Aus 14 Tagen wurden eineinhalb endlose Jahre

Manuel Schmid war acht Jahre lang Profi in Österreichs höchsten Spielklassen, bis ihn ein Keim im Knie völlig aus der Bahn warf.

Von Adrian Stöckl

Innsbruck –In der Nacht auf Donnerstag erblickte der kleine Kilian Schmid das Licht der Welt. Während sich der zweite Sohn des Kitzbühel-Stürmers um eine Woche verspätete, ist Schmid selbst immer pünktlich zur Stelle. Vor allem wenn es ums Toreschießen geht. Beflügelt von der Geburt des kleinen Kilian traf der Ex-Kapfenberger auch beim 6:0 gegen Kolsass dreimal ins Schwarze. Insgesamt traf der langjährige Profi in acht Frühjahrsspielen bereits zehnmal.

Aber so gut lief es nicht immer für den 31-Jährigen: Bei seiner letzten Profistation, dem SV Kapfenberg, sollte er sich 2011 einer scheinbar ungefährlichen Knie-OP unterziehen. „14 Tage Pause, hieß es von Seiten der Ärzte“, erzählt der langjährige Wacker-Profi. Geworden sind daraus eineinhalb schier endlose Jahre, in denen Schmid gleich fünfmal operiert wurde. „Bei so vielen Versuchen verzweifelt man langsam. Das Grausamste ist, dass der Arzt dir nach jeder OP sagt, es geht, du aber immer zurückgeworfen wirst.“ Erst nach der Rückkehr nach Tirol konnte ihm endlich geholfen werden.

Auch durch die eineinhalbjährige Leidenszeit ließ sich Schmid aber den Spaß am Fußball nicht nehmen. Frei nach dem Motto: eine Leidenschaft, die Leiden schafft. Weil eine so lange Pause auch an einem Profi nicht spurlos vorbeigeht, musste sich der gelernte Tischler neu aufstellen und erst einmal kleinere Brötchen backen. „Ich wollte wieder gut trainieren und fit werden, also fragte ich den Silbi (Thomas Silberberger, Anm.), ob ich bei den Kufsteinern mittrainieren kann.“

Dort hätte der Ex-Alt­acher auch einen Vertrag unterschreiben können. Weil Schmid aber das Werben seines Heimatvereins dermaßen imponierte, entschied er sich für den FC Kitzbühel und die Tiroler Liga. „Der Klub wollte mich unbedingt haben.“

Endlich wieder fit, gab Schmid in den ersten zwölf Spielen sechsmal seine Visitenkarte ab. Endgültig ging der Knopf dann im Frühjahr auf: Der Kapitän ist einer der Gründe, warum der Höhenflug des im letzten Jahr noch abstiegsbedrohten FC Kitzbühel einfach kein Ende nehmen will. „Keiner kann ein Spiel alleine gewinnen. Platz vier verdanken wir unserem sehr guten Kollektiv“, übt sich Schmid in Bescheidenheit.

„Hoffentlich geht der nicht weg“, mag sich da der ein oder andere Kitzbühel-Fan auf der Tribüne denken. „Ich fühle mich hier sehr wohl und bin stolz, Kapitän zu sein, käme ein gutes Angebot aus höheren Sphären, wäre ich aber nicht ganz abgeneigt.“