Zehn Jahre gefangen

„Wir haben sie gefunden!“: Die Rettung der Geiseln von Ohio

Gemeinsam mit seinem Kollegen war Anthony Espada der erste Polizist, der am Horrorhaus von Cleveland eintraf. Die Bilder der Rettung laufen noch jeden Tag vor seinem inneren Auge ab.

Cleveland – Am Abend des 6. Mai fuhr Anthony Espada mit seinem Kollegen in Cleveland Streife, als sich die Einsatzzentrale über Funk meldete: „Notruf einer Frau, sie sagt, sie ist Amanda Berry – zehn Jahre.“

Was danach geschah, erzählte der Polizeibeamte am Wochenende auf der Facebook-Seite der Polizei Cleveland. Als ihr Wagen auf das Haus zufuhr, stand eine Gruppe von Menschen auf einer Veranda. „Wir haben diese Mädchen gesehen. Sie hat ihre Hand nach oben gereckt, hielt ein Kind. Ich schaute meinen Kollegen an und fragte: ‚Ist sie das?‘ Er war sich noch nicht sicher,“ schildert Espada. Dann habe sein Partner den Wagen näher herangefahren. Da sei das Mädchen auf das Auto zugekommen und habe hineingeschaut. Der Blick des Kollegen sagte deutlich: „Das ist sie.“ Schon allein dieses Gefühl sei „überwältigend“ gewesen.

„Es war ganz ruhig - fast friedlich“

Espada und sein Kollege waren die ersten Polizisten vor Ort. Wenige Minuten zuvor war Amanda Berry die Flucht aus dem Haus gelungen, in dem Ariel Castro sie zehn Jahre festgehalten, gequält und missbraucht hatte. Zwei Nachbarn hatten die Türe eingetreten, nach dem die 27-Jährige verzweifelt um Hilfe gerufen hatte. Eine Nachbarin gab ihr ein Telefon, Amanda Berry setzte einen Notruf ab – und zwei Minuten später war der erste Streifenwagen vor Ort. Die junge Frau deutete immer wieder auf das Haus. Die Polizisten nahmen erst an, der Entführer könnte sich dort noch aufhalten. Dann sagte sie, Gina und noch ein Mädchen seien noch in dem Gebäude. „Das traf mich wie ein weiterer Schlag mit überwältigender Kraft.“

Sofort seien die beiden Polizisten auf das Haus zugerannt. „Es war ganz ruhig – fast friedlich – als wir die Stufen hinaufstiegen“, sagt Espada. Plötzlich hörten sie aus einem Zimmer Geräusche. Espada wartete, was passieren würde. Michelle Knight kam aus der Tür, hielt einige Sekunden inne. „Sie stürmte auf mich zu, fiel mir um den Hals. ‚Ihr habt uns gerettet!‘ Und ich hielt sie ganz fest.“ Nur Momente später kam auch Gina DeJesus aus dem Zimmer. Er habe sofort gewusst, wer sie sei. Es sei überwältigend gewesen. „Ich musste mich ganz schön zusammenreißen“, sagt der Polizist. Schließlich funkte er in die Zentrale: „Wir haben sie gefunden!“

An diesem Tag habe einfach alles gepasst. Als Held fühle er sich nicht, sagt Espada. „Ich bin froh, dass ich da war, und dass ich sie in Sicherheit bringen konnte.“ Jeden Tag laufen die Bilder wieder und wieder vor seinem inneren Auge ab. Das glückliche Ende der grausamen Gefangenschaft hat sich in das Gedächtnis von Anthony Espada eingegraben. (tt.com)

Facebook-Seite der Polizei Cleveland: http://go.tt.com/10pymx7