Song Contest 2013: Der Himmel weint und Dänemark lacht
TT-Redakteurin Christiane Fasching berichtete die ganze Woche vom Song Contest in Malmö und im Tagebuch von ihren Eindrücken rund um den Liederstreit.
Aus Malmö von Christiane Fasching
So schnell geht‘s: Am Samstag waren Malmös Straßen noch vollgestopft mit Fahne schwenkenden Song-Contest-Fans von Armenien bis Zypern - doch jetzt, wenige Stunden nach dem Finale des Liederstreits, ist in Schwedens drittgrößter Stadt wieder Ruhe eingekehrt. Die meisten Eurovision-Fans sind bereits Richtung Heimat abgeflogen oder erholen sich noch von der Kräfte raubenden Partynacht: Fahnen sieht man keine mehr, man riecht sie höchstens.
Der 58. Song Contest ist Geschichte und Emmelie de Forest Europas neue Pop-Prinzessin: Das elfengleiche Mädel aus dem Wald, das barfuß und als haushohe Favoritin ins Wettsingen getänzelt war, hat mit ihrem Folklore-Ohrwurm „Only Teardrops“ den Sieg nach Dänemark geholt - aus Respekt vor der tränenlastigen Nummer weint nun auch der Himmel in Malmö. Und zwar Freudentränen.
Der Song Contest bleibt nämlich in der direkten Nachbarschaft: Kopenhagen, wo die größte Musikshow der Welt mit ziemlicher Sicherheit im nächsten Jahr landen wird, ist nicht einmal 30 Kilometer von hier entfernt. Kurz über die Öresundbrücke rauschen und schon ist man dort, wo der ESC zuletzt im Jahr 2000 zu Gast war - den kultigen Olsen Brothers sei Dank, die damals auf den Flügeln der Liebe überraschend zum Sieg geschwebt waren.
Ein paar Überraschungen gab‘s auch in Malmö: 1.: Bonnie Tyler singt gar nicht so gut, wie man dachte. Oder lähmt Botox auch die Stimmbänder? 2.: Für deutschen Dance-Pop wird zwar euphorisch gejubelt, aber nicht glorios gevotet. 3. Die Pophelden von ABBA sind tatsächlich Spielverderber. Zumindest den Refrain von „Waterloo“ hätten sie doch in Malmö anstimmen können. 4. Auf Wettbüros kann man sich verlassen: Wie im Vorjahr war die Quoten-Favoritin am Ende auch die Siegerin. 5. Nach einer Woche beim Song Contest ist man nicht taub, sondern nur etwas verwirrt: Hat tatsächlich ein rumänischer Vampir mitgesungen?
Ob Österreich nächstes Jahr erneut beim Wettsingen mitmischt, steht noch in den Sternen. Der ORF muss sparen - und weil der Rest Europas bei unseren Beiträgen immer mit Punkten spart, kann‘s gut sein, dass in Dänemark keine rot-weiß-rote Fahne geschwenkt wird. Ich fänd‘s schade: Gibt‘s doch kein anderes europäisches Groß-Event, das so friedlich und völkerverbindend über die Bühne geht und nebenbei auch noch Spaß macht. Also auf nach Kopenhagen!