Neue Koalition

Touristiker sind mit den Grünen vorerst versöhnt

Aus dem Koalitionspakt lesen Touristiker ein Ja zum Golfplatz im Trockenmoor sowie den Zusammenschluss zweier Gletscher heraus.

Von Anita Heubacher

Innsbruck –Der Aufschrei von Franz Hörl ist ausgeblieben. Der oberste Seilbahner, sonst immer wortgewaltig, hält sich nach der Lektüre des schwarz-grünen Koalitionspaktes zurück. Beim Punkt Tourismus ist ein Reizthema im Papier gänzlich ausgespart: Die Grünen wollten eine Energieabgabe für Schneekanonen. Hörl und der neue grüne Klubobmann Gebi Mair lagen sich deshalb oft in den Haaren. Die Forderung hat sich in Luft aufgelöst.

Papier sei geduldig, meint Landesumweltanwalt Johannes Kostenzer. Er ist künftig weisungsfrei gestellt. Ein langjähriges Anliegen der Grünen, das jetzt umgesetzt werden soll. So wie in allen anderen Bundesländern auch dürfte die Landesregierung den Landesumweltanwalt dann nicht mehr zurückpfeifen. Bisher hat es eine Weisung der Landesregierung gegeben. Sie wollte die Pitztaler Talabfahrt umsetzen und überstimmte den Landesumweltanwalt. „Ich hoffe, dass die Natur nicht draufzahlt“, meint Kostenzer. Ob wieder viele Naturflächen verloren gehen, werde man erst am Ende der Legislaturperiode sehen.

Sinnvolle Erweiterungen müssten auch in Zukunft möglich sein, meint Franz Tschiderer. Der Touristiker sieht das im Papier ermöglicht. Tatsächlich sind die Zusammenschlüsse Spieljoch-Hochfügen im Zillertal, Kappl-St. Anton und eine Verbindung zwischen Pitztaler und Ötztaler Gletscher angeführt. Letzterer soll durch eine Überspannung des Mittelbergferners und nicht durch einen Tunnel ermöglicht werden. Ob das alles tatsächlich kommt, hängt von den Verfahren ab.

„Die Grünen haben sehr viel Beweglichkeit gezeigt“, meint Harald Ultsch, oberster Touristiker in der Wirtschaftskammer. Viele Projekte seien leichter umzusetzen, „wenn die Grünen in der Regierungsverantwortung und nicht mehr in Opposition sind“. Von Neuerschließungen sei nicht die Rede. „Infrastruktur muss aber weiterentwickelt werden.“ Ein klares Ja sieht Ultsch im Papier auch zu weiteren Golfplätzen. „Im Außerfern ist das Trockenmoor kein Hindernis mehr.“

In der Tirol Werbung ist man zufrieden. Hier ist die Zusammenarbeit zwischen dem Haus und den Tourismusverbänden ein Thema. Durch das Tirol Tourism Board ohnehin schon stark aneinandergekettet, rückt die Markenführung, der Marke Tirol, weiter in den Fokus. Die lasse sich die Tirol Werbung nicht aus der Hand nehmen, meint deren Direktor Josef Margreiter. Allerdings wird hier noch ein „Board“ eingeführt. Darin vertreten sind unter anderem neben der Tirol Werbung die Standortagentur und die Agrar Marketing. Die Marke Tirol soll verstärkt zur Standortmarke ausgebaut werden. Südtirol ist da schon weiter.

Für Tourismuskenner liest sich das Koalitionspapier etwas eigenartig. Randerscheinungen wie Rodeln, Skitourengehen oder Rucksacktourismus sind erwähnt, Kernthemen wie Wandern, Rad- oder Skifahren nicht. „Die Realität wird zeigen, wo wir Wertschöpfung erzielen können“, sagt Margreiter. Weniger schön umschreibt es Harald Ultsch: „Da ist keine massive Auseinandersetzung mit dem Tourismus passiert. Vieles wurde aus der Innsbruck-Brille gesehen.“

Die Kalkkögel sind als einziger Punkt im koalitionsfreien Raum gelandet. Über das Ruhegebiet Kalkkögel sollen die Skigebiete Axamer Lizum und Schlick im Stubaital verbunden werden. Aus Innsbrucker Sicht durchaus attraktiv, aus grüner ein No-Go.