BTV-Chef fordert Verkleinerung von Großbanken
BTV-Vorstandssprecher Peter Gaugg fordert, dass die Bürgschaft der Steuerzahler für Banken ein Ende haben muss.
Herr Gaugg, Sie sprechen von einer neuen Normalität, in der wir leben. Sie beginnt bei der Arbeit, geht über die Familie bis hin zum Umgang mit Freunden via Facebook. Wie äußert sich diese neue Normalität im Bankgeschäft?
Peter Gaugg: Als ich vor Jahrzehnten das Bankgeschäft gelernt habe, bin ich erschrocken, wenn das Wort Risiko gefallen ist. Denn ich wusste, es sind nicht hohe Personalkosten oder hoher Betriebsaufwand, die eine Bank zu Fall bringen können, sondern das Risiko auf der Kreditseite. Heute hingegen sehen Banker eher Chancen im Risiko – wenn sie die Märkte richtig einschätzen, verdienen sie für ihre Kunden Geld.
Das hat sich trotz der Pleite von Lehman nicht geändert?
Gaugg: Nein, das Gegenteil ist passiert. Geld ist so billig geworden wie noch nie und es war noch nie so viel Geld im Umlauf.
Ist das die neue Normalität?
Gaugg: In diesem Punkt kann sie es nicht sein. Wir versuchen uns in Sicherheit zu wiegen. In Wirklichkeit haben wir nur eine Beruhigungstablette von der Europäischen Zentralbank bekommen.
In Form von Rettungsschirmen und niedrigen Zinsen ...
Gaugg: Früher hat ein Häuslbauer eine Bürgschaft bei der Bank abgegeben, damit er Geld bekam. Heute ist es umgekehrt: Die Bürger geben eine Bürgschaft ab, damit eine Bank nicht pleitegeht. Und das mit Steuergeldern. Das kann doch nicht sein, dass der Steuerzahler auf Dauer die Bürgschaft für Banken übernimmt. Die Banken müssen sich im Falle einer Insolvenz selbst retten. Zudem müssen Großbanken verkleinert und überschaubar organisiert werden.
Haben Banken nicht lieber Dividenden an ihre Aktionäre ausgeschüttet, statt ausreichend Kapital zu bilden?
Gaugg: Die Frage ist, ob es der Aktionär war, der Druck ausgeübt hat. In der Regel sind Banken oder so große Einheiten wie Staaten von der Gier der Manager getrieben. Sie wollen zu viel und gehen Risiken ein, die man nicht wirklich abschätzen kann. Es ist eine Kombination aus Politik und den großen Banken. Die BTV hat nie spekuliert, wir erwirtschaften derzeit bessere Ergebnisse als vor der Krise. Dass Banken nicht pleitegehen können, war aus meiner Sicht der größte volkswirtschaftliche Fehler, der gemacht wurde. Stattdessen hat man ins volkswirtschaftliche System eingegriffen, daher dauert die Erholung länger.
Die Staaten müssen ihre Verschuldung abbauen. Ist das realistisch?
Gaugg: Mit Ausnahme der Schweiz hat kein Staat in Europa je Schulden getilgt. Und ich gehe davon aus, dass auch in den kommenden 10 bis 15 Jahren kein Land außer der Schweiz Schulden tilgen wird. Wenn es Österreich gelingt, den Schuldenstand im Verhältnis zum Bruttosozialprodukt dort einzufrieren, wo er derzeit liegt, dann ist das ein Erfolg.
Werden die Staaten sich anders entschulden?
Gaugg: Ja, mit Hilfe des billigen Geldes, das in den nächsten Jahren Normalität sein wird. Die wirkliche Tilgung wird nur durch Inflation stattfinden. Sie wird höher sein als die Zinsen auf dem Sparbuch. Der Sparer wird für sein Geld praktisch nichts mehr bekommen.
Welche Auswirkung wird die Quasi-Abschaffung des Bankgeheimnisses für Ausländer in Tirol haben?
Gaugg: In Tirol liegen mehr als 10 Milliarden Euro von ausländischen Kunden. Diese Gelder wurden von Menschen nach Tirol gebracht, die das Land lieben, hier Urlaub machen und den heimischen Banken vertrauen. Es sind nicht alle reichen Menschen Steuerflüchtlinge. Tirol wird die Abschaffung des Bankgeheimnisses spüren. Tiroler Banken werden einige Milliarden an Liquidität zusätzlich einkaufen müssen. In irgendeiner Form muss dieser Aufwand weiterverrechnet werden.