Film und TV

Sonne, Stars und Schönheitsfehler

Mit Baz Luhrmanns Ausstattungsspektakel „Der große Gatsby“ beginnen am kommenden Mittwoch die 66. Filmfestspiele von Cannes.

Von Joachim Leitner

Innsbruck –Im Sommer beginnt das Leben neu, sagt F. Scott Fitzgeralds Erzählerfigur Nick Carraway in „The Great Gatsby“ an einer Stelle. Und was in den 1920er-Jahren auf Long Island galt, gilt in der Welt des Kinos nach wie vor: Das Leben beginnt alljährlich in den ersten sommerlichen Tagen in Cannes, mit der wichtigsten Leistungsschau des Kinojahres, die am kommenden Mittwoch, 15. Mai, – und damit schließt sich der Kreis – mit Baz Luhrmanns langerwarteter Neuverfilmung des „Großen Gatsby“ eröffnet wird. Auch wenn der Film die wenigen US-Kritiker, die ihn bislang zu sehen bekamen, nicht vollends überzeugte, scheint Luhrmanns erste Kinoarbeit seit beinahe fünf Jahren wie gemacht für eine Festival-Eröffnung: ein üppiges Kostümspektakel mit Starbesetzung – neben Leonardo DiCaprio in der Titelrolle sind unter anderem Tobey Maguire als „Nick“ und Carey Mulligan als „Daisy“ zu sehen.

Ins Rennen um die „Goldene Palme“, die im vergangenen Jahr Michael Hanekes „Amour“ zugesprochen wurde, geht „Der Große Gatsby“, der ab dem 17. Mai auch in den österreichischen Kinos zu sehen ist, allerdings nicht.

Trotzdem punktet der Wettbewerb mit zugkräftigen Namen. Unter anderem konkurrieren die Sacher-Masoc­h-Adaption „La Vénus à la Fourrure“ („Die Venus im Pelz“) von Altmeister Roman Polanski, der neue Film des zweifachen Oscar-Preisträgers Alexander Payne „Nebraska“ sowie „Inside Llewyn Davis“ von den Brüdern Ethan und Joel Coen um den Hauptpreis. Auch Jim Jarmuschs Vampir-Romanze „Only Lovers Left Alive“ sowie die neuen Filme von François Ozon („Jeune & Jolie“), Nicolas Winding Refn („Only God Forgives“) und der japanischen Genre-Ikone Takashi Miike („Wara no Tate“) laufen im Wettbewerb.

Große Namen also, die der von Starregisseur Steven Spielberg geleiteten Jury – der unter anderem der österreichische Ausnahmemime Christoph Waltz angehört – bis zum 26. Mai ordentlich Kopfzerbrechen bereiten dürften. Und auch in einem anderen Punkt sind hitzige Diskussionen bereits vorprogrammiert, denn mit Valeria Bruni Tedeschi („Un château en Italie“) hat es zum wiederholten Mal nur ein­e Filmemacherin in den vom künstlerischen Leiter des Festivals, Thierry Frémaux, zusammengestellten internationalen Wettbewerb geschafft. Seinem Ruf als weltweit wichtigstes Filmfestival der graumelierten Herren in den besten Jahren bleibt Cannes also auch in seiner 66. Auflage treu.

Jane Champion, die 1991 für „Das Piano“ als bislang einzige Frau eine „Goldene Palme“ in Empfang nehmen durfte, leitet heuer die Jury in der Sektion Kurzfilm und die französische Kinolegende Agnès Varda prämiert den besten Debütfilm des Festivals mit der „Caméra D’Or“. Der öffentliche Protest namhafter Filmemacherinnen in den vergangenen Jahren hat also wenigstens in den öffentlich kaum beachteten Neben­sektionen des Festivals zu behutsamen kosmetischen Korrekturen geführt.

Traditionell großgeschrieben wird auch in diesem Jahr die ruhmreiche Geschichte des Festivals. Unter dem Schlagwort „Cannes Classic­s“ kehren unter anderem Alfred Hitchcocks „Vertigo“, René Cléments „Plein Soleil“ („Nur die Sonne war Zeuge“) und Joseph L. Mankiewicz’ „Cleopatr­a“ auf die große Leinwand zurück.