Lieber Garten als Dachterrasse
Modern am Land leben wollte ein Paar in Oberperfuss und ließ ein Haus aus den 70er-Jahren entstauben.
Von Vanessa Grill
Oberperfuss –„Mir ist der Garten lieber als die Dachterrasse in der Stadt“, unterstreicht der Kärntner Markus Müller seine Liebe zum Landleben. Seine große Liebe war es dann, die ihn nach Oberperfuss führte. Als seine Freundin Barbara Mair ihr Elternhaus erbte, stand für beide fest: „Das wird das gemeinsame Heim.“ Entstaubt musste es allerdings werden, dafür zog das Paar Architekt Patrick Weber zu Rate. „Das Haus aus den 70er-Jahren sollte umgebaut und generalsaniert werden. Außerdem war eine Einliegerwohnung mit überdachter Terrasse für die Mutter der Bauherrin einzuplanen“, erklärt der Architekt. Die Grundmauern blieben stehen, das Giebeldach hingegen musste weichen. An dessen Stelle wurde mit einem Holzriegelbau aufgestockt und so ein vollwertig benutzbares Geschoß dazugewonnen.
Das Gebäude befindet sich in Hanglage. Durch die Vorgaben des Bestandes und den Wünschen der Bauherren entschied sich Weber für eine Lösung mit mehreren Baukörpern und verschiedenen Höhen und Ausrichtungen. Nordseitig ermöglichte die Hanglage auf Kellerniveau eine Garage einzubauen. Die Einliegerwohnung für die Mutter der Bauherrin wurde auf der Garage errichtet. Ihr Eingangsbereich befindet sich nun da, wo früher die Garageneinfahrt war. Zusätzlich zum Neubau wurden noch zwei Räume aus dem Altbestand in die Wohnung der Mutter miteinbezogen. So entstand im Nordosten eine 70-Quadratmeter-Wohnung. Äußerlich hebt sich dieser Teil durch seinen braungrauen Anstrich ab. Das Erdgeschoß des Hauptgebäudes hat eine hellgraue, das Obergeschoß eine dunkelgraue Fassade.
Man betritt das Haus im Westen. Gerne hätte die Bauherrin den Stiegenaufgang in den Wohnbereich verlagert, das hätte allerdings den finanziellen Rahmen gesprengt. Also ist der Hausgang unverändert geblieben. Küche und Esszimmer waren einst separat. Daraus entstand nun ein großer offener Wohnbereich. Die alte Holzverschalung wurde entfernt und der Raum nach Süden mit einer Tür zum Garten geöffnet. Anstelle des alten offenen Kamins kam nun ein gemauerter Ofen, statt der Eckbank eine Sitzcouch. „Wenn wir Gäste haben, wird hier der Aperitif eingenommen. Die andere Couch in der Mitte des Raumes wird zum gemütlichen Fernsehen genutzt“, erläutert Barbara Mair und fügt schmunzelnd hinzu, „Playstation wird hier aber nicht gespielt, dafür muss Markus schon in das Zimmer im Mezzanin wechseln.“ Dieser Raum, der von der Hausherrin zum Bügeln genutzt wird, ist noch mit alten Möbeln ausgestattet.
Moderner wird es da im neuen Obergeschoß. Nur der große Vorraum erinnert noch an den Wohnstil der 70er. Auf Wunsch der Bauherrin fiel das Schlafzimmer etwas kleiner als zunächst geplant aus. „Ich wollte ein großes Badezimmer. Das ist der wichtigste Raum für mich“, erklärt sie. Die entstandene „Wellnessoase“ verfügt über eine Wanne mit Whirlfunktion, eine Infrarotkabine und eine Duschkabine, die gleich fünf Personen Platz bieten würde.
Im Obergeschoß befinden sich auch noch zwei Kinderzimmer mit Zugang zum neugestalteten Balkon. Von dort überblickt man den großen Garten. „Wir haben drei Katzen, einen Hund und ein Biotop. Der alte Hasenstall wurde kurzerhand zum Hochbeet umfunktioniert. Wir leben innen und außen gleichermaßen“, lacht Barbara Mair. „Auf einer Dachterrasse wäre das alles wohl nicht möglich“, fügt Markus Müller hinzu.