„Hochemotionales Thema“: Biene ist neues Lieblingstier der Politik
Die Bienen waren letztlich übermächtig: Die hitzige Debatte über Bienensterben und Pestizidverbot wurde für Landwirtschaftsminister Berlakovich zum PR-Desaster. Meinungsforscher Bachmayer rät: „Politiker sind gut beraten, sich nicht mit der Biene anzulegen.“
Wien - Die Biene ist zum neuen Lieblingstier der Politik mutiert. Obwohl das Thema Bienensterben in den vergangenen Jahren weitest gehend ignoriert worden ist, gibt es plötzlich keine Partei, die die wilden Bestäuber nicht vor gefährlichen Pestiziden schützen will. „Dafür gibt es vor allem die Erklärung, dass Wahlkampf ist. Die Biene ist ein hoch emotionales Thema“, sagte Meinungsforscher Wolfgang Bachmayer vom OGM-Institut am Freitag. Hinzu kommt, dass NGOs immer besser gelernt haben, professionelle Kampagnen zu fahren.
Politiker sind auch gut beraten, sich nicht mit der Biene anzulegen. „Eigentlich mögen wir ja keine Insekten, die Bienen sind aber die große Ausnahme“, sagte Bachmayer. Das Tier stehe gleichsam als Symbol für Umweltschutz, gesunde Ernährung, Ablehnung der Gentechnik und unberührte Natur. Alles Themenkomplexe, die dem Meinungsforscher zufolge bei den Österreichern sehr hoch im Kurs stehen. „Das Anti-Gentechnik-Volksbegehren haben damals 1,2 Millionen Menschen unterschrieben“, so Bachmayer.
PR-Desaster von Berlakovich
Dass Landwirtschaftsminister Nikolaus Berlakovich (ÖVP), der mit seinem „Nein“ zum Ende der Neonikotinoide bei einer EU-Abstimmung die Aufregung ausgelöst hat, sein Image als „Bienen-Killer“ wieder los wird, glaubt Bachmayer nicht. „Es wird in der Politik eigentlich jede Woche eine neue Sau durchs Dorf getrieben. Dieses Mal ist es aber die hochemotionale Biene, ich denke nicht, dass sich Berlakovich von diesem PR-Desaster bis zur Nationalratswahl erholen kann“, so der Meinungsforscher.
Zudem hat Berlakovich das Problem, dass das Thema „Biene“ auch viele Menschen erreicht, die der innenpolitischen Berichterstattung eigentlich nicht folgen. „Der Umweltminister hat seine Bekanntheit sicherlich sehr gesteigert“, meinte Bachmayer. Viele würden den Ressortchef allerdings nun kurz vor der Wahl mit dem Thema „Bienensterben“ verbinden. Der Versuch, die Debatte wieder zu versachlichen, bringt laut dem Meinungsforscher nichts. „Die Gefühle kommen aus dem Bauch. Da kann nicht mit Studien dagegen argumentieren werden, damit gießt man nur noch mehr Öl ins Feuer“, so Bachmayer.
Das „PR-Desaster“ hat Bachmayer zufolge aber auch eine weitere Ursache: Umweltschutzgruppen lernen immer besser, wie man erfolgreich Themen in die Öffentlichkeit bringt. „Sie wissen, wie man Kampagnen ins Rollen bekommt“, sagte der Meinungsforscher. (APA)
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