Afrika als neuer Wirtschaftsmotor
Die Wirtschaftskraft Afrikas ist im Vorjahr um fünf Prozent kräftig gewachsen, doch die Staaten haben noch viele Hindernisse zu bewältigen.
Kapstadt –Der Optimismus ist groß. In Kapstadt sind auf dem Weltwirtschaftsforum Afrika zahlreiche Staats- und Regierungschefs, Topmanager und Ökonomen zusammengekommen. Sie grübeln darüber, wie der Kontinent seine Wirtschaftskraft stärken und optimieren könnte, „Made in Africa“ soll zu einer globalen Marke werden.
Die Vorzeichen stehen gut: Laut dem jüngsten Bericht des Internationalen Währungsfonds (IWF) könnte Afrika schon bald Indien und sogar China als Lokomotive des Weltwirtschaftswachstums ablösen, heißt es. Bereits seit mehr als zehn Jahren liegen die Wachstumsraten der Volkswirtschaften auf dem afrikanischen Kontinent weit über dem weltweiten Durchschnitt. Und der Konjunkturmotor soll weiterhin wie geschmiert laufen und in den kommenden zwei Jahren um mehr als sechs Prozent zulegen.
Trotz des Booms gehören aber viele Länder Afrikas zu den ärmsten der Welt. Fast jeder zweite Afrikaner muss laut Weltbank-Erhebung noch immer mit weniger als einem Euro pro Tag auskommen.
Lange galt Afrika als „verlorener Kontinent“ auf der Ökonomie-Weltkarte. Dennoch, es sind die Boomländer wie Nigeria, Mosambik, Äthiopien, Ghana und Ruanda, die davon träumen, ähnlich wie einst die asiatischen Tigerstaaten nun selbst als „Löwenstaaten“ zum großen Entwicklungssprung anzusetzen. Als Indikator dafür gilt die stetige Zunahme der Direktinvestitionen in Afrika, die 2012 bereits 38 Mrd. Dollar (28,9 Mrd. Euro) ausgemacht haben und bis 2015 um mindestens 50 Prozent steigen werden.
Ungeachtet des Optimismus, der auf dem Wirtschaftsforum versprüht wird, haben die afrikanischen Volkswirtschaften aber noch einige Hürden zu überwinden, bevor sie auf dem Weltmarkt vorne mitspielen können. Laut einer Studie des African Progress Panel (APP) unter der Leitung des früheren UNO-Generalsekretärs Kofi Annan müssen die 38 führenden Staaten den regionalen Handel, der nur zwölf Prozent des Handelsvolumens ausmacht, intensivieren. Priorität habe aber die Reduzierung der Abhängigkeit von der internationalen Rohstoff-Ausbeutung. Der Kontinent ist reich an Bodenschätzen und exportiert einen großen Anteil seiner Rohstoffe wie Gold, Titan, Uran, Kakao oder seltene Erden in alle Welt. Doch die Tendenzen des Preisverfalls drohen den Aufschwung zu bremsen. Es sei „gewissenlos“, dass sich manche Unternehmen auf unmoralische Weise bereichern, kritisiert Annan. Afrikas Staaten brauchten Strategien gegenüber ausländischen Investoren, um ihnen Bedingungen im Interesse der Bevölkerung stellen zu können, fordert er. Zudem fordert Annan von großen Konzernen mehr Transparenz bei Geschäften mit afrikanischen Rohstoff-Fördergesellschaften, es müsse auch stärker gegen Geldwäsche, Korruption und Steuerflucht vorgegangen werden, so das APP in dem jüngsten Fortschrittsbericht.
Aufzuholen gibt es genug: Grobe Mängel in der Infrastruktur und im Bildungswesen hemmen die Blüte Afrikas, auch die Landwirtschaft liegt in großen Teilen des Kontinents darnieder. Und NGOs kritisieren, dass der Wirtschaftsboom auf dem Rücken von billiger Kinderarbeit möglich geworden ist. (TT, dpa)
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