RTL-Castingshow

„DSDS“-Finale: Schlager, Pop und ein Kehlkopf

RTL kürt den zehnten „Superstar“. Erstmals seit 2004 sind zwei Frauen ins Finale gekommen - und trotzdem tritt vielleicht ein Mann an. Doch der Rummel kurz vor dem Showdown kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass „DSDS“ eine Generalüberholung braucht.

Von Teresa Dapp, dpa

Köln, Berlin – Das Finale einer Casting-Show muss immer eine Geschichte erzählen. Bei der RTL-Sendung „Deutschland sucht den Superstar“ hießen solche Geschichten in den vergangenen Staffeln etwa wie folgt: Gangster gegen Romantiker, Freund gegen Freundin, Pumuckl gegen Mädchenschwarm. Diesmal schickt der Kölner Privatsender Schlager gegen Pop in den Ring, in Gestalt der Schweizer Sängerin Beatrice Egli (24) und Friseur-Azubi Lisa Wohlgemuth (21) aus dem Erzgebirge – wenn letztere überhaupt antreten kann. Kurz vor der geplanten Entscheidung am Samstag (20.15 Uhr) berichtet RTL von einer Kehlkopfentzündung der jungen Frau aus dem Erzgebirge - Sprechverbot inklusive.

Nach neun Jahren wieder ein Finale der Frauen

Erstmals seit 2004 haben es wieder zwei Frauen ins Finale geschafft. Jetzt könnte doch noch ein Mann in der letzten Runde um den Titel mitsingen: Laut Regelwerk rückt der Drittplatzierte nach, wenn ein Finalist ausfällt, heißt es bei RTL. Das wäre Ricardo Bielecki aus Bochum. Der 20-Jährige hatte ursprünglich als Favorit gegolten, hatte sich am vergangenen Wochenende aber nicht gegen seine beiden Konkurrentinnen durchsetzen können. Was er im Fall des Falles singen würde, gab RTL zunächst nicht bekannt.

Für die beiden planmäßigen Finalistinnen hat Dieter Bohlen die Lieder geschrieben. Sie lassen Gefühlvolles vermuten: Wohlgemuth soll eine Ballade namens „Heartbreaker“ vortragen, Schlager-Prinzessin Egli den deutschsprachigen Titel „Mein Herz“.

Die Debatte um deutsches Liedgut haben die „DSDS“-Macher in den vergangenen Wochen nach Kräften befeuert: Andrea Berg (47), deren letztes Album „Schwerelos“ Bohlen produziert hat, durfte als Gastjurorin Lob und Kritik verteilen. Heino (74) war da und forderte Bohlen auf, ihm einen Hit zu schreiben. Und Beatrice Egli traf ihr Idol Helene Fischer (28).

Mehr Schlager geht kaum. Selbstverständlich fühlten einige der jungen Sänger sich plötzlich geradezu erleuchtet („weil man die Texte viel besser versteht“). Selbstverständlich sagte Eglis Kontrahentin Wohlgemuth dazu Dinge wie: „Es ist überhaupt nicht meine Musikrichtung. Null, nada, niente.“

Unterhaltungschef will Rundumerneuerung von DSDS

Gegen die Casting-Quotenkrise hat‘s freilich nur bedingt geholfen. „Popstars“ und „X Factor“ hat es schon erwischt, zuletzt machten Gerüchte die Runde, auch „DSDS“ könne vor dem Aus stehen. Die Zuschauerzahl lag beim Halbfinale unter vier Millionen, in der werberelevanten Zielgruppe der 14- bis 59-Jährigen lag der Marktanteil bei 18,2 Prozent. Von einem Ende der Show will man bei RTL zwar nichts hören, aber Unterhaltungschef Tom Sänger möchte immerhin „am großen Rad“ drehen und wirklich etwas ändern - Details gab es bislang keine dazu.

Könnte bei der Rundumerneuerung Casting-König Dieter Bohlen (59) unter die Räder kommen? Produzentin Ute Biernat räumte kürzlich ein, 32 Bohlen-Samstage im Jahr könnten ein bisschen viel sein - denn in „Das Supertalent“ gibt Bohlen ja ebenfalls den Jurychef auf RTL. Der „Pop-Titan“ selbst gibt dem starren Regel-Korsett die Schuld und nennt die Show „mein Baby“. Das Baby ist jetzt zehn Jahre alt, da beginnen die Papas schon mal zu nerven mit ihren Sprüchen.

Finalistinnen sind keine Ausnahmetalente

Für die zehnte „DSDS“-Staffel hatten sich 32.078 junge Menschen beworben, rund 3300 weniger als im Jahr zuvor. Längst läuft die Bewerbungsrunde für die elfte Staffel. Am Samstagabend wird wohl nicht der letzte „Superstar“ gekürt. Musikalisch sind die beiden Finalistinnen keine Ausnahmetalente. Eher als die Stimmen bleiben Eglis Dauerlächeln und Wohlgemuths Sächseln im Gedächtnis - oder ihr kranker Kehlkopf.

Immerhin: Läuft doch noch alles nach Plan, hat eine von beiden den Titel „Zweite „DSDS“-Gewinnerin“ sicher. Die erste war 2004 Elli Erl (33). Sie unterrichtet jetzt Realschüler in Düsseldorf. (dpa, TT.com)