Musik

Liebe, Botox, Alkohol

Malmö ist bereit für die größte Musikshow des Jahres: Beim 58. Eurovision Song Contest trifft man auf Helden von einst, großfüßige Riesen, bloßfüßige Elfen und Ralph Siegel.

Von Christiane Fasching

Malmö –Ralph Siegel gehört zum Song Contest wie Richard Lugner zum Opernball: 18 Kompositionen hat der Deutsche schon ins Rennen geschickt, eine davon – „Ein bisschen Frieden“ – sollte Nicole 1982 zum Star und Deutschland zum Liederstreit-Gewinner machen. Auf schwarz-rot-goldene Gegenliebe stieß Siegel trotzdem nicht, was wiederum mit Stefan Raab zu tun haben könnte, der das Eurovision-Urgestein zur Seite drängte und lieber selbst bei der größten Musikshow der Welt mitmischte. Aber auch das ist lange her, selbst der von Raab angezettelte Triumph von Lena Meyer-Landrut hat schon einen Bart. Und Raab? Der hatte heuer keine Lust, sich in irgendeiner Form am Wettsingen zu beteiligen. Siegel ist da standhafter: Wie im Vorjahr hat er ein Liedchen für San Remo ersonnen, Chancen auf den Sieg werden ihm keine eingeräumt. Na ja, dabei sein ist alles.

Zlata Ohnewitsch, die ohne Witz so heißt, sieht das anders: Die Ukrainerin will das Ding unbedingt gewinnen. Im dritten Anlauf hat sie den nationalen Vorentscheid für sich entscheiden können und geht nun mit der schmalztriefenden Ballade „Gravity“ ins Rennen. Eigentlich wird sie dorthin getragen: Landsmann Igor Vovkovinskiy, der mit seinen 2,58 Metern laut Guinnessbuch der größte Mann der Welt ist, hievt sie ins Rampenlicht. Ja, der Song Contest ist nach wie vor verrückt. Irrsinnig groß sind dafür Vovkovinskiy Füße: Er trägt Schuhgröße 60. Ob’s dafür Extrapunkte gibt?

Das käme der dänischen Pop-Elfe Emmelie de Forest etwas ungelegen: Die Favoritin der Buchmacher, die untermalt von folkloristischen Klängen die Nummer „Only Teardrops“ schmettert, startet nämlich barfuß durch. Eigentlich ein alter Song-Contest-Hut: Schon Sandie Shaw ließ 1967 bei ihrem Auftritt die Schuhe in der Garderobe – und eroberte mit ihrem Song „Puppet On A String“ bloß- und leichtfüßig den Sieg.

Weg vom Schuhwerk, hin zum Soundmaterial. Textlich dominiert da heuer eindeutig die Liebe, wie ein Auszug aus den Refrains zeigt: Straight Into Love. Only Love Survives. Love Kills. Ljubav je svuda. Letztere Botschaft ist Serbisch und bedeutet, dass die Liebe überall ist. Nicht so in Griechenland. Die Formation Koza Mostra geht mit dem traditionsbewussten Sänger Agathonas Iakovidis und der ohrwurmverdächtigen Ska-Nummer „Alcohol Is Free!“ ins Rennen. Prost! Irgendwie muss man die Krisenstimmung ja in den Griff bekommen.

Könnte sich Bonnie Tyler ihre Falten wegtrinken, würde sie es wohl tun, denn Altersspuren findet die 61-jährige Rockröhre, die einst mit „Total Eclipse Of The Heart“ zu Weltruhm gelangte, total untragbar. Aber zu ihrem Glück gibt’s ja Botox – und das landet regelmäßig in der Stirn- und Augenpartie der Britin, die offen zu ihrem „Schönheitsgeheimnis“ steht. In Malmö geht sie für Großbritannien auf Punktefang. Mit der Hymne „Believe In Me“, die an die guten alten 80er Jahre gemahnt, will sie die Vorjahresblamage von Engelbert wettmachen: Der „King Of Romance“ landete in Baku auf dem vorletzten Platz. Hoffentlich läuft’s für Tyler besser, sonst muss sie am Ende noch Frustfalten wegspritzen.