Wirtschaftspolitik

Börsen setzen Rekordjagd fort, aber „noch keine Blase“

Gute Unternehmenszahlen und niedrige Zinsen treiben Börsenkurse an.

Wien, Innsbruck –Von einer Krise ist an den Börsen derzeit nichts zu spüren. Nach den weltweiten Kursrallyes in den vergangenen Woche hat der deutsche Aktienmarkt auch am Freitag seine Rekordjagd weiter fortgesetzt. Erstmals in seiner knapp 25-jährigen Geschichte ist der Deutsche Aktienindex DAX über die Marke von 8300 Punkten geklettert. Auch die New Yorker Börsen befinden sich im Höhenflug, obwohl der Dow Jones Industrial Index zuletzt am Donnerstag eine Verschnaufpause eingelegt hat. Der japanische Nikkei setzt seinen Erholungskurs ebenfalls fort, die Börse in Tokio schloss am Freitag bei mehr als 14.600 Punkten, dem höchsten Stand seit Jänner 2008.

Während Börsianer jubeln, graben sich bei Ökonomen die ersten Sorgenfalten in die Stirn, die Angst vor einer Börsenblase geht bereits um. „Normal ist das nicht“, sagt Jürgen Huber, Vorstand des Institutes für Banken und Finanzen an der Universität Innsbruck. „Das billige Geld, das derzeit von den Notenbanken zur Verfügung gestellt wird, sucht Rendite, es sucht sich seinen Weg.“ Der Wirtschaftswissenschafter spricht von einem „Mangel an Alternativen“ am Anlegemarkt.

Auf österreichische Staatsanleihen würde es nur eine Rendite von etwa 0,6 Prozent geben, „Anleger gehen daher in Immobilien oder Aktien, um zumindest die Inflation abdecken zu können“, sagt er. „Der Aktienkurs spiegelt immer die Gewinnerwartungen für ein Unternehmen wider“, erläutert Huber, „ausgehend von einem Nullwachstum der deutschen Wirtschaft haben die DAX-Konzerne die Gewinnerwartungen weit übertroffen.“ Daher seien die jüngsten Kursentwicklungen „nicht unbedingt absurd“, wie der Professor weiter ausführt. „Immer, wenn sehr lange, sehr billiges Geld vorhanden ist, besteht die Gefahr einer Blasenbildung“, erklärt er. Von einer Blase sei derzeit aber noch nicht die Rede. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis betrage in den USA derzeit im Schnitt etwa 23, von einer Blase spreche man in etwa ab einem Wert von 30. Huber geht davon aus, dass die Rallye an den Börsen noch eine Zeitlang weitergehen dürfte, „solange die Zinsen so tief sind und die Notenbanken versuchen, die Schulden wegzuinflationieren“.

Die Gefahr einer Hyperinflation bestehe derzeit aber nicht. „Die Teuerung wird in den kommenden vier Jahren wohl in etwa zwischen 1,6 und 3,6 Prozent schwanken“, prognostiziert er. (bea, APA)