Parlamentswahl in Pakistan

Blutiger Urnengang: 17 Tote bei Anschlägen und Gefechten

Unter schärfsten Sicherheitsvorkehrungen wurde am Samstag in Pakistan gewählt. Doch wie bereits der Wahlkampf war auch der Tag der Abstimmung von schweren Gewalttaten begleitet.

Karachi – Begleitet von Bombenanschlägen und Schießereien haben die Pakistaner ein neues Parlament gewählt. Mindestens 17 Menschen wurden am Samstag bei Gewalttaten getötet. Umfragen zufolge dürfte die Partei des ehemaligen Ministerpräsidenten Nawaz Sharif die meisten Stimmen erringen. Sharif strebt 14 Jahre nach seinem Sturz wieder an die Macht. In der Schlussphase des Wahlkampfs holte aber die Partei des früheren Cricket-Stars Imran Khan kräftig auf und lag knapp hinter Sharif.

Der regierenden Volkspartei sagten die Umfragen eine schwere Niederlage voraus. Zum ersten Mal seit der Unabhängigkeit 1947 übergibt eine zivile Regierung die Regierungsgewalt an andere Zivilisten. Pakistan wurde über Jahrzehnte vom Militär regiert.

Pakistan wies Büroleiter der „New York Times“ aus

Am Tag der Wahl hat die pakistanische Regierung die Ausweisung des Büroleiters der „New York Times“ verfügt. Declan Walsh sei das Visum wegen „unerwünschter Tätigkeiten“ aberkannt worden, berichtete die „New York Times“ unter Berufung auf eine Anordnung des Innenministeriums. Der 39-Jährige müsse Pakistan bis zum Ende des Wahltags am Samstag verlassen.

Die „New York Times“ nannte den Vorwurf „vage und nicht durch Fakten gestützt“. Die Zeitung appellierte an das Ministerium, die Anweisung zurückzunehmen.

Anschläge während der Wahl

Wie bereits der Wahlkampf war auch der Tag der Abstimmung von schweren Gewalttaten begleitet. In der Handelsmetropole Karachi wurden Medienberichten zufolge elf Menschen getötet und rund 40 verletzt. Ziel des Anschlags sei das Büro der regierenden Koalitionspartei ANP gewesen, berichteten mehrere Fernsehsender. In der Provinz Beluchistan starben bei Feuergefechten vier Menschen.

Vor einem Wahllokal eröffneten Bewaffnete auf einem Motorrad das Feuer und töteten zwei Menschen. Bei einer Explosion in Peshawar gab es Verletzte. Insgesamt wurden in den vergangenen Wochen 120 Menschen getötet. Für die Anschläge wird die mit der Al-Kaida verbündeten pakistanischen Taliban verantwortlich gemacht. Sie lehnen die Wahl als unislamisch ab.

Wahl um eine Stunde verlängert

Rund 86 Millionen Menschen waren aufgerufen, ihre Stimme abzugeben. Die Wahllokale bleiben eine Stunde länger als geplant geöffnet. Die Wahlkommission in Islamabad teilte mit, sie habe die Öffnungszeit bis 18 Uhr (Ortszeit/15 MESZ) verlängert. Gründe nannte sie nicht . Die Wahlkommission rechnete am Nachmittag mit einer hohen Wahlbeteiligung von mehr als 60 Prozent. Bei der Parlamentswahl 2008 lag die Wahlbeteiligung bei 43,7 Prozent.

Direkt gewählt werden 272 Abgeordnete. Weitere 70 Sitze sind für Frauen und Angehörige nicht-muslimischer Minderheiten reserviert. Diese werden auf Basis der in den Wahlkreisen erzielten Ergebnisse verteilt.

Ein knapper Wahlausgang und damit wohl verbundene langwierige Koalitionsverhandlungen dürften Reformen in dem wirtschaftlich angeschlagenen Land weiter verzögern. Weit verbreitete Korruption, eine marode Industrie und wiederholte Stromausfälle sind nur einige der Probleme, die die neue Regierung angehen muss. Auch der Kampf gegen Islamisten stellt eine große Herausforderung dar. Sharif war in den 90er Jahren zweimal Regierungschef. Er wurde vom Militär gestürzt, inhaftiert und musste schließlich das Land verlassen.

Von der Terrorkampagne der Taliban gegen die historische Wahl haben sich die Menschen nach Angaben des EU-Chefwahlbeobachters kaum einschüchtern lassen. „Es gibt einen starken Andrang, die Beteiligung ist nach unserem Eindruck höher als beim letzten Mal“, sagte der CDU-Europaabgeordnete Michael Gahler am Samstag aus Islamabad der Nachrichtenagentur AFP. „Die Drohungen der Extremisten scheinen in Islamabad keine Wirkung zu entfalten.“ (APA/AFP)