Golan

Erneut Mörsergranate aus Syrien auf Golanhöhen eingeschlagen

Israel geht von fehlgeleiteten Granaten aus. Die österreichischen Blauhelme sind nicht gefährdet. Die Luftraumsperre im Norden Israels wurde aufgehoben.

Damaskus, Wien – Auf den von Israel besetzten Golanhöhen ist erneut eine aus Syrien abgefeuerte Mörsergranate eingeschlagen. Eine israelische Militärsprecherin bestätigte dies am Dienstag. Es sei die dritte Mörsergranate, die seit dem Vorabend auf dem Gebiet einschlug, sagte die Sprecherin. Am Montag hatte die Armee zunächst von zwei Raketen gesprochen, nicht von Mörsergranaten. Es habe weder Verletzte noch Sachschaden gegeben.

Israel geht davon aus, dass die Mörsergranaten aus dem Nachbarland fehlgeleitet waren und bei internen Kämpfen zwischen syrischen Regierungstruppen und Rebellen in Grenznähe abgefeuert wurden. Sie stehen offenbar nicht in Verbindung mit dem israelischen Luftangriff in Syrien in der Nacht zum Sonntag.

Kein Abzug der österreichischen Blauhelme

Die FPÖ bekräftigte wegen des Zwischenfalls einmal mehr für die Forderung nach einem Abzug der österreichischen Blauhelme vom Golan. Sowohl Verteidigungs- als auch Außenministerium winkten auf APA-Anfrage am Dienstag ab, es gebe keine unmittelbare Gefährdung der heimischen Blauhelme.

Tatsächlich erfolgten die jüngsten Granateneinschläge auf der von Israel besetzten Seite der Golanhöhen, also westlich der „Area of Separation“, in der die UNO-Soldaten stationiert sind. Außerdem schlugen die Geschosse auf Höhe des südlichen Teil des Gebiets ein, der nicht von den österreichischen, sondern von philippinischen Blauhelmen kontrolliert wird.

Luftraumsperre aufgehoben

Zwei Tage nach dem Luftangriff nahe Damaskus hat sich die Lage im Norden Israels am Dienstag entspannt. Eine Sperre des Luftraums für zivile Flugzeuge wurde wieder aufgehoben, wie das israelische Fernsehen berichtete. Die Maßnahme war am Sonntag aus Furcht vor Vergeltung Syriens für den Luftangriff verhängt worden. Israel hat den Angriff, bei dem nach Angaben syrischer Menschenrechtler mindestens 42 Soldaten getötet wurden, immer noch nicht offiziell bestätigt.

Ministerpräsident Benjamin Netanyahu bekräftigte allerdings nach chinesischer Kritik an den israelischen Angriffen in Syrien in Shanghai das Recht seines Landes auf Selbstverteidigung.

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan kritisierte den israelischen Luftangriff in Syrien als „inakzeptabel“. Solche Angriffe stärkten nur die Regierung des syrischen Präsidenten Bashar al-Assad, sagte Erdogan am Dienstag in einer vom Fernsehen übertragenen Rede vor der Parlamentsfraktion seiner Regierungspartei AKP in Ankara. Assad benutze den israelischen Angriff, um von einem Massaker der syrischen Regierungskräfte an Zivilisten in der Stadt Banias abzulenken.

Kämpfen Schiiten auf Seiten Assads?

Unterdessen tauchten Hinweise auf, dass irakische Schiiten an der Seite des Assad-Regimes kämpfen. In der irakischen Stadt Basra war am Montag unter großer Anteilnahme der Bevölkerung ein junger Schiit beigesetzt worden, der bei Kämpfen in Damaskus gefallen war. In irakischen Medienberichten dazu hieß es am Dienstag, Dhia al-Essawi sei „im Heiligen Krieg zur Verteidigung der heiligen Stätten am Schrein von Sayyida Zeinab“ gefallen, wo die Enkeltochter des Propheten Mohammend beerdigt ist.

Bisher hatten die irakischen Schiiten-Milizen stets Berichte bestritten, wonach ihre Kämpfer im syrischen Bürgerkrieg an der Seite der Assad-Truppen kämpfen. (APA/dpa/AFP)