Wirbel um Festnahme des Großmuftis von Jerusalem
Zwischen Isreal und Jordanien hat eine neue diplomatische Eiszeit begonnen. Grund ist die Festnahme des Großmuftis von Jerusalem, Mohammad Hussein, im Zusammenhang mit Unruhen am Tempelberg.
Jerusalem – Die israelische Polizei hat am Mittwoch in Jerusalem den führenden palästinensischen Geistlichen Scheich Mohammad Hussein festgenommen. Hussein werde wegen der „öffentlichen Unruhe“ am sogenannten Jerusalemtag am Dienstag befragt, sagte ein Polizeisprecher.
Hussein, der Großmufti von Jerusalem ist, solle dazu aussagen, welche Rolle er bei einem Handgemenge zwischen Palästinensern und Juden auf einem Gelände gespielt habe, auf dem die Al-Aksa-Moschee steht und das an die Klagemauer grenzt.
Am Jerusalemtag, an dem die jüdische Bevölkerung der israelischen Eroberung Ostjerusalems im Jahr 1967 gedenkt, hatte die israelische Polizei nach eigenen Angaben einen Araber festgenommen. Der Mann habe den Platz vor der Moschee betreten, sich aber nicht ausweisen wollen.
Handgemenge am Tempelberg
Das Ganze habe sich zu einem Handgemenge ausgewachsen, in dem palästinensische Gläubige mit Stühlen auf jüdische Besucher des Geländes geworfen hätten, sagte der Polizeisprecher.
Für Palästinenser ist es eine Provokation, wenn Juden den von ihnen so bezeichneten Tempelberg besuchen, auf dem die Al-Aksa-Moschee steht. Der Tempelberg ist einer der umstrittensten heiligen Orte.
Auf ihm stehen die Al-Aksa-Moschee und der Felsendom sowie die christliche Grabeskirche. Hier stand der Bibel zufolge der jüdische Tempel.
Die israelische Regierung hatte 1967 nach der Eroberung von Ostjerusalem bestimmt, dass der Wakf, die muslimische Behörde, auch weiterhin den Tempelberg unter jordanischer Aufsicht kontrollieren darf. Der frühere Ministerpräsident Yitzhak Rabin hatte der jordanische Verwaltungshoheit über den Tempelberg im Rahmen des Friedensvertrags bestätigt.
Jordanier weisen israelischen Botschafter aus
In einer drastischen Reaktion auf das israelische Vorgehen beschloss das jordanische Parlament einstimmig, den israelischen Botschafter des Landes zu verweisen und den jordanischen Botschafter aus Tel Aviv abzurufen. Beide Länder unterhalten seit 1994 volle diplomatische Beziehungen. Damals unterschrieben die beiden Länder einen Friedensvertrag.
Die palästinensische Autonomiebehörde verurteilte dessen Verhaftung als „Verstoß gegen die Religionsfreiheit“.
Der Tempelberg, auf dem einst der salomonische Tempel mit dem „Allerheiligsten“ gestanden haben soll, gilt den Juden als Heiligste Stätte. Doch heute stehen dort der Felsendom und die Al-Aksa Moschee, die im Islam als drittheiligste Stätte (Haram al-Sharif) nach Mekka und Medina gelten.
Das israelische Außenministerium erklärte auf Anfrage, dass die Angelegenheit „geprüft“ werde und hatte deshalb noch keine Reaktion auf das jordanische Parlamentsvotum
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