und Karriere denn ist. Das Ansprechen der Familienplanung könne bei der Bewerbung durchaus ein Pluspunkt sein.

Der Experte rät aber, sich genau zu informieren, wen man vor sich hat. „Manche Arbeitgeber sind einfach noch nicht bereit dafür. Die nächste Generation aber wird es sein.“