Stagnation

Heimische Wirtschaft kommt nicht vom Fleck

Österreichs Wirtschaft steckt bereits seit einem Jahr in der Stagnation und ist Anfang 2013 nur knapp einer Rezession entgangen.

Wien - Auch im ersten Quartal blieb das heimische Bruttoinlandsprodukt (BIP) praktisch unverändert - bereits zum vierten Mal in Folge -, das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) sprach am Mittwoch von einem Nullwachstum im Quartalsabstand.

Zuletzt hatte es im 1. Quartal 2012 ein nennenswertes reales Quartalswachstum in Höhe von 0,5 Prozent gegeben, danach bewegte sich das BIP jeweils zwischen +0,1 im 2. Quartal und -0,1 Prozent im 4. Quartal, also um die Nulllinie.

Konsum stagnierte erneut

Im Jahresabstand schrumpfte das heimische BIP jetzt im 1. Quartal sogar um 0,6 Prozent real, nach noch 0,7 Prozent Zuwachs im 4. Quartal 2012. Weder die Inlandsnachfrage noch die Außenwirtschaft lieferten zuletzt nennenswerte Impulse für Österreichs Wirtschaft, erklärte das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) am Mittwoch zum Nullwachstum des heimischen Bruttoinlandsprodukts (BIP) im 1. Vierteljahr gegenüber dem Vorquartal. Die Nachfrage der privaten Haushalte sei weiter schwach gewesen, ebenso die Investitionstätigkeit der Firmen.

Der Konsum der privaten Haushalte habe von Jänner bis März erneut stagniert, der öffentliche Konsum habe sich dagegen gegenüber der Vorperiode um 0,5 Prozent erhöht. Für die gesamten Konsumausgaben resultiert damit laut Wifo eine leichte Zunahme um 0,1 Prozent im Quartalsabstand.

Bei den betrieblichen Investitionen stellte das Wifo auch im ersten Quartal eine Zurückhaltung fest. Die Nachfrage nach Anlageinvestitionen ging demnach real um 0,5 Prozent zurück. Dabei stand ein leichter Anstieg der Ausrüstungsinvestitionen einem Rückgang der Bauinvestitionen gegenüber. Die Bauinvestitionen wurden im Nichtwohnbau stärker eingeschränkt als im Wohnbau, und die Nachfrage nach Ausrüstungen konzentrierte sich auf die Anschaffung von Fahrzeugen, während Maschinen- und Geräteinvestitionen abermals sanken.

Schwache internationale Konjunktur

Die Exporte entwickelten sich im 1. Quartal laut Wifo mit +0,3 Prozent ähnlich verhalten wie in den Vorperioden. Nach einem starken Rückgang im 4. Quartal hielten die Warenexporte aber das Niveau der Vorperiode. Da die Import-Nachfrage mit +0,3 Prozent ebenso mäßig zunahm wie die Auslandsnachfrage, lieferte der Außenbeitrag keine Wachstumsimpulse für die heimische Produktion.

Das schwache internationale Konjunkturumfeld dämpfte weiterhin die Warenproduktion, obwohl laut Wifo nicht mehr so stark wie im Herbst und Winter 2012. Die Bauproduktion sank gegenüber dem Vorquartal witterungsbedingt leicht (real -0,2 Prozent). Im Dienstleistungssektor schrumpfte die Wirtschaftsleistung vor allem im Bereich Verkehr. Der Tourismus profitierte vom frühen Ostertermin im März, und auch in den anderen Sektoren konnte die reale Wertschöpfung ebenfalls leicht gesteigert werden, so das Wifo zur Erläuterung seiner BIP-Schnellschätzung.

Für 10. Juni plant das Wifo ein Update seiner BIP-Schätzung zum 1. Quartal, und am 27. Juni steht die nächste vierteljährliche Konjunkturprognose von Wifo und Institut für Höhere Studien (IHS) an. Zuletzt wurde von den Instituten bei der Frühjahrsprognose im März für heuer ein Realwachstum von 1,0 Prozent (Wifo) bzw. 0,8 Prozent (IHS) vorhergesagt, nach 0,8 Prozent Anstieg im Gesamtjahr 2012.

Langsame Erholung?

Österreichs Wirtschaft wird sich in den Folgequartalen - trotz der Stagnation seit einem Jahr - wieder langsam erholen und auch wieder auf einen Wachstumskurs kommen, sagte Wifo-Expertin Sandra Bilek-Steindl am Mittwoch zur APA. Wie rasch und in welchem Ausmaß dies möglich sei, hänge sehr stark vom internationalen Umfeld ab.

Dieses Umfeld war aber im 1. Quartal nicht allzu rosig, wie die bisher bekannten BIP-Zahlen belegen. Das Wachstum von Österreichs Haupthandelspartner Deutschland sei im ersten Vierteljahr mit 0,1 Prozent gegenüber dem Vorquartal sehr niedrig und schwächer als erwartet ausgefallen, meinte Bilek-Steindl, nachdem das BIP-Minus dort im 4. Quartal mit 0,7 Prozent sogar noch massiver war als zunächst gedacht. Deutschland werde sich aber bald erholen, im Laufe der nächsten Quartale.

Auch von anderen großen Euro-Staaten kämen sehr wenig für Österreich günstige Einflüsse, stellte die Expertin unter Verweis etwa auf den zweitwichtigsten Handelspartner Italien fest, bei dem es momentan „etwas schlechter“ aussehe. Dort sackte das Bruttoinlandsprodukt von Jänner bis März gegenüber dem Vorquartal nämlich um 0,5 Prozent ab, ebenfalls deutlicher als erwartet. Italiens Wirtschaft ist damit bereits das siebente Vierteljahr hintereinander geschrumpft.

Auch in Frankreich war der Jahresbeginn gedämpfter als prognostiziert: Das BIP der zweitgrößten Volkswirtschaft der Eurozone schrumpfte um 0,2 Prozent, nach - revidiert - ebenfalls 0,2 Prozent Rückgang schon im 4. Quartal. Damit ist Frankreich nun in die Rezession gerutscht. Insgesamt sei das wirtschaftliche Umfeld für Österreich also „etwas schwierig“, resümierte die Wifo-Expertin. (APA)