Schiff rammte Kontrollturm in Genua: Ein Opfer lebend geborgen
Am Dienstagabend rammte ein Containerschiff den Kontrollturm im Hafen von Genua. Der Unfall forderte mindestens sieben Todesopfer.
Genua – Nach mehrstündigen Sucharbeiten haben Rettungsmannschaften im Hafen von Genua einen Vermissten lebend geborgen. Der 50-jährige Hafenmitarbeiter wurde schwer verletzt, schwebt aber laut italienischen Medien nicht in Lebesgefahr. Bis zum Mittag waren die Leichen von sieben Todesopfern geborgen worden. Das Containerschiff „Jolly Nero“ hatte am Dienstagabend einen Kontrollturm gerammt. Seitdem sind die Rettungsmannschaften im Einsatz. Die Suche nach zwei weiteren Vermissten läuft auf Hochtouren. Die Hoffnung Überlebende zu finden sinkt allerdings. Vier Menschen wurden bereits mit schweren Verletzungen ins Spital eingeliefert, berichteten die Helfer.
Ermittlungen gegen Kapitän
Die Staatsanwaltschaft von Genua hat Ermittlungen gegen den 63-jährigen Kapitän des Containerschiffs „Jolly Nero“ eingeleitet. Er wurde bereits lange vernommen. Der Verdacht lautet auf fahrlässige Tötung. Ermittlungen gibt es nach Medienangaben gegen weitere drei Mitglieder der Crew. Die Blackbox des Containerschiffs wird untersucht, die „Jolly Nero“ wurde beschlagnahmt.
Der Eigentümer des Schiffes, die Gesellschaft „Messina“, versprach volle Unterstützung zur Klärung der Ursache der Tragödie. „Wir sind alle total schockiert, noch nie ist so etwas passiert, wir sind verzweifelt“, sagte der Eigner des 37 Jahre alten Schiffs, Stefano Messina. Die Ausfahrt aus dem Hafen sei ein „Routinemanöver“, das Unglück gänzlich unerklärlich, sagte er. Vermutet wird, dass zwei Motoren des Schiffes ausgefallen seien und die Mannschaft die Kontrolle über das Schiff verloren habe.
Schiff sollte Richtung Neapel auslaufen
Das Unglück habe sich ereignet, als das Schiff den Hafen in Richtung Neapel verlassen wollte. Zum Unglückszeitpunkt hätten sich etwa 14 Menschen in dem Turm aufgehalten, in dem auch die Büros der Hafenbehörde und der Kapitäne untergebracht waren.
Den Berichten zufolge stieß das über 239 Meter lange Containerschiff bei der Ausfahrt mit dem Turm zusammen, von dem aus der Schiffsverkehr im Hafen kontrolliert wird. Der Kontrollturm habe sich durch die Kollision um 45 Grad geneigt, Gebäudeteile seien ins Wasser gestürzt.
Der italienische Präsident, Giorgio Napolitano, kondolierte den Familien der Opfer und erklärte sich über das Unglück bestürzt. Die Stadt Genua rief einen Trauertag aus. Die Gewerkschaften forderten umfassende Ermittlungen zur Klärung des Unfalls. (tt.com, APA)
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