Nach Protesten: Stadt lässt Tram-Alternativen prüfen
SPÖ-Prüfantrag für Wechsel der Regionalbahntrasse Defregger- in die Amraser-/Gumppstraße wurde im Gemeinderat einstimmig angenommen.
Von Manfred Mitterwachauer
Innsbruck –Neuer Abschnitt, neuer Ärger. Es ist immer dasselbe Spiel, wenn es um die Regionalbahn in Innsbruck geht. Dieses Mal betrifft es die Defreggerstraße. Durch diese soll die neue Tram-Linie „O“ in Richtung Olympisches Dorf geführt werden. Zur Gänze, inklusive eines Durchstichs in die Langstraße. Bis dato verläuft die Tram-Linie 3 vom Leipziger Platz kommend über die Defreggerstraße lediglich bis zur Kreuzung mit der Pradler Straße. Die dort als „scharfes Eck“ bekannte Kurve soll aufgelassen werden, weil die neue „3er“ künftig vom Leipziger Platz direkt in die Amraser Straße schwenken soll.
Der Zorn einiger Anrainer der Defreggerstraße nicht nur über diese Trassenführung, sondern auch über die an den Tag gelegte Informationspolitik entlud sich Anfang April an einem Info-Abend durch Stadt und Verkehrsbetriebe (IVB). Seither ist erst recht Feuer am Dach.
Feuer, das am Donnerstag zusätzlich angeschürt worden sein dürfte. War es doch die SPÖ, die einen Prüfantrag einstimmig im Plenum durchbrachte, wonach die Verlegung der Tram-Trasse von der Defregger- via Amraser- in die parallel verlaufende Gumppstraße untersucht werden soll. SPÖ-Klubobmann Arno Grünbacher bemühte sich zwar gleich mehrfach zu beschwören, dass die Roten auch weiter zur Regionalbahn stünden. Aber eben jener Abschnitt in der Defreggerstraße sei ungeachtet dessen sehr wohl zu hinterfragen, „ob das der Weisheit letzter Schluss ist“. Dem pflichtete SP-GR Helmut Buchacher bei: „Natürlich gibt es gute Argumente für die Defreggerstraße, aber die Leute sind sich bei der Info-Veranstaltung einfach verarscht vorgekommen.“ Und auch wenn die grobe Trassenplanung bereits im Jahre 2001 erfolgt sei – Adaptierungen des über 400 Mio. € teuren Projektes habe es immer wieder gegeben. „Wir sollten zu Teiländerungen stehen“, wurde Buchacher emotional.
Schützenhilfe erhielten die Sozialdemokraten von der FPÖ und Liste Federspiel. FP-Klubchef Markus Abwerzger verwies auf eine Unterschriftenliste, die im Magistrat eingebracht wurde: „Das sind 1145 Unterschriften von Bürgern, die das nicht wollen.“ Und Rudi Federspiel ging noch weiter: „Die Pacherwiese [Anm. das gescheiterte Stadt-Gartl-Projekt] ist schon mit 150 Leuten in die Hose gegangen – hier sind es 1145.“
In der Sache hingegen warnte BM Christine Oppitz-Plörer (FI) eindringlich davor, „über einzelne Anträge eine ganze Trasse zu ändern“. Sie wiederholte, dass sich ein solches Infrastrukturprojekt auch nicht für eine Bürgerbeteiligung eignen würde – zumindest nicht für die Streckenführung. Dem pflichtete auch Grünen-Klubobfrau Uschi Schwarzl bei. Denn, so Oppitz-Plörer, es werde stets Abschnitte geben, die „nicht besonders lustig sind“. Und zitierte dabei Alt-BM Zach: „Die Straßenbahn fällt nicht vom Himmel.“
Trotz aller Bedenken wurde der SP-Prüfantrag einstimmig angenommen. IVB-Chef Martin Baltes versicherte gestern, die IVB werde diese Prüfung nach Alternativen „seriös abarbeiten“. Nachsatz: „Es würde mich aber wundern, wenn es zu einem anderen Ergebnis kommt. Es ist ja schon alles geprüft worden.“