Ausgrabungen bremsen Wohnbau

Am Gradl-Areal in Wörgl wurden historisch wertvolle Funde gemacht.

Wörgl – Als ergiebig aus wissenschaftlicher Sicht erwiesen sich die archäologischen Sondierungsgrabungen am Gradl-Areal in Wörgl. Die gefundenen Reste einer römischen Kulturschicht sowie bisher unbekannte mittel­alterliche Gebäudeteile veranlassten das Bundesdenkmalamt dazu, weitere Ausgrabungen anzuordnen. Die Wohnbaugenossenschaft Frieden rechnet deshalb mit einer Bauverzögerung von rund einem halben Jahr.

Maria Bader, Tamara Senfter und Irene Knoche vom Wörgler Unternehmen Talpa führten die archäologische Sondierung durch und entdeckten dabei neben Keramikfunden aus der Römerzeit im Gradl-Anger auf dem Gradl-Parkplatz Gebäude­reste aus dem 13. sowie aus dem 16./17. Jahrhundert. „Von der mittelalterlichen Bebauung ist bisher nichts bekannt, sie scheint in keinen Aufzeichnungen auf“, erklärt Maria Bader. „Das ältere Gebäude dürfte aus Holz bestanden haben und abgebrannt sein. Darauf deuten Verziegelungen im Lehm und verkohlte Holzreste sowie Pfostenlöcher hin.“ Außer Mauerwerk legten die Archäologinnen Keramik-, Glas- und Siedlungsabfall-Reste frei.

Die bisherigen Grabungen erfolgten nur in Form von Geländeschnitten, jetzt soll großflächig freigelegt und der historische Bestand aufgenommen werden. „Die bisherigen Funde deuten darauf hin, dass das Areal absolut untersuchenswert ist“, teilt Johannes Pöll vom Bundesdenkmalamt in Innsbruck mit. Die römische Kulturschicht und das mittelalterlich­e Gebäude sollen vollständig ausgegraben werden. Die Gespräche mit dem Wohnbauträger laufen, was den Zeitraum und die Finanzierung betrifft. Mitte Mai sollen diesbezüglich Entscheidungen fallen.

Die Notwendigkeit der Ausgrabungen sieht man bei der Baugenossenschaft „Frieden“ ein. Das Bundesdenkmalamt hatte vor Beginn der Wohnbautätigkeit auf das archäologische Funderwartungs­gebiet aufmerksam gemacht. Das Ausmaß war da nicht abzusehen, der Baubeginn war ursprünglich für Ende April 2013 vorgesehen.

„Uns tut das schon ein bissl weh, auch finanzierungstechnisch, da das nun eine Bauverzögerung von mindestens einem halben Jahr bedeutet und Baufirmen wie Wohnungsmieter auf den Bau warten“, erklärt Direktor Dietmar Härting von der Frieden Baugenossenschaft. (vsg)