Klausner Group

Tiroler Holzriese klagte Deutsche auf 120 Millionen Euro

Klausner Group fordert von Nordrhein-Westfalen Schadenersatz und besteht indirekt auch auf so gut wie sämtliches Fichtenholz. Dahingehend wurde beim Landgericht Münster eine einstweilige Verfügung eingelegt, um ein exklusives Abnahmerecht zu erwirken.

Wien/Oberndorf/Münster - Der Tiroler Holzriese Klausner Group sorgt für ordentlich Zores im deutschen Bundesland Nordrhein-Westfalen (NRW). Klausner fordert von dem deutschen Bundesland Schadenersatz in Höhe von rund 120 Mio. Euro und besteht indirekt auch auf so gut wie sämtliches Fichtenholz aus NRW. Dahingehend wurde beim Landgericht Münster eine einstweilige Verfügung eingelegt, um ein exklusives Abnahmerecht zu erwirken, berichten deutsche Medien. Der APA wollte der Tiroler Sägekonzern am Dienstag nichts zum Rechtsstreit sagen, nun sei „ohnehin einmal ein halbes Jahr zuzuwarten“, hieß es knapp. In diesen nun laufenden sechs Monaten liefert NRW dem österreichischen Konzern 195.000 Festmeter günstiges Fichtenrundholz - womit Klausner aber nur ein kurzfristiges Ziel erreicht sieht.

„Es geht nicht um Ausplünderung“

Zur Vorgeschichte: Das bevölkerungsreichste deutsche Bundesland NRW, respektive dessen damals schwarz-gelbe Landesregierung, hatte sich anno 2007 nach dem Jahrhundertsturm Kyrill gegenüber der Klausner Gruppe verpflichtet, dem Konzern bis 2014 jährlich eine halbe Million Festmeter frische Fichte liefern, „zu moderaten Preisen“, wie es in Deutschland heißt. Eine viel zu große Menge, findet das NRW-Umweltministerium inzwischen; so viel Holz ist in den Staatswäldern auch gar nicht vorhanden bzw. zu ernten, berichten Zeitungen.

„Dem Land steht die Möglichkeit offen, Holz am internationalen Markt zu erwerben und an uns zu den vertraglich vereinbarten Konditionen zu liefern“, zitierte der „Kölner Stadtanzeiger“ Klausner-Chef Friedrich Klausner kürzlich. Selbiges verlautet der Konzern in seiner jüngsten Stellungnahme, zu finden auf seiner Homepage. Es gehe „keinesfalls um einen Ausplünderung der NRW-Wälder“, heißt es in der Mitteilung weiter. „Dies wollen auch wir nicht, da wir uns der Nachhaltigkeit verpflichtet sehen.“

Allerdings ist der NRW-Deal für Klausner ein Bombengeschäft: Der Festmeter Fichtenstammholz kostet derzeit 95,50 Euro. Das sind 10 bis 20 Euro mehr als Klausner für den Festmeter an NRW zahlen muss, denn Klausner hatte 2007 einen „marktunüblichen Festpreis“ zwischen 75 und 85 Euro pro Festmeter Fichtenstammholz vereinbart, zitiert eine deutsche Zeitung Fachleute.

Vereinbarung in den kommenden Monaten

In den kommenden sechs Monaten soll nun eine abschließende Vereinbarung über künftige Liefermengen gefunden werden. Immerhin hat man sich in einem zehnstündigen Verhandlungsmarathon kürzlich darauf geeinigt, dass nun ein halbes Jahr lang 195.000 Festmeter Fichtenstammholz aus den NRW-Staatswäldern an Klausner geliefert wird, der auch zwei Standorte in Ostdeutschland betreibt. Das Land „darf“ auch andere Kunden beliefern. Die Schadenersatzforderung von 120 Mio. Euro sind von dieser Einigung allerdings unberührt. Entschieden werde darüber erst 2014, heißt es in Deutschland.

Im nordrhein-westfälischen Landtag wurde die Firma Klausner von Grünen als „Heuschrecke“ beschimpft. In seiner Stellungnahme bezeichnet es Klausner-Konzern als „bemerkenswert, dass sich das Land NRW nun hinter eilig konstruierten Rechtsbedenken bezüglich der EU-Gesetzgebung versteckt. Diese hilflose Argumentation würde bedeuten, dass die Verträge, die nach Kyrill mit unserem Unternehmen und einer Vielzahl anderer Sägebetriebe geschlossen wurden, von leitenden Beamten des Landes in dem Wissen geschlossen wurden, Rechtsbruch zu begehen - ein bemerkenswertes Verhalten eines Bundeslandes.“

„Es geht um die Einhaltung von Verträgen“

In der Stellungnahme heißt es weiter: „Unser Unternehmen wird sich weiter gegen die ihm zugefügten Nachteile wehren. Nach wie vor bleibt Klausner für konstruktive Gespräche offen.“ Es gehe um die Einhaltung von Verträgen und „den Ausgleich des durch das Land NRW erlittenen Schadens“. Auch wolle man keine Benachteiligung des Wettbewerbs oder die „Veränderung der Strukturen im Markt“.

Mit der Lieferung der 195.000 Festmeter sei „unser kurzfristiges Ziel erreicht“ worden. „Das Ziel, vom Land NRW vollständigen Ausgleich für die uns zugefügten wirtschaftlichen Nachteile zu erhalten und die Vertragserfüllung zu erreichen, ist dadurch nicht berührt.“ Klausner wurde 1918 in St. Johann in Tirol gegründet, hat seinen Sitz in Oberndorf im Bezirk Kitzbühel. (APA)