Gesetz zur Homo-Ehe in Frankreich offiziell in Kraft getreten
Das umstrittene Gesetz, das homosexuellen Paaren das Recht zur Ehe und auch das Recht zur Adoption von Kindern gibt, wurde Samstagfrüh von Präsident François Hollande unterzeichnet.
Paris - Homosexuelle Paare dürfen in Frankreich künftig heiraten und Kinder adoptieren. Das in der französischen Gesellschaft höchst umstrittene Gesetz zur sozialen Gleichstellung von Schwulen und Lesben trat am Samstag mit der Veröffentlichung im Amtsblatt offiziell in Kraft. Frankreichs Präsident Hollande hatte das Gesetz Samstagfrüh unterzeichnet. Der Verfassungsrat hatte zuvor alle Einsprüche der konservativen Opposition gegen die von Präsident Hollande im Wahlkampf versprochene Neuregelung abgewiesen.
Nach Angaben der Mittelmeerstadt Montpellier soll im dortigen Rathaus am 29. Mai die erste Homo-Ehe gefeiert werden. Zwei Männer haben sich dafür angemeldet. Justizministerin Christiane Taubira hatte am Freitag erklärt, alle notwendigen Texte zur Umsetzung des Gesetzes seien bereits vorbereitet.
Im französischen Homo-Ehe-Artikel heißt es im Kern: „Die Ehe wird geschlossen von zwei Personen unterschiedlichen oder gleichen Geschlechts.“ „Die Pflicht des Staates ist es, gegen Diskriminierungen zu kämpfen“, hatte Frankreichs Justizministerin Taubira zur Verabschiedung des Textes im Parlament erklärt.
Das Gesetz zur Einführung der Homo-Ehe („Ehe für alle“) sieht neben dem Recht zur Eheschließung auch ein Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare vor. Eine ähnliche Gleichstellung zwischen homo- und heterosexuellen Paaren gibt es bislang erst in rund einem Dutzend anderer Länder. Frankreich ist das 14. Land weltweit, das die Homo-Ehe einführt. Als erstes Land hatten 2001 die Niederlande die zivile Ehe für Gleichgeschlechtliche zugelassen.
Die Sozialreform gilt in Frankreich als die bedeutendste seit Abschaffung der Todesstrafe im Jahr 1981. Das Projekt ist allerdings in der Gesellschaft hoch umstritten. In den vergangenen Wochen und Monaten gingen Hunderttausende Franzosen gegen das Gesetz auf die Straße - dabei kam es vereinzelt auch zu gewaltsamen Ausschreitungen.
Die Homo-Ehe-Gegner kritisieren vor allem das Adoptionsrecht und befürchten unter anderem eine „Destabilisierung von Familienstrukturen“ und negative Auswirkungen auf Kinder, die mit zwei Müttern oder zwei Vätern groß werden. Am 26. Mai soll es eine weitere Demonstration geben.
Starke Zunahme von homophoben Taten
Die französische Schwulen- und Lesbenrechtsgruppe SOS Homophobie hat eine dramatische Zunahme von Beleidigungen und Angriffen gegen Homosexuelle in Frankreich im Zuge der Debatte um die Einführung der Homo-Ehe beklagt.
Im Oktober und November 2012 seien jeweils doppelt so viele Vorfälle gemeldet worden wie in den Vorjahresmonaten, erklärte die Organisation diese Woche bei der Vorstellung ihres Jahresberichts in Paris. Im Dezember habe sich die Zahl sogar verdreifacht. „Der Beginn des Jahres 2013 weist die gleiche Tendenz auf“, sagte SOS-Homophobie-Chefin Elisabeth Ronzier. (tt.com/dpa/APA/AFP)