Bildung

Experten zeichnen desaströses Bild des Bildungssystems

Unmotivierte und uninteressierte Schüler ohne Selbstvertrauen: Laut Peter Skalicky leidet das Bildungssystem an einer „intellektuellen Autoimmunerkrankung“.

Wien – Das heimische Bildungssystem leidet nach Ansicht des stellvertretenden Vorsitzenden des Forschungsrats, Peter Skalicky, unter einer „intellektuellen Autoimmunerkrankung“. Es würden unaufhörlich gesetzliche Bestimmungen, Vorgaben und Evaluierungen mit demotivierenden Rankings erfunden und dem Bildungssystem „um die Ohren geschlagen“.

So sei es kein Wunder, dass Motivation und Begeisterung auf der Strecke blieben, sagte Skalicky Dienstag Abend bei einer Veranstaltung zum Thema „Future Innovation - Future Education“.

Interesse der Schüler nimmt ab

Die fehlende Motivation belegte Bildungspsychologin Christiane Spiel anhand bekannter Studien der vergangenen Jahre: Das Interesse der Schüler nimmt über die Schulzeit hinweg ab, sie haben wenig Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten und erachten diese schon nach wenigen Schuljahren als nicht beeinflussbar.

Das Desinteresse an Naturwissenschaften sei „ganz dramatisch“. Und auch Lehrer hätten wenig Selbstvertrauen, sie würden die Gründe für Misserfolge von Schülern nicht bei sich sehen. All dies habe „fatale Konsequenzen“ für das schulische Engagement und die Bewältigung von Misserfolgen.

Als wichtigsten Ansatzpunkt auf dem Weg zu einer Schule der Zukunft nannte Spiel eine „flächendeckende forschungsbasierte Ausbildung der Pädagogen auf Masterniveau“. Der nun vorliegende Entwurf für eine neue Lehrerausbildung ist für Spiel aber nur ein „Rahmengesetz“, es bleibe noch viel zu tun. Überhaupt brauche man für Veränderungen im Bildungssystem einen „langen Atem“.

„Nicht in den Schraubstock“

Skalicky sieht die Kur für die von ihm diagnostizierte Autoimmunerkrankung darin, „die Jugend nicht in den Schraubstock einer durchorganisierten, schulischen Leistungsgesellschaft mit Selektionsdruck zu pressen“.

Vielmehr müsse man ihr ermöglichen, in Anlehnung an Erwin Ringel „nicht nur das Leben, sondern auch unser Wissen ‚lustvoll zu durchdringen‘. Das fördert Innovation, garantiert.“

Auch für den Geschäftsführer des Austrian Institute of Technology (AIT), Wolfgang Knoll, geht es darum, bei den Kindern und Jugendlichen die Begeisterung und das Interesse für neues Wissen zu erhalten. „Es geht nicht ums Wecken, sondern ums Erhalten – das ist zwar noch keine Innovation, aber es könnte dazu führen“, so Knoll.

Mit der vom RFT, dem AIT und der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) organisierten Veranstaltung reihte sich auch die Forschungsgemeinschaft in die Reihe der Gratulanten zum 75. Geburtstag (18. April) des Industriellen Hannes Androsch. Dieser ist Vorsitzender des Forschungsrats, Aufsichtsratschef beim AIT und u.a. mit einer von ihm an der ÖAW eingerichteten Stiftung eng mit der Akademie verbunden. (tt.com, APA)