Europa-League-Triumph

Siegtor in der 93. Minute: Chelsea ringt Benfica nieder

Es deutete bereits alles auf eine Verlängerung hin – aber in der Nachspielzeit trifft Ivanovic für den FC Chelsea zum 2:1 Finalsieg gegen Benfica. Ein Jahr nach dem Triumph in der Champions League gewinnen die Londoner nun die Europa League.

Amsterdam - Chelsea hat den Fußball-Europacup-Doppelpack perfekt gemacht. Die Londoner feierten am Mittwochabend in Amsterdam dank eines Last-Minute-Tores von Branislav Ivanovic (93.) gegen Benfica Lissabon einen äußerst knappen 2:1-(0:0)-Finalsieg und holten damit nach der Champions League 2012 nun auch den Titel in der Europa League. Die Truppe von Chefcoach Rafael Benitez ist damit für wenige Tage auch amtierender Champion beider Bewerbe.

Nach einer torlosen ersten Hälfte, in der die Portugiesen klar überlegen waren, brachte Fernando Torres (60.) Chelsea voran, der Ausgleich von Oscar Cardozo (68.) aus einem Handelfmeter leitete eine packende Schlussphase ein, in der die Londoner zum glücklichen Sieger avancierten und damit eine enttäuschende Saison doch noch retteten. Für Portugals Rekordmeister ging hingegen der Bela-Guttmann-Fluch weiter, sie kassierten seit ihren bisher letzten Titelgewinn 1962 (Meistercup) zum siebenten Mal in Folge in einem Europacup-Endspiel eine Niederlage.

Chelsea ohne Terry und Hazard

Die Londoner mussten ersatzgeschwächt ins Spiel gehen. Sowohl Hazard als auch Terry wurden nicht rechtzeitig fit. Besonders bitter war der Ausfall für Terry, der schon in der vergangenen Saison das Champions-League-Endspiel wegen einer Sperre verpasst hatte. Und das Duo musste tatenlos zusehen, wie die eigene Truppe vor der Pause unterlegen war.

Die Portugiesen nahmen von Beginn an das Heft in die Hand, waren technisch klar besser und spielten die Londoner zum Teil schwindlig. Im Abschluss fehlte Portugals Rekordmeister aber die nötige Effizienz, bei zwei Großchancen wurde überkombiniert (11., 15.). Zudem ging ein Kopfball von Cardozo (2.) genauso drüber wie ein Heber von Perez (12.) und ein Außenrist-Versuch von Gaitan (33.).

Chelsea kam mit Fortdauer der ersten Hälfte zumindest etwas besser ins Spiel, blieb aber mit Ausnahme eines Lampard-Schusses (38.) ungefährlich. Der Abschluss des Kapitäns aus 20 Metern hatte es aber in sich: Benfica-Goalie Artur verschätzte sich, konnte in höchster Not noch zur Ecke abwehren.

Torres trifft zum 1:0

Zu Beginn von Hälfte zwei machten die Portugiesen gleich wieder viel Druck, ein Tor von Cardozo wurde zurecht wegen knappem Abseits aberkannt (51.). Unmittelbar nachdem Salvio eine Kopfballchance ausgelassen hatte (59.) geriet die überlegene Mannschaft plötzlich in Rückstand. Nach einem Auswurf von Goalie Cech setzte sich Torres gegen Luisao durch, ging mit einem Haken an Artur vorbei und traf aus spitzem Winkel entgegen des Spielverlaufs zum 1:0 (60.).

Benfica-Coach Jorge Jesus reagierte mit einem Doppeltausch und seine Truppe gab schnell die passende Antwort. Chelseas Azpilicueta bekam im Strafraum den Ball an die Hand und Cardozo verwertete den verhängten Elfmeter mit einem wuchtigen Schuss in die Mitte (68.). Damit war wieder alles offen.

Die Portugiesen waren zwar nicht mehr so kombinationsfreudig wie vor der Pause, hätten aber noch in der regulären Spielzeit für die Entscheidung sorgen können. Cech konnte einen gut angetragenen Cardozo-Schuss mit einem Reflex über die Latte abwehren (82.). Die Londoner waren in einer packenden Schlussphase dann aber noch gefährlicher. Ein Lampard-Schuss aus 25 Metern sprang von der Latte zurück ins Feld (88.), damit deutete alles auf eine Verlängerung hin.

Ivanovic-Goldtor in 93. Minute

Doch zu der kam es nicht mehr. Nach einem Mata-Eckball kam Ivanovic am langen Eck frei stehend zum Kopfball und traf ins lange Eck, Artur konnte nur mehr tatenlos zusehen. Damit verpasste es Benfica, ausgerechnet am Ort seines bisher letzten Triumphes auf europäischer Ebene wieder auf die Erfolgsstraße zurückzukehren. 1962 hatten sie ebenfalls in Amsterdam gegen Real Madrid 5:3 gewonnen.

Erfolgstrainer Guttmann forderte damals eine Gehaltserhöhung, die ausgeschlagen wurde. Deshalb soll er damals gesagt haben: „Benfica wird in Europa nie wieder etwas gewinnen.“ Bis jetzt hat er damit weiterhin Recht behalten.

Stimmen zum Finale

Rafael Benitez (Chelsea-Trainer): „In der ersten Hälfte waren wir nicht frisch genug, deshalb musste sich etwas ändern. Meine Mannschaft hat in der zweiten Hälfte gegen ein sehr gutes Team eine großartige Leistung gezeigt. Ich bin sehr stolz auf meine Spieler, sie haben sehr hart gearbeitet, obwohl es nicht einfach für uns war.“

Branislav Ivanovic (Chelsea-Siegtorschütze): “Es ist ein großartiges Gefühl. Die Mannschaft hat das verdient. Es war ein sehr schwieriges Spiel, Benfica hat sehr gut gespielt, aber wir haben sehr hart für den Erfolg gekämpft. Wir hatten eine schwere Saison mit vielen Spielen. Jetzt ist Zeit zum Feiern.“

Fernando Torres (Chelsea-Torschütze): „Ich bin sehr glücklich. Es war ein langer Weg bis nach Amsterdam und es war ein hartes Spiel. In der ersten Hälfte waren wir nicht gut genug. Wir mussten unsere Einstellung ändern und dann hat man den Unterschied gesehen. Wir wollten den Titel unbedingt gewinnen.“

Jorge Jesus (Benfica-Lissabon-Trainer): „Es war ein Finale zweier großartiger Mannschaften. Wir haben exzellent gespielt, uns hat aber das nötige Glück gefehlt, das wir uns verdient gehabt hätten.“

Nemanja Matic (Benfica-Lissabon-Mittelfeldspieler): „Wir haben sehr gut gespielt, wir haben aber einfach kein Glück gehabt. Wir waren besser und hatten mehr Chancen im Spiel, aber das bessere Team gewinnt nicht immer. Gratulation an Chelsea.“

Benfica Lissabon - Chelsea 1:2

Amsterdam-Arena, 46.000, SR Björn Kuipers/NED

Torfolge: 0:1 (60.) Torres, 1:1 (68.) Cardozo (Hand-Elfmeter), 1:2 (93.) Ivanovic

Benfica: Artur - Almeida, Luisao, Garay (78. Jardel), Melgarejo (66. John) - Perez, Matic - Salvio, Rodrigo (66. Lima), Gaitan - Cardozo

Chelsea: Cech - Azpilicueta, Ivanovic, Cahill, Cole - Lampard, David Luiz - Ramires, Mata, Oscar - Torres

Gelbe Karten: Garay, Luisao bzw. Oscar