Musik aus Tirol

Parapluie - Missionare des modernen Jazz

Das Tiroler Quartett Parapluie macht sich mit seinem Debütalbum „lost melodies – contemporary compositions“ auf, Jazz in ein gefühlbetontes Klangkostüm zu stecken.

Von Simon Hackspiel

Innsbruck - Warme Töne, verträumte Melodien, kompakter Bandsound – das Erstlingswerk des Tiroler Quartetts Parapluie lädt auch alle jene zum Reinhören ein, die gern über die Überkompliziertheit von Jazz klagen. Die aus der Feder von Saxophonist Gerd Veleba stammenden Kompositionen verheddern sich nicht in der Zurschaustellung musikalischer Brillianz, sondern folgen einer klaren, feinfühligen Linie.

Auch wenn der Albumtitel „lost melodies – contemporary compositions“ etwas verschachtelt anmutet, versteckt sich hinter diesem Aufmacher Instrumentalmusik, die durchaus zu fesseln vermag. „Unsere Musik wird beeinflusst durch das tägliche Auf- und Ab“, erklärt die Band gegenüber TT Online. „Auch Gerds Reisen im Nahen Osten haben einige Stücke harmonisch stark geprägt.“ Deutlich werden die orientalischen Einflüsse auch bei der Singleauskoppelung „Tohuwabohu“ (siehe Video).

Mit dem Album ist der erste Schritt für Parapluie getan. Jetzt wollen die vier jungen Musiker bei Live-Gigs beweisen, was sie drauf haben. Am Mittwoch, 8. Mai spielen sie im Gasthof Hirschen in Imst, am 21. Mai steht ein Auftritt im Cantina Vecchia in Innsbruck auf dem Programm. Im Herbst will das Quartett dann durch Österreich touren.

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Fünf Fragen an: Parapluie

Wie hat sich die Band zusammengefunden?

Parapluie: Erstmals getroffen haben wir uns durch das gemeinsame Studium am Tiroler Landeskonservatorium im Herbst 2010, ein halbes Jahr später begannen wir zu proben.

Musikalischer Background/Ausbildung der Musiker?

Parapluie: Gerd stammt aus einer sehr musikalischen Familie, seine Mutter ist Komponistin und Flötistin, und landete so zwangsläufig bei der Musik. Tobias besuchte das Musikgymnasium Fallmerayerstraße und studiert parallel zum Jazz auch Schlagwerk. Im Sommer 2011 war er einen Monat in New York und hat von dort viel Input und neue Ideen mitgebracht. Valentin war an der Musikschule Telfs und spielt außerdem auch Cello. Florian war einige Jahre im Innsbrucker Musikschulensemble bei Christian Wegscheider. Zusätzlich spielen alle in diversen Bands – von Blasmusik bis Big Band.

Wie sieht der Schaffensprozess bei den Arrangements aus?

Parapluie: Fast alle Kompositionen wurden von Gerd geschrieben. Er komponiert am Klavier und bringt fertige Stücke mit. Die Band seziert die einzelnen Teile, bearbeitet diese und setzt nicht selten die Stücke zu einem neuen Ganzen zusammen. Das läuft natürlich nicht immer reibungslos ab – manchmal unterscheiden sich die Klangvorstellungen der einzelnen Bandmitglieder sehr. Aber genau durch diese Differenzen lassen sich neue Nuancen entdecken und deshalb sind wir auch bei unserem Bandsound gelandet.

Was versucht ihr den Zuhörern zu vermitteln?

Parapluie: Eigentlich läuft’s anders herum. Uns begeistert, dass unsere Stücke von jedem Konzertbesucher unterschiedlich wahrgenommen werden. Kunst, egal ob ein Gemälde, Literaturoder Musik, erweckt beim Publikum Stimmungen und Gefühle. Die Empfindungen sind bei Instrumentalmusik nochmals weitergestreut. Das ist uns wichtig.

Wie seht ihr die Musik- und insbesondere die Jazzszene in Tirol?

Parapluie: Die Richtung stimmt, es gibt einige spannende neue Tiroler Projekte, die aufregende Musik kreieren. Innsbruck hat mehrere Jamsessions, eine weitere im Stromboli in Hall, einige Lokale mit Livemusik. Das Angebot fürs Publikum und auch das Niveau der Musiker ist, verglichen mit anderen Städten in einer vergleichbaren Größe überdurchschnittlich. Einzig die Entwicklung der Gagen ist bedenklich.

Beim jungen Publikum haben wir öfters die Erfahrung gemacht, dass Jazz ein kompliziertes, eigenartiges Image hat – vermutlich mit Free Jazz assoziiert - dabei gibt es heute sehr melodiösen, klaren, modernen Jazz. So gesehen muss man als Jazzmusiker manchmal etwas als Jazzmissionar auftreten und den Leuten einen Ruck geben.

Mehr Infos: www.parapluie-grooves.com

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