Tourist aus Kanalsystem geborgen - eigenmächtig eingestiegen

Ein 55-jähriger deutscher Tourist hat sich am Pfingstsonntag bei einer eigenmächtigen Tour und nicht wie ursprünglich angegeben bei einer organisierten Führung im Wiener Kanalsystem schwer verletzt.

Wien – Weil er sich sieben Euro für eine Tour, die zu den Schauplätzen des Films „Der dritte Mann“ führt, sparen wollte, ist am Pfingstsonntag ein 55-Jähriger selbstständig in das Wiener Kanalsystem eingestiegen. Dabei rutschte er aus und erlitt einen Oberschenkelhalsbruch. Glücklicherweise wurde er von jenem Kanalarbeiter entdeckt, der die Führung leitete.

Zunächst hatten die Rettungskräfte gedacht, der Tourist aus München hätte die Führung durch den Wiener Untergrund auf den Spuren von Orson Welles, alias Harry Lime, mitgemacht. Laut Josef Gottschall, Sprecher von Wien-Kanal, ist der Mann jedoch beim Stadtpark in das Kanalsystem geklettert, „um den Wienfluss zu erkunden“.

Doch der Uferbereich war durch die Niederschläge nass und schlammig, weshalb er auf dem Beton stürzte und hilflos liegen blieb. Die Tour führte etwa 300 Meter entfernt vorbei und der Mann konnte durch Lampensignale auf seine missliche Lage aufmerksam machen. Er dürfte höchstens eine dreiviertel Stunde dort gelegen haben.

„Der 55-Jährige hatte noch riesiges Glück. Nur 100 Meter weiter macht der Tunnel eine Krümmung und man hätte ihn dort nicht entdeckt“, so Gottschall. Zudem war der Sonntag durchaus regnerisch - und der Wienfluss hat ein 200 Quadratkilometer großes Einzugsgebiet. Der Wasserstand kann im Kanal in Minuten extrem steigen, der sparsame Tourist hätte durchaus ertrinken können.

So wurde er einen Kilometer durch den Kanal getragen. Erst bei der Kettenbrückengasse kam er wieder ans Tageslicht. Von dort ging es mit dem ÖAMTC-Rettungshubschrauber „Christophorus 3“ ins AKH. Dem Münchner soll sein Abenteuer übrigens entsetzlich peinlich sein.... (APA)


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